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Erkelenz
Ein Fest sorgt für Qualifikation

Erkelenz: Ein Fest sorgt für Qualifikation
Daviti Bakhturidze grillt beim Sommerfest des Bildungsträgers Tertia nicht nur für seinen Bruder Tornike (r.) und Projektleiterin Barbara Hermanns - auch alle anderen genossen gestern die Atmosphäre. FOTO: JÖRG KNAPPE
Erkelenz. Der Bildungsträger Tertia kümmert sich auf dem Gelände der Kreishandwerkerschaft Heinsberg um die Qualifikation von Flüchtlingen. Auch wenn ihr Aufenthaltsstatus noch offen ist - so leisten sie bereits einen Beitrag zur Integration. Von Anke Backhaus

Die Stimmung ist ausgelassen, Musik ist zu hören, man sitzt zusammen und genießt die Atmosphäre. So soll es auch sein. Schließlich ist das nicht jeden Tag so, denn in Terheeg, wo der Bildungsträger Tertia Räume auf dem Gelände der Kreishandwerkerschaft angemietet hat, wird ansonsten gelernt und gearbeitet - fitgemacht für die Zukunft. Tertia hat gestern zum Sommerfest geladen, die Gäste waren in der Hauptsache Flüchtlinge, die in Terheeg sinnvolles Rüstzeug mitbekommen, um sich beruflich zu qualifizieren. Projektleiterin ist Sozialpädagogin Barbara Hermanns.

Seit Mai ist Tertia im Auftrag der Agentur für Arbeit in Terheeg als Förderzentrum aktiv. In den Bereichen Hotel/Gaststätten, Lager und Handel sowie Bauhandwerk werden die Flüchtlinge geschult. Vor allem sind die Flüchtlinge angesprochen, deren Aufenthaltsstatus nicht gesichert ist. "Hier werden sie beschäftigt, dabei leisten sie einen Beitrag zu ihrer Integration. Firmen arbeiten da auch gut mit. Mittlerweile sind sie sich ihrer Verantwortung bewusst, diesen Menschen eine Perspektive zu bieten", erklärt Barbara Hermanns. In Terheeg sind derzeit 25 Flüchtlinge, die sich weiterbilden wollen. Barbara Hermanns: "Ihnen allen gemein ist, dass sie etwas tun wollen. Ihre Bereitschaft ist groß. Niemand von ihnen möchte einfach nur so herumsitzen." Im Verlauf der Maßnahme ist es wichtig, dass die Flüchtlinge die deutsche Sprache so schnell wie möglich lernen.

Einer, der das schon hervorragend geschafft hat, ist der 22-jährige Daviti Bakhturidze. Der Georgier ist vor elf Monaten ohne Deutschkenntnisse mit seinen Eltern und seinem 15-jährigen Bruder Tornike nach Deutschland gekommen - die politische Situation zwang die Familie, ihre Heimat zu verlassen. Daviti hat seinen Schulabschluss gemacht, danach hat er begonnen, Betriebswirtschaftslehre zu studieren. Zuletzt hat er in einer Bank gearbeitet, zuständig war er für Kredite. "Am liebsten möchte ich hier noch eine Ausbildung zum Bankkaufmann machen", sagt er. "Ich möchte lernen und arbeiten und Sport treiben." In Georgien hat er unter anderem geboxt. Er und sein Bruder, der in Heinsberg-Oberbruch die Hauptschule besucht, haben schnell die deutsche Sprache gelernt, das war ihnen wichtig. Ihre Eltern - der Vater ist gelernter Kfz-Mechatroniker, die Mutter Musiklehrerin - tun sich noch etwas schwer damit, doch sie besuchen Sprachkurse. Daviti: "Wir wissen noch nicht, was kommt, was die Zukunft bringt. Wir werden warten." Gewartet wird in der Familie aber nicht einfach nur so. Alle haben dafür gesorgt, dass ihr Tagesablauf eine Struktur erhält. Während Tornike also noch zur Schule geht und Daviti bei Tertia weitere Qualifikationen erhält, beschäftigt sich ihre Mutter in Heinsberg, dort lebt die Familie, in einer Musikschule, der Familienvater hat eine Beschäftigung im Heinsberger Rathaus gefunden. Wenn Barbara Hermanns ein solches Beispiel betrachtet, spricht sie von Flüchtlingen mit Vorzeigecharakter. Sie will möglichst niemanden, der täglich in Terheeg ist, zurücklassen. Sie schätzt die gute Situation, dass die Kreishandwerkerschaft ihre Terheeger Werkstätten nicht durchgängig nutzt. So nämlich ist Platz für die Flüchtlinge.

Das Sommerfest hat sie übrigens veranstaltet, damit die Menschen, die im Bereich Hotel/Gaststätten gebildet werden, ihre erworbenen Fähigkeiten präsentieren können. Das Fazit des Tages lautete jedenfalls "gelungen".

Quelle: RP
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