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Erkelenz
Ein Gedenkzeichen für die Zukunft

Erkelenz. Das neue Wohngebiet am Schulring trägt nun offiziell den Namen "Joseph-Emonds-Hof", benannt nach dem Geistlichen aus Terheeg, der in der NS-Zeit Juden vor dem Tod bewahrte. Gedenken auch an Emonds' Grab auf dem Friedhof. Von Jessica Balleer

Nicht selten trifft man an den Straßenecken der Stadt auf Berühmtheiten: Charles de Gaulle, Theodor Heuss oder Anton Raky sind die Namen prägender Menschen besonderer Epochen, nach denen Erkelenz seine Straßen benannt hat. Dabei steht stets die Hoffnung im Vordergrund, ihr außergewöhnliches Wirken nie in Vergessenheit geraten zu lassen.

Am Wochenende wurde einem weiteren Mann diese Ehre zuteil: Der "Joseph-Emonds-Hof" trägt nun den Namen des Erkelenzer Dechants, der sich unter Einsatz seines Lebens als Retter und Fluchthelfer für jüdische Mitmenschen einsetzte. Seine Geschichte findet man nicht in den Büchern der Weltgeschichte. Vielleicht deshalb nannte Bürgermeister Peter Jansen das Straßenschild ein "besonders wichtiges Zeichen für Familie Emonds, für die Stadt und die Zukunft."

Der Zeitpunkt sei genau richtig, sagte Jansen in seiner Rede. Zwar liege es mehr als sieben Jahrzehnte zurück, als der 1898 in Terheeg geborene Emonds zum Priester geweiht, zum Dechant ernannt und als mutiger Lebensretter viele Juden vor dem Tod bewahrte. Die Solidarität dahinter aber sei aktuell: "Auch 70 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz ist das kein Thema der Vergangenheit, sondern der Gegenwart", sagte Jansen. Es bedürfe auch heute noch Menschen, die sich für das Wohl anderer einsetzen.

Den Anstoß für die Namensgebung hatte der Erkelenzer Heimatverein gegeben. Er sei "stolz und froh", sagte Klaus Steingießer, Vorsitzender des Bezirksausschusses, als er das Straßenschild am Schulring offiziell enthüllte. Der Ort hätte kaum besser gewählt werden können: Auf dem anliegenden Friedhof befindet sich auch das Grab von Joseph Emonds. Zur Kranznierderlegung an der Grabstätte folgten Familienangehörige von Emonds, Vertreter der katholischen und evangelischen Gemeinde.

Auch die jüdische Gemeinde zollte Joseph Emonds durch ihr Kommen Respekt. Zum zweiten Mal, denn bereits seit letztem Jahr trägt eine Plakette inmitten Jerusalems, im Garten der Gerechten "Yad Vashem" den Namen des Erkelenzers Joseph Emonds. Auch Familie Epp war gekommen, denn sie wird den Joseph-Emonds-Hof bald ihr Zuhause nennen. "Schön zu wissen, dass der Straßenname mit Bedacht gewählt ist", sagte Lilly Epp. "Er war ein vorbildlicher Mensch."

Nur kurze Zeit vor der Einweihung des "Joseph-Emonds-Hofs" muss es geschehen sein, dass der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker verstarb. Ein Zeitzeuge, wie Emonds. Und wie passend, dem simplen Straßenschild durch von Weiszäckers prägendste Worte ihre tatsächliche Tragweite zu verleihen, denn "erinnern heißt, eines Geschehens so ehrlich und rein zu gedenken, dass es zu einem Teil des eigenen Inneren wird".

Quelle: RP
 
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