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Serie Strassengeschichte - Teil 2
Ein "Hufeisen" liegt um St. Lambertus

Erkelenz. Wie sich das Leben am Johannismarkt änderte. Es stand eine Häuserzeile vor St. Lambertus, und der Platz war gärtnerisch gestaltet. Von Hans Groob

ERKELENZ Dass der Johannismarkt neben dem Markt der wichtigste Platz der Stadt Erkelenz ist, bemerkten 1982 in Band 3 (Erkelenzer Straßen) der blau-weißen Schriftenreihe des Heimatvereins die Autoren Josef Lennartz und Theo Görtz und beriefen sich dabei auf die urkundlichen Nachweise aus den Jahren 1420 (" ... novus puetus in antiguo foro oppidi de Ercklens") und 1481 (" ...op dem alden mart ...").

Während sich der Markt südlich von St. Lambertus um das Alte Rathaus als der zentrale Punkt der Stadt darstellt, umklammert der Johannismarkt die Pfarrkirche wie ein "Hufeisen" von der östlich gelegenen Sakristei bis zum nord-westlich am Fuße des Turms installierten Relief des Erzengels Michael. Seit spätestens 1819 trägt der Johannismarkt seinen Namen, wobei davon auszugehen ist, dass hier auch der Platz für den damals sieben Tage dauernden Junimarkt (rund um den 24. Juni, eben Johanni) war. Mit der Stadterhebung, erteilt 1326 von Graf Reinald II. von Geldern, hatte Erkelenz das Marktrecht erhalten.

Doch nicht immer trug der Johannismarkt den heute gültigen postalischen Namen und die zugehörigen Hausnummerierungen, die von der Brückstraße in nordwestliche Richtung bis zur Burgstraße, dann nach links bis zur Gasthausstraße und schließlich südlich bis zur Schülergasse führen. Der Teilbereich zwischen Markt und Johannismarkt (Chorseite der Kirche) hieß bis zum 21. Januar 1955 "An der Kirche", der komplette Johannismarkt in Deutschlands übelster Zeit von 1933 bis 1945 gezwungenermaßen Adolf-Hitler-Platz.

Aktuell ist die Hausnummer Johannismarkt 17 die wichtigste der ganzen Stadt, verbirgt sich hinter ihr doch der Amtssitz des Bürgermeisters und der Stadtverwaltung. Hier wird allerdings nicht nur verwaltet, wozu zweifelsohne der archivierte Blick in die hochinteressante Stadtgeschichte gehört, sondern auch fortlaufend gesamtstädtische Zukunft gestaltet.

Auch das Gesicht des Johannismarktes hat sich immer wieder gewandelt, wobei die Zerstörungen aus dem Zweiten Weltkrieg die folgenschwersten waren. Bis dahin hatte sich zwischen Kirche und Johannismarkt eine im Halbrund angelegte Zeile von Häusern geschoben, unter anderem mit dem markanten Gebäude des Gasthofes und Hotels Licht (mit Aufenthaltsräumen für Personenpost-Reisende). Der heute gepflasterte Platz war damals auf Veranlassung des Industriellen (Chef der "Bohr") und Mäzen Anton Raky noch gärtnerisch gestaltet. Integriert war auch eine von Raky gestiftete Porträt-Büste des "99-Tage-Kaisers" Friedrich III., die im Zweiten Weltkrieg allerdings eingeschmolzen wurde. Zerstört wurde im Krieg auch das alte Missionskreuz an der Stirnseite (gegenüber dem Kolpinghaus), das 1947 ersetzt wurde. Heute jedoch steht es als Hagelkreuz an der Tenholter Straße, wohin es verlagert wurde, weil unmittelbar auf dem Platz an der Kirche das 1958 zur Feier des 500-jährigen Bestehens des Lambertiturmes von Bildhauer Peter Haak geschaffene Friedenskreuz errichtet wurde.

Wer die Gelegenheit bekommt, einmal einen Blick vom 83 Meter hohen Kirchturm zu werfen, wozu immer mal wieder Besteigungen angeboten werden, dem fällt an der Stelle des ehemaligen Missionskreuzes ein großes, in farbigen Maaskieseln gelegtes Erkelenzer Stadtwappen auf. Es wurde nach einem Beschluss des Ausschusses für Stadtentwicklung vom 17. Februar 1987 noch im gleichen Jahr hergestellt. Für die handwerkliche Umsetzung waren Experten aus der Stadt Thorn, auch bekannt als "weiße Stadt", aus niederländisch Limburg gekommen.

Der schweifende Blick vom Kirchturm über das kostbare Bodendenkmal, die Stadtverwaltung und die nahe Hauptschule zwischen Gasthausstraße und Westpromenade regt vielleicht aber auch zu Fantasien an. So wie bei Gerd Jungerberg (61), der am Johannismarkt Nummer 7 bis 2015 immerhin 25 Jahre ein Radio- und Fernseh-Fachgeschäft betrieb, der eine verwegene Vision entwickelt hat, die sich mit dem geschäftlichen Ausbluten, den Leerständen in der Innenstadt, beschäftigt: "Weil in Erkelenz in der City eindeutig ein Magnet, aber auch Parkplätze fehlen, schlage ich vor, die Stadtverwaltung auf den Platz des abzureißenden alten Amtsgerichts umzusiedeln. Ich würde auf dem Gelände der jetzigen Verwaltung ein attraktives Einkaufszentrum mit Gastronomie und Parkplätzen schaffen. Das wäre eine Belebung. Besucher kämen dann nicht nur zum Feiern, denn da ist die Stadt sowieso Spitze, sondern auch zum Shoppen."

Quelle: RP
 
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