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Serie "Leben auf dem Land"
Eine Zukunft fürs Leben auf dem Land

Fotos: Eine Zukunft fürs Leben auf dem Land
Fotos: Eine Zukunft fürs Leben auf dem Land FOTO: aha
Erkelenzer Land. Den Kreis Heinsberg charakterisiert eine überwiegend ländliche Struktur. Das Leben in den Dörfern und Außenorten aber hat sich gewandelt, mancherorts verschwanden Geschäfte und Gaststätten. Aber: Ein Umbruch ist im Gange. Von Angelika Hahn

Dörfer mit verödenden Ortskernen, in denen vorwiegend alte Menschen wohnen, der ländliche Raum in der Abwärtsspirale - gottlob treffen diese keineswegs gänzlich unrealistischen Klischees vom heutigen Landleben, die in jüngster Zeit immer mal wieder aus Landstrichen vorwiegend im Osten der Republik über die Fernsehbildschirme flimmern, so drastisch nicht auf den Kreis Heinsberg zu. "Wir sind nicht Mecklenburg-Vorpommern", sagt Volkhard Dörr, Leiter der Stabsstelle Demografischer Wandel beim Kreis Heinsberg. "Sicher, die Landesplanung charakterisiert den Kreis Heinsberg als eine Region mit überwiegend ländlicher Raumstruktur - aber auch als eine Region an der Peripherie der Oberzentren, die auf den Kreis ausstrahlen und relativ gut und schnell erreichbar sind. Und wir sind eine Region mit relativ hoher Lebensqualität durch die Nähe zu Naturräumen" (Naturpark Schwalm-Nette).

Die Bewohnerentwicklung seit 2014 (2013 noch rückläufig) verbucht Zuwächse: 2015 sogar ein Plus von 3147 Menschen. Und auch in Sachen Arbeitsplätze registriert die Statistik Zugewinne: Von 2011 bis 2015 nahm die Zahl sozialversicherungspflichtiger Beschäftigter im Kreisgebiet um 12,3 Prozent auf 64.773 zu, während es NRW-weit nur 6,3 Prozent waren. Bei der Altersstruktur zeigt der Kreis ein relativ homogenes Bild. Knapp ein Fünftel der Kreisbevölkerung gehört zur jungen Kohorte der bis 20-Jährigen, etwa 61 Prozent machen die 20- bis 65-Jährigen aus, ein Fünftel entfällt auf die Generation 65plus (Stand 2015).

Schaut man näher hin, so Dörr, relativieren sich so manche Vorurteile über kleinere Orte. Wichtig sei der differenzierte Blick auf die einzelnen Sozialräume und Quartiere in den Kommunen, ihre teilweise recht unterschiedlichen Stärken und Schwächen. Um den Städten und Gemeinden Hilfen für ihre Planungen zu geben, hat der Kreis vor rund vier Jahren sein "Sozialraum-Monitoring" angestoßen.

Das bedeutet: Nicht mehr Kommunen oder das Kreisgebiet als Ganzes sind die bestimmenden Einheiten für Statistik und Sozialplanung, sondern "Sozialräume" (10.000 bis 15.000 Einwohner) als größere Einheiten und "Quartiere" (2500 bis 3500 Bewohner), die ein noch begrenzteres Wohnumfeld in den Blick nehmen. Die neuen Kategorien sollen eine differenzierte Planung von Angeboten für alle Generationen ermöglichen und Kommunen Grundlagen für eigene Planungsentscheidungen an die Hand geben, erläutert Dörrs Kollege Willi Schulze.

Das Geografische Institut der TH Aachen stellte jetzt allen Kommunen im Kreis eine jeweils individuelle Ortsanalyse zur Verfügung. Sie umfasst Daten zur Bevölkerungsstruktur, zur sozialen Situation der Bewohner und zur Infrastruktur. Gerade wurden zudem Haushaltsbefragungen zum Mobilitätsverhalten in der Region und zum Wohnen im Kreis (bei rund 1000 Haushalten) abgeschlossen.

Obwohl die genauen Ergebnisse noch ausstehen, zeichnet sich auch hier ein vielfältiges Bild ab. "Ein hoher Investitionsaufwand für den Altbestand in den Ortskernen ist für viele Eigentümer eine große Herausforderung", sagt Dörr. "Andererseits erlebe ich Dorfkerne, da geht mir das Herz auf. Vieles steht und fällt halt mit dem persönlichen Engagement der Bürger vor Ort." Das die Kommunen natürlich unterstützen sollten. Wassenberg etwa beginnt im kommenden Jahr mit einem Programm zur Belebung der Dorfzentren - natürlich unter Mitwirkung der Bürger.

Ideen für unsere Dörfer sind willkommen, und es gibt sie jetzt schon. Beispiele von Bürgereinsatz sind etwa wiederentstehende Dorfläden oder Bürgerteffs, Nachbarschaften, die Fahrdienste organisieren, Grünzonen pflegen oder zu Festen Alt- und Neubürger einladen. Wir werfen in dieser Ausgabe beispielhaft Schlaglichter aufs Leben in einigen, sehr unterschiedlich strukturierten Dörfern - die ihre je eigenen Probleme haben und doch auch Aufbruchstimmung spüren lassen und durch Gemeinschaftsgeist Hoffnung machen für die Zukunft.

Quelle: RP
 
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