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Erkelenz
Erinnern, mahnen und auch danken

Erkelenz: Erinnern, mahnen und auch danken
Haben die Ausstellung organisiert (v.l.): Antonia Gormanns, Peter-Josef Gormanns, Heinz-Josef Hermes, Annelie Hermes, Pfarrer Werner Rombach, Friederike Grates, Gerta Gormanns und Rainer Merkens. FOTO: JÖRG KNAPPE
Erkelenz. Der Ortsausschuss St. Valentin Venrath hat in einer beeindruckenden Ausstellung an das Ende des Zweiten Weltkrieges erinnert. Die aufwendigen Recherchen der Organisatoren brachten aufschlussreiche Dokumente hervor. Von Willi Spichartz

"Nie wieder!" So prangte es auf der Großleinwand der Kirche St. Valentin in Venrath am Sonntagabend - erinnert wurde vom Ortsausschuss an den Zweiten Weltkrieg, aber auch daran, dass derzeit an vielen Stellen der Welt Kriege toben, Menschen vertrieben werden. In einer Power-Point-Präsentation wurden auf der Leinwand Dokumente zum Krieg in und um Venrath gezeigt, dazu Texte rezitiert, unter anderem von der 14-jährigen Antonia Gormanns.

Eine Menge Arbeit, auch im Erkelenzer Stadtarchiv, hatten vor allem Friederike Grates, Rainer Merkens, Gerta Gormanns, Annelie Hermes, Peter-Josef Gormanns und Heinz-Josef Hermes vom Ortsausschuss der Vereine und der katholischen Gemeinde St. Valentin geleistet, um allen Generationen den Schrecken des Kriegs in der eigenen Heimat vor Augen zu führen. Und darum auch bewusst die Schülerin Antonia Gormanns zur Mitarbeit gebeten, um Friedenserhaltung als eine Zukunftsaufgabe auszuweisen.

Ein bisschen Sorge hatten sich die Mitglieder des Venrather Ortsausschusses darum gemacht, ob die Venrather das Angebot zur Erinnerung, zur Mahnung und zum Dank für 70 Jahre Frieden auch annehmen würden - die Sorge war unbegründet, bis auf wenige Plätze in den Seitenschiffen war die Kirche gefüllt. Und nicht nur mit Venrathern. Zu den begrüßten Gästen gehörten der Erste Beigeordnete der Stadt Erkelenz, Dr. Hans-Heiner Gotzen, und der Vorsitzende des Heimatvereins der Erkelenzer Lande, Günther Merkens.

Die Recherche-Arbeiten hatten aufschlussreiche Dokumente hervorgebracht wie das Tagebuch der Einheimischen Maria Mattelé, die die letzten Kriegstage in Venrath und Kaulhausen beschreibt, die Evakuierung nach Erkelenz, die schwierigen Lebensbedingungen dort und die Rückkehr in die zerschossenen Dörfer am 10. März 1945.

Als besonders interessantes Dokument legte der Ortsausschuss einen Ausschnitt des amerikanischen Nachrichtenmagazins "Newsweek" vom August 1945 vor, in dem ein Foto abgedruckt ist, das von einem Internierungslager für Zivilisten in der Nähe des Finanzbauamts in Erkelenz aufgenommen wurde. Der Venrather Leo Mattelé hatte das Magazin in seiner Kriegsgefangenschaft in den USA in die Hand bekommen und festgestellt, dass die Zivilisten Venrather waren. Und zu seiner freudigen Überraschung, dass darunter auch seine Mutter war, also ein Lebensbeweis.

Viel Raum widmete der Ortsausschuss aber auch dem Wiederaufbau, dem Aufblühen des Vereinslebens, das sogar für 1945 Wieder- und Neugründungen meldete, 1946 wurde bereits wieder im Gemeindesaal getanzt. Abgeschlossen wurde das Kriegsgedenken mit einer musikalischen Andacht, in der Pfarrer Werner Rombach alle 90 Namen der Menschen vortrug, die aus oder in Venrath und Kaulhausen durch den Zweiten Weltkrieg umgekommen sind. Zu jedem Namen zündeten Mitglieder des Ortsausschusses ein kleines Licht an der Osterkerze am Altar an - ein beeindruckendes Abschlussbild, abgerundet durch das Läuten der Totenglocke im Kirchturm von St. Valentin.

Quelle: RP
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