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Geldautomaten gesprengt
Banken reagieren auf Automaten-Bande

Fotos: Geldautomaten-Sprengungen 2014 im Kreis Heinsberg
Fotos: Geldautomaten-Sprengungen 2014 im Kreis Heinsberg FOTO: Heldens (Archiv)
Erkelenz. Die landesweite Serie von Geldautomaten-Sprengungen kostet die Kreissparkasse Heinsberg, die seit 2010 sechs Mal betroffen war, eine horrende Summe zur Schadensbeseitigung sowie erhöhte Versicherungsprämien für die Gebäude. Jetzt reagieren die Banken und schließen aus Sicherheitsgründen nachts die Zugänge zu den Geldautomaten. Von Willi Spichartz

Die Banken reagieren auch im Erkelenzer Land auf die Sprengung von Geldautomaten durch Räuberbanden: Die Kreissparkasse (KSK) hat bereits die Zugänge zu den Geldautomaten in den 51 Filialen im Kreisgebiet von Mitternacht bis fünf Uhr morgens geschlossen. Die Volksbank (Voba) macht ihre Zugänge in den Filialen Erkelenz und Ratheim von Mitternacht bis sechs Uhr morgens dicht.

"Wir mussten einfach reagieren, nachdem wir als erste betroffene Bank Opfer dieser Banden schon 2010 in Geilenkirchen-Gillrath geworden und inzwischen weitere fünf Filialen auf diese Art beraubt sind", erläutert KSK-Vorstandschef Thomas Pennartz auf Anfrage der RP die Situation. Reagieren heißt, dass Abwehrmaßnahmen auch in baulicher Hinsicht seit rund anderthalb Jahren in den Filialen vorgenommen worden sind, welche die Schließung der Foyers mit den Geldautomaten möglich machen.

Fotos: Geldautomaten-Sprengungen in der Region – Chronik FOTO: Markus Gerres

Nach Gillrath war im Mai 2012 die Filiale in Holzweiler betroffen, in Karken im September 2014, Arsbeck im Oktober 2014, das Rewe-Center in Ratheim am 10. Dezember 2014 und drei Tage später der Pavillon am Center-Shop in Hückelhoven, der vollkommen zerstört und erst gar nicht mehr aufgebaut worden ist.

Die Voba Erkelenz mit ihren Filialen und Geldautomaten in den Stadtgebieten Erkelenz, Hückelhoven, Wegberg, Wassenberg, Linnich sowie den Gemeinden Schwalmtal und Niederkrüchten ist bisher verschont geblieben, wie Marketingchef Heinz-Peter Körrenz auf Anfrage der Rheinischen Post erklärt. Und das, obwohl in erster Linie Bankfilialen im grenznahen Raum zu den Niederlanden betroffen sind, aus denen die Banden einreisen und sofort wieder verschwinden, wie das Landeskriminalamt mitteilt

Laut Karl-Heinz Frenken, dem Pressesprecher der Kreispolizeibehörde, hat das LKA die Gesamtermittlungen für Nordrhein-Westfalen übernommen, das aktuell 41 Fälle registriert hat, dazu weitere acht, in denen die Täter erfolglos eine Sprengung versucht haben. Das LKA arbeitet nach Aussagen seines Dezernatsleiters "Organisierte Kriminalität", Dietmar Kneib, mit Hochdruck an der Ergreifung der Täterbanden, die mit hochmotorisierten und gestohlenen Audis und BMW flüchten. Das LKA wertet es als Glück, dass bei diesen halsbrecherischen Verfolgungsjagden noch keine Menschen zu Schaden gekommen sind.

Die Sprengungen kosten nach KSK-Chef Thomas Pennartz das Institut horrende Summen zur Schadensbeseitigung. Die betroffenen Filialen müssen im Normalfall zur Wiederherstellung aller Bauten und technischen Ausrüstungen rund ein halbes Jahr geschlossen bleiben, was auch den Filial-Kunden einen Mehraufwand bei der Erledigung ihrer Bankgeschäfte beschert. Auch die Versicherungsprämien für die Gebäude werden höher.

Über die Höhe der geraubten Geldsummen machen alle Banken keine Angaben, um nicht "Trittbrettfahrer" zu Raubzügen zu ermuntern. Es wird naturgemäß mit den Herstellern der Geldautomaten über verbesserten technischen Schutz geredet, wie Heinz-Peter Körrenz weiß. Bereits jetzt haben einige Banken Geldautomaten installiert, die bei Aufbruch oder Sprengung die Banknoten sofort mit Farbe besprühen und damit unbrauchbar machen.

Es ist aber eine Art "Hase-und-Igel-Spiel", wie Thomas Pennartz erkennt, sobald Angriffsstellen in der Technik beseitigt sind, arbeitet die Organisierte Kriminalität bereits an neuen Methoden, an das Geld anderer Leute zu kommen.

Hier gibt es eine Chronik der Geldautomaten-Sprengungen in der Region.

Quelle: RP
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