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Erkelenz
Erkelenzer Druckerzeugnisse am Ring

Erkelenz. S.Print Media ist Partner der VLN-Rennserie auf dem Nürburgring. Zu jedem Rennen werden 7000 Programmhefte gefertigt. Josef Bohnen und Noel Mertens setzen die Tradition der Druckerei Scherer fort, die 1838 gegründet wurde. Von Hans Groob

Die VLN-Langstreckenmeisterschaft Nürburgring, bei der 1977 erstmals ein Meister ausgefahren wurde, ist nach wie vor Europas populärste Breitensportveranstaltung und trägt zehn Mal im Jahr auf der legendären Nordschleife in der Eifel ihre Rennen aus. Das Besondere der VLN ist die Vielfalt, sieht man unter den durchschnittlich 160 Fahrzeugen bei jedem der Vierstunden-Rennen doch ebenso seriennahe Kleinwagen mit Privatfahrern wie auch ausgewachsene Rennfahrzeuge (u.a. GT3-Boliden) mit bekannten Profis aus Traditionsrennställen. Zum Saisonauftakt am vergangenen Samstag (die RP berichtete) waren bei der 62. ADAC-Westfalenfahrt auch drei Piloten mit Kreis Heinsberger Wurzeln im Einsatz: Jörg Müller (Hückelhoven/Schweiz) im Schubert-BMW M6 GT3, Kenneth Heyer (Wegberg) im Zakspeed Mercedes AMG GT3 und Alex Lambertz (Dremmen) im Ehret-BMW M 235i. Dieses Trio wird in der Saison 2016 neben Einsätzen in anderen Rennserien auch immer wieder hochkonzentriert in der "Grünen Hölle" hinterm Lenkrad arbeiten.

Zwar nur im Hintergrund, dafür aber kontinuierlich für die Langstreckenmeisterschaft im Einsatz, ist das Erkelenzer Traditionsunternehmen "S.Print Media", das nun schon seit mehr als 15 Jahren für den Druck von "racing news", dem offiziellen Veranstaltungsprogrammheft der jährlich zehn VLN-Rennen, mitverantwortlich ist. Produziert wird das farbige Heft in einer Auflage von immerhin 7000 Stück.

Da liegt natürlich die Frage auf der Zunge, wieso kommen ausgerechnet Erkelenzer Drucker dazu, für eine Rennserie zu arbeiten, deren Aura weltweit einzigartig ist? Die Antwort gibt Josef Bohnen, während er eine Andruckseite mit einem prüfenden Lupenblick seines erfahrenen Auges unterzieht und zur Freigabe gibt: "Einem ehemaligen Nachbarn von mir in Hetzerath, der damals mit der VLN zu tun hatte, war es lästig, zigmal im Jahr hunderte Kilometer zu einer Druckerei fahren zu müssen. Da kamen wir wegen der Nähe ins Gespräch". Und wie sich zeigte, war das ein guter Schritt, den auch wechselnde VLN-Vorstände - offensichtlich zufrieden - mittragen. "S.Print Media" bekommt die Druckvorlagen Mitte der Woche vor dem Rennen kurzfristig von einer Media-Agentur aus Köln, damit aktuell auch noch eine Starterliste in die 28 Seiten starken "racing news" aufgenommen werden kann. Freitags liefert Josef Bohnen die Produktion aus. Am "Ring" wird er meist durchgewunken, man kennt ihn nicht nur im VLN-Büro an der Boxengasse, auch an drei weiteren Abladestellen rund um die Rennpiste. Oft hat er noch weitere S.Print-Druckerzeugnisse für die VLN im Gepäck, Eintrittskarten, Parkscheine oder Regularienhandbücher. Bei solch einer langanhaltenden Partnerschaft ist klar, das "S.Print" mit seinem Logo auch Sponsor der Rennserie ist.

Bei "S.Print-Media" ist Josef Bohnen (63) der Geschäftsführer "Produktion und Technik", sein Partner Noel Mertens (31) der Geschäftsführer "Beratung und Konzeption". Hinter dem "S" des Firmennamens verbirgt sich das ehemalige Traditionsunternehmen "Druckerei Scherer", das 1838 von Anton Scherer gegründet und 1880 an Sohn Matthias Scherer übergeben wurde. Ab 1902 trat dann Matthias' Sohn Anton in das Geschäft ein, ehe dann ab 1955 erneut ein Sohn - wieder ein Matthias - der Chef der Druckerei mit den Geschäftsräumen an der Aachener Straße (vormals Franzstraße) 1 und 3 wurde. 1984 ging die Hirachie Scherer zu Ende, doch setzten die langjährigen Firmenmitarbeiter Karl-Heinz Piefenbrink und Josef Bohnen (1968 bei Scherer die Lehre begonnen) die Drucktradition fort, 2001 ging Piefenbrink in den Ruhestand, 2010 stieg Noel Mertens ein. Da war der Umzug der Firma aus der Innenstadt in den GIPCO auf die Brüsseler Allee 21 schon elf Jahre vollzogen.

Dort können sich zwei Drucker, Drucker-Azubi, Medienfachmann, Buchbinderin und Bürokauffrau ihren Neigungen entsprechend einbringen - und entfalten im Maschinenpark mit: Vierfarben-Heidelberg-Speedmaster, zwei Digitaldruckmaschinen (für Kleinauflagen und wenns eilig ist), Einfarben-Offsetmaschine, Heidelberger Tiegel zum Nuten, Perforieren und Stanzen für Etiketten, Weiterverarbeitungsmaschinen für Broschürenfertigung und natürlich Schneidemaschinen.

Dass in einem auf der Höhe der Zeit tätigen Traditionsunternehmen der Blick für die Nostalgie nicht verloren geht, ist Josef Bohnen eine Herzensangelegenheit: "Wir haben auch noch eine Ecke mit Bleisatz, der ab und zu auch noch mal genutzt wird."

Quelle: RP
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