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Erkelenz
Erkelenzer Kinosaal "geflutet"

Erkelenz: Erkelenzer Kinosaal "geflutet"
Kinobetreiber Elmar Schulte (v.l.) mit den Wir-sind die Flut-Filmemachern Sebastian Hilger (Regisseur), Edgar Derzian und Simon Vu. FOTO: Jürgen Laaser
Erkelenz. Rund 200 Zuschauer waren zu Gast bei der Vorpremiere von "Wir sind die Flut" im Erkelenzer Gloria-Kino. Gedreht wurde der akademische Film unter anderem in zwei Orten, die dem Tagebau Garzweiler II zum Opfer fallen. Von Katrin Schelter

Einen Monat vor dem offiziellen Kinostart feierte "Wir sind die Flut" im Gloria Filmpalast in Erkelenz Vorpremiere. Der Film, ein Studienprojekt der Filmakademie Baden-Württemberg und der Filmuniversität Babelsberg, der für zehn Studenten der Filmschulen den erfolgreichen Abschluss ihres Studiums bedeutet, wurde in Erkelenz in Anwesenheit einiger seiner "Schaffer" vor einem besonderen Publikum vorgeführt: große Teile des Films entstanden in den dem Tagebau zum Opfer fallenden Ortschaften Immerath und Borschemich.

Mehr als zehn Jahre ist es inzwischen her, dass das Meer vor Windholm verschwunden und nicht an die Küste zurückgekehrt ist. Physikstudent Micha hat eine Theorie für das Phänomen aufgestellt, bekommt allerdings nicht die nötigen Forschungsgelder, um Beweise zu finden und das Mysterium von Windholm zu lösen. Mit seiner Freundin Jana macht er sich auf eigene Faust auf die Suche nach einer Erklärung und stößt dabei auf weitere skurrile Ereignisse, die seine rationale Weltsicht in Frage stellen und ihn zuletzt selbst verändern.

Bilder von den Dreharbeiten in Immerath. Bilder von den Dreharbeiten in Immerath. FOTO: Ruven Breuer

Im Anschluss an die Vorpremiere standen Regisseur Sebastian Hilger, Produzent Edgar Derzian und Kameramann Simon Vu den Gästen bei einem Publikumsgespräch Rede und Antwort. Die Zuschauer, unter denen auch einige ehemalige Immerather und Borschemicher waren, lobten unter anderem die "durchweg packende Spannung" und die Tatsache, dass sie trotz ihrer Ortskenntnis vollkommen in die Welt rund um das Dorf "Windholm" eintauchen konnten, was bei ihnen schwieriger zu schaffen sei als bei sonstigem Publikum.

"Wir haben Orte in ganz Deutschland bereist und sind schließlich hier fündig geworden", sagte Hilger über die Suche nach einem passenden Drehort für das geheimnisumwobene Dorf am Meer. Er bedankte sich herzlich für die großartige Unterstützung, die das Team vor Ort durch die Dorfbewohner erfahren hatte. So zum Beispiel durch das Bauunternehmen Franz-Josef Peters sowie die Familie Thelen in Immerath, die für die Produktion ihr Wohnzimmer zur Verfügung stellte und dem Filmteam während der 18 Drehtage in der Region mit Rat und Tat zur Seite stand.

Szene aus dem Film "Wir sind die Flut". FOTO: derzianPictures

"Wir sind die Flut" ist in vielerlei Hinsicht ein Leuchtturmprojekt für die Zukunft der deutschen Filmlandschaft. Nicht nur sind Genrefilme aufgrund der starren Förderungskriterien der Rundfunkanstalten ungewöhnlich, auch die Zusammenarbeit der normalerweise konkurrierenden Filmschulen war die erste ihrer Art. Trotz zahlreicher Hindernisse ist dem Team mit den begrenzten Mitteln eines Studienprojektes und einem vergleichsweise winzigen Budget von 100.000 Euro ein tiefsinniger und innovativer Spielfilm gelungen - das Endergebnis verdient nicht nur Bewunderung, sondern bringt mit seinem Spagat zwischen Kunst und Science-Fiction auch Hoffnung für größere kulturelle Diversität. "Der Film gibt Mut, trotz Schwierigkeiten weiterzumachen und an sich selbst zu glauben", erklärte Derzian die Botschaft. Fest steht, dass sich ein Kinobesuch für alle Neugierigen lohnt - nicht nur, um Zeuge der filmischen Verewigung von Immerath und Borschemich zu werden.

Quelle: RP
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