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Erkelenz
Erste Seiten eines historischen Juwels

Erkelenz: Erste Seiten eines historischen Juwels
Willi Wortmann, Günther Merkens (beide vom Heimatverein der Erkelenzer Lande) und Hiram Kümper (r.), Professor an der Universität Mannheim, stellten im Erkelenzer Rathaus die ersten Musterseiten der Baux-Chronik vor und kündigten an, dass Bestellungen des künftigen Standardwerks zur Erkelenzer Geschichte bis zum 1. September mit einem Vorzugspreis bedacht werden. FOTO: Jürgen Laaser
Erkelenz. Im September soll die Baux-Chronik in einer übersetzten und kommentierten Fassung erscheinen, kündigt der Erkelenzer Heimatverein den Erscheintermin an. Dieses zweibändige Werk werde etwas "Besonderes" sein. Von Andreas Speen

Ein historisches Juwel schlummerte über Jahrhunderte im Stadtarchiv von Erkelenz: die Baux-Chronik, notiert von 1541 bis 1568 vom gleichnamigen Stadtschreiber und Bürgermeister. Die Schrift abzuschreiben und in heutige Sprache zu übertragen, hatte es in der Vergangenheit immer wieder Versuche gegeben. Stets aber scheiterten diese. 2015 hatte der Heimatverein der Erkelenzer Lande mit Professor Hiram Kümper dann den neuerlichen Versuch vorgestellt, das 297-seitige Original für die Nachwelt zu erhalten und einzuordnen - jetzt sind sie einen Schritt weiter und können erste Musterseiten zeigen sowie die Veröffentlichung der stadtgeschichtlich bedeutenden Chronik für September in Aussicht stellen.

Stadtchroniken gibt es häufig. In großen Städten mit großer Vergangenheit meist sogar mehrere. "Erkelenz besitzt nur eine Stadtchronik, welche die Zeit vom späten 9. Jahrhundert bis 1568 umfasst. Das allein schon ist ein besonderer Wert", sagt Professor Hiram Kümper, der mit einem Team am Historischen Institut der Universität Mannheim an dieser Chronik forscht. "Besonders" ist ein Wort, welches der Wissenschaftler bei der Präsentation der Musterseiten im Rathaus mehrfach nutzte: "Vergleichsweise selten ist es, dass solche Stadtchroniken aus der Innensicht heraus verfasst sind. Mathias Baux", gebürtig aus Mennekrath, "war Stadtschreiber und zeitweise Bürgermeister. Dessen intimes Wissen über die Stadt Erkelenz macht diese Chronik so besonders. Und besonders macht sie auch, dass Baux der Einzige ist, der in vier knappen Zeilen belegt, dass Erkelenz im Jahr 1326 die bürgerlichen Rechte und Stadtrechte erhielt. Der Akt oder die Urkunde sind anderweitig nicht überliefert." Und zuletzt sei die Chronik besonders, weil Baux neben der Erkelenzer Stadtgeschichte darin auch eine ganz frühe geldrische Landeschronik verfasst habe, "und die ist, außer in einer Arbeit von 1905, bisher noch unbeachtet geblieben". Gleichermaßen wird somit über Stadtbrände, mehrere Dürreperioden und Erdbeben in Erkelenz berichtet wie über die sagenhafte Gründungsgeschichte der Fürstendynastie Geldern im 9. Jahrhundert.

Erscheinen wird im September - bei nicht erhofften Problemen bis zur Drucklegung spätestens im November - ein zweiteiliges Werk. Das erste Buch umfasst eine kleine Einführung, ein vollständiges Faksimile sowie dessen Abschrift und Übersetzung. Streng folgt Kümper als Herausgeber dabei dem historischen Original. Im zweiten Buch werden historische Zusammenhänge erläutert, handelnde Personen vorgestellt, Quellen erklärt und auf mögliche Fehler oder Ungenauigkeiten in der Chronik wird hingewiesen, denn: "So intim das Wissen von Mathias Baux auf der Erkelenzer Seite ist, so groß sind die Schwächen im geldrischen Teil." Dargestellt werden in der erneuerten Baux-Chronik zusätzlich die Darstellungen der Dynastiewappen, der Federzeichnung von Erka und dem geldrischen Löwen. Umfassen wird das Werk rund 750 Seiten, aufgeteilt auf zwei Bände, 80 davon in Farbe. Der Erkelenzer Willi Wortmann verantwortet die optische Gestaltung.

Das Original von Mathias Baux hat Kümper wie Wortmann vor zwei Herausforderungen gestellt, die zu lösen wichtig war, da sich auch darin Erkelenzer Stadtgeschichte widerspiegelt. "In der Baux-Chronik sind Randnotizen und Eintragungen enthalten, die bis ins 17. Jahrhundert hinein reichen, was zeigt, dass diese Chronik für Erkelenz so wertvoll war, das sie bis dahin immer noch ergänzt wurde", erklärte Wortmann, der diese Eintragungen grafisch darzustellen hatte. Und Kümper berichtete über sprachliche Probleme mit Mathias Baux: "Er ist informiert, gebildet und kann schreiben. Das macht die Chronik schwer zu lesen, weil Baux zwischen seiner Muttersprache und Latein hin und her wechselt - und das teilweise in einem Satz." Zudem sei diese Muttersprache nicht einfach zu verstehen, "da sie eine Mischung aus Niederdeutsch, Niederländisch und Worten ist, die aus dem Kölner Raum herübergeschwappt waren - wir hatten uns folglich mit der Erkelenzer Mundart der damaligen Zeit auseinanderzusetzen."

Froh über die Arbeit von Professor Hiram Kümper und des Heimatvereins der Erkelenzer Lande ist Bürgermeister Peter Jansen: "Sie haben uns diesen Schatz endlich gehoben und so aufgearbeitet, dass die Baux-Chronik für die Nachwelt zur Verfügung steht, so wie es Baux seinerzeit getan hatte, indem er die über Generationen mündlich überlieferte Stadtgeschichte in einer Stadtchronik festhielt." Anhand der überarbeiteten Stadtchronik von Mathias Baux zeige sich, dass "Erkelenz eine historisch gewachsene Stadt ist".

Quelle: RP
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