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Erkelenz
Erste Trommelübungen auf Eimern in Vaters Werkstatt

Erkelenz: Erste Trommelübungen auf Eimern in Vaters Werkstatt
Der scheidende Vorsitzende Josef Omes überreichte Heinz Bautz die Ehrenurkunde für 70-jährige Mitgliedschaft. FOTO: Ruth Klapproth
Erkelenz. Heinz Bautz (83) ist seit 70 Jahren aktiv im Trommler- und Pfeifercorps Gerderath. Musikalische Überraschung der Kollegen für Bautz. Von Kurt Lehmkuhl

Turbulente Zeit für Heinz Bautz aus Gerderath: Erst feierte er seinen 83. Geburtstag, tags drauf wurde er bei der Mitgliederversammlung als erstes Mitglied des Trommler- und Pfeifercorps Gerderath für 70-jährige Vereinszugehörigkeit ausgezeichnet.

"Das Trommler- und Pfeifercorps ist mein Leben", sagt der pensionierte Malermeister, der immer in Gerderath gelebt hat. Als 13-Jähriger hat er 1948 den Weg zum 1933 gegründeten Trommlercorps gefunden. "Wir hatten in der Malerwerkstatt meines Vaters mit mehreren Jungs auf Eimern das Trommeln geübt und wollten, als wir glaubten, gut genug zu sein, Mitglied im Corps werden", erinnert er sich schmunzelnd. "Die haben uns aber nur gesagt, Trommler hätten sie genug, entweder würden wir Pfeifer oder wir sollten wieder gehen." So wurde Bautz zum Querflötenspieler, eine Entscheidung, die er nie bereut hat. In seinem ersten Jahr als Pfeifer sah er den Festzug zur Kirmes in Gerderath nur als Zuschauer. "Ich war noch nicht gut genug." Sein strenger Lehrmeister Franz Meuser, mit dem Bautz ebenso wie mit anderen Gründungsmitgliedern noch zusammengespielt hat, kannte da kein Pardon.

Höhen und Tiefen des Corps hat Bautz miterlebt: "In den Sechzigern haben wir einmal mit sechs Aktiven beim Vogelschuss gespielt." Da stand das Corps fast schon am Abgrund. Heutzutage gibt es 34 Aktive und 60 passive Mitglieder. Nicht zuletzt dank Bautz gelang es, das Ruder rumzuwerfen, mit 18 Jahren schon wurde er Kassierer. "Damals bestand die Kasse aus einer alten Zigarrenkiste." 1963 wurde er für 20 Jahre Vorsitzender, danach gehörte er dem Vorstand als Beisitzer an. Nun ist er Ehrenvorsitzender und gern gehörter Ratgeber. "Von seinem Wissen können wir alle profitieren", sagt etwa der neu gewählte Vorsitzende Sven Hoffmann.

Nicht zuletzt die Einstellung von Bautz, stets die Jugend zu fördern, hat den Verein nach vorne gebracht. "Ich habe immer auf den Nachwuchs gesetzt." Und damit hat er richtig gelegen, auch wenn viele Jugendliche mit dem Erwachsenwerden das Corps wieder verlassen. Aber einige bleiben und sichern die Zukunft. "Zuerst haben wir nach Zahlen gespielt, als dann die Noten angesagt waren, hatten wir echt Probleme." Bautz lacht dabei. Da mussten ihm die richtigen Flötentöne beigebracht werden. "Das war ein enormer Sprung von zweistimmig auf vierstimmig."

Bei Aufzügen und Wettspielen zeigte und zeigt das Corps sein Können. Einen Spruch prägte Bautz: "Auf der Straße wird das Geld verdient, auf der Bühne das Können gezeigt!" Aber wer nichts kann, kommt auch nicht auf die Straße. Insofern hat der Musikfreund Bautz, der gerne zu klassischen Konzerten fährt, immer Wert darauf gelegt, dass neben der üblich bekannten Corpsmusik auch klassische Werke und andere Melodien eingeübt und gespielt werden. Bautz wird im Corps immer noch als Aktiver geführt, obwohl die Beine nicht mehr so richtig wollen. Aber er ist unverdrossen bei den Proben und Auftritten dabei und hat einen großen Wunsch: "Dass wir bald wieder ein richtiges, eigenes Konzert spielen." Einen zweiten Wunsch erfüllte ihm das Corps nun. Die Musiker hatten heimlich den Marsch "Schönes Prag" einstudiert, den Bautz schon seit Jahren spielen wollte, was aber immer mit dem Hinweis, er sei zu schwierig, abgelehnt worden war.

Bei der Versammlung wurden u.a. Olaf Borriß und Carmen Petzolt- Wirtz für 40-jährige Mitgliedschaft geehrt. Neuer Vorsitzender ist Sven Hoffmann. Der bisherige Vorsitzende Josef Omes ist nun Stellvertreter, Schriftführer Hans Küppers, Kassiererin Angelika Peters, 2. Schriftführer Andreas London, 2. Kassiererin Annabell Schmitz, Uniformwart Helmut Schmitz, Instrumentenwart José Soto-Perez, Jugendvertreterin Melanie Harloff.

Quelle: RP
 
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