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Für Sie gelesen: Geschichte Im Schatten Von St. Lambertus
Erstmals im Jahr 1144 als Emundrode dokumentiert

Für Sie gelesen: Geschichte Im Schatten Von St. Lambertus: Erstmals im Jahr 1144 als Emundrode dokumentiert
Historiker Dr. Peter Staatz hat zum Abschluss der Umsiedlung von Immerath, die im April offiziell begangen worden war, eine 300-seitige, mit historischem Kartenmaterial und Bilddokumenten angereicherten Buchchronik „Geschichte im Schatten vom St. Lambertus“ erarbeitet. Darin zu lesen, vermittelt ein umfassendes historisches Bild des Ortes, der in nahender Zukunft dem Braunkohlenabbau geopfert wird. Noch steht der „Immerather Dom“, wenngleich er schon 2013 als Kirche entwidmet worden war, und noch leben einige Menschen in ihrem Heimatort; immer mehr Gebäude sind inzwischen aber abgerissen, wodurch sich die Perspektiven in Immerath (alt) verändert haben. FOTO: Laaser, Jürgen
Erkelenz. Immerath Dass die Einwohner des Kantons Erkelenz, zu dem damals auch die Orte Immerath, Pesch, Lützerath und auch Holzweiler gehörten, von guter, mittlerer Größe und gut gebaut sind, aber auch robust wirken, das ist einer Bestandsaufnahme französischer Napoleon-Getreuer, die in den 1790er Jahren die linksrheinischen Gebiete erobert hatten, zu entnehmen. Dass die Gesichtszüge kühl sind sowie eine gewisse und auch durchgeführte Langsamkeit ankünden, dürfte der misslichen Situation geschuldet sein. Dass die kräftig gebauten Frauen wenig Grazie in ihren Umgangsformen haben, wird damit erklärt, dass sie schon in jungen Jahren mit 15, 16 ihren eigenen Unterhalt vom Ertrag ihrer Arbeiten erreichen. Von Hans Groob

Diesen Blick in die um 200 Jahre zurückliegende Zeit widmet der Historiker Dr. Peter Staatz einem ausführlichen Kapitel, das er unter den Titel "Krieg und Frieden - Immerath, Lützerath und Pesch vom 18. Jahrhundert bis zum Ende der Herrschaft Napoleons" stellte. Nachzulesen in der 300seitigen, mit historischem Kartenmaterial und Bilddokumenten angereicherten Buchchronik "Geschichte im Schatten vom St. Lambertus", die seit dem Ende April gefeierten Umsiedlungsabschlussfest in Immerath-neu öffentlich vorgestellt wurde. Im aktuellen "Schützen-Bote" der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Immerath von 1555 schreibt Brudermeister Wolfgang Steike: "Ich finde die Chronik spannend, aufschlussreich und informativ. Ich bin der Ansicht, sie gehört in jeden Haushalt eines ,alten' und ,neuen' Immerathers". Der Erkelenzer Bürgermeister Peter Jansen stellt heraus, "dass die Chronik für die drei Orte Immerath, Pesch und Lützerath wichtig ist, weil damit zumindest in Wort und Bild ein Stück ihres Lebens festgehalten wird, auch wenn die Betrachtung hier schwierig ist, weil Menschen wegen des Braunkohletagesbaus ihre Heimat aufgeben mussten". Für die RWE-Power AG, die die 500er Auflage der Chronik, auf deren Deckelblatt der Immerather Dom in seiner ganzen Pracht zu sehen ist, finanziert hat, war es wichtig, dass neben Autor Dr. Peter Staatz, der von Dr. Carlo Clauth unterstützt wurde, viele Bürgerinnen und Bürger Unterlagen, Fotografien und Informationen aus Privatbesitz zur Verfügung stellten.

Archäologische Funde aus Stein- und Eisenzeit, aus römischer und fränkischer Zeit sind Themen für das Entrée der Chronik in die immerather Geschichte. Das Mittelalter (u.a Ortsnamen und Besitzverhältnisse), Reformation und Glaubenskriege, Franzosen- und Preußenzeit lesen sich ebenso spannend wie der Übergang in die Neuzeit (Demokratie, Diktatur und Zweiter Weltkrieg). Hochaktuell natürlich die Erinnerung der Übergang in die Demokratie der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert - Orts- und wirtschaftliche Entwicklung, Kirchliches sowie Vereinsleben und Kommunale Neugliederung. Schließlich die umfangreiche Fotoreihe über neun Seiten - ein Gang durch die alten Orte. Dass farboptisch unterlegte Texte sich speziell mit der Immerather Windmühle, dem "St.-Josef-Kloster", dem Krankenhaus "Haus Nazareth" sowie der 1891 geweihten Pfarrkirche St. Lambertus mit den beide Türmen beschäftigen, stellt deren Wichtigkeit für die Dorfgemeinschaft heraus.

Auch wenn die "Geschichte im Schatten von St. Lambertus" in gedruckter Form vorliegt, ist sie keineswegs komplett. Da fehlt der aktuelle Raubbau der Dörfer durch die Braunkohlebagger. Während das kleine Pesch als erstes Dorf "geschluckt" wurde, stecken Lützerath und Immerath voll in diesem für die von der Umsiedlung betroffenen Menschen so schmerzhaften Prozess, der emotional im Januar oder Februar 2018 sicherlich an die Grenzen gehen wird. Dann nämlich soll der bereits im Oktober 2013 entwidmete Dom durch Abrissbirnen dem Erdboden gleichgemacht werden.

Quelle: RP
 
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