| 00.00 Uhr

Erkelenz
Fachdienst mit wichtigen Aufgaben

Erkelenz: Fachdienst mit wichtigen Aufgaben
Migrationsfachdienst (von links): Geschäftsführer Herbert Hamann, Elke Lauffs, Superintendent Pfarrer Jens Sannig, Flüchtlingsberaterin Saida Piecuch, Migrationsberaterin Ruth Gehrmann und die Flüchtlingsberaterinnen Anke Sommer und Mirjam Sahm. FOTO: Jörg Knappe
Erkelenz. Der Migrationsfachdienst des Diakonischen Werkes des Evangelischen Kirchenkreises Jülich ist mit seiner Erkelenzer Regionalstelle umgezogen. Der Beratungsbedarf ist rasant angestiegen. Wichtig ist, den Einzelfall zu betrachten. Von Anke Backhaus

21 Jahre ist es her, dass das Diakonische Werk erkannte, wie groß der Bedarf ist, soziale und Migrationsberatung anzubieten. Was damals als bloße Beratung für Ausländer mit sicherem Aufenthaltsstatus gedacht war, hat sich enorm entwickelt. Heute hat der Migrationsfachdienst des Diakonischen Werkes des Evangelischen Kirchenkreises Jülich alle Hände voll zu tun - und öffnet die Pforten für ein Gespräch mit der RP in der Regionalstelle in Erkelenz.

War die große Masse vom Flüchtlingsstrom 2015 überrascht, so hatte das Diakonische Werk genau diese Entwicklung vorhergesehen. "Im Jahr 2013 hat das Unglück vor Lampedusa die Öffentlichkeit wachgerüttelt. Von da an nahm man die Flüchtlingsströme wahr", sagt Superintendent Jens Sannig. Nur ein Jahr später stiegen die Beratungszahlen in den Regionalstellen (neben Erkelenz befindet sich eine weitere in Jülich) rasant an - nicht nur Herbert Hamann, der Geschäftsführer des Diakonischen Werkes, stellte diese Tatsache fest. Bis Ende des Jahres 2015 fanden die Beratungen an der Aachener Straße statt, doch man stieß an Grenzen, so dass im November der Umzug an die Südpromenade erfolgte. Hamann: "Als Träger war es uns wichtig, uns neu aufzustellen. Nicht nur räumlich, sondern vor allem personell. Bis 2014 reichten zwei Fachberater, die jeweils in Teilzeit arbeiteten, heute gibt es fünf Mitarbeiterinnen plus eine Mitarbeiterin im Sekretariat." Möglichst kurzfristig sollen zwei weitere Stellen geschaffen werden, die auch nötig sind, denn allein im ersten Halbjahr 2016 gab es 850 Beratungsfälle.

Den Einzelfall betrachten - das ist in der Beratungsstelle wichtig. Jeder Ratsuchende kommt mit seiner eigenen Geschichte. Gemeinsam haben sie jedoch, dass sie fluchtartig ihre Heimat verlassen mussten und den gefährlichen Weg in sichere Gebiete antraten. Ein Syrer etwa, der mit seinem behinderten Sohn nach Deutschland kam. Die Ehefrau und Mutter sowie weitere Kinder sind noch in Syrien. Der Mann ist sehr gut ausgebildet, hat Jura studiert. "Es ist ihm zunehmend unangenehm, auf fremde Hilfe, besonders eben die finanzielle, angewiesen zu sein. Er möchte dringend arbeiten, sein eigenes Geld verdienen", erzählt Saida Piecuch. Die Soziologin leitet den Migrationsfachdienst in Erkelenz. Sie und Sozialpädagogin Ruth Gehrmann unterstreichen, dass noch nicht mal die sprachlichen Barrieren ein Problem darstellen. "Wir sind so gut vernetzt, dass sich schnell Hilfen beim Übersetzen ergeben", so Ruth Gehrmann. Die Vernetzung reicht auch bis zur regionalen Wirtschaft, "die das Potenzial der Menschen, die zu uns gekommen sind, erkannt hat", freut sich Jens Sannig. Dem Superintendenten ist in der zurückliegenden Zeit aufgefallen: "Die Menschen sind willens, schnell die deutsche Sprache zu lernen." Willens, ohnehin schnell Fuß zu fassen.

Herbert Hamann lobt auch das Engagement der Kommunen. "Sie sind ja regelrecht überrollt worden vom Zuzug der Flüchtlinge. Das, was die Kommunen daraus gemacht haben, ist sehr positiv." Unterm Strich: Die Unterbringung der Flüchtlinge hat gut funiktioniert. Nun geht es darum, ihnen sinnvolle Perspektiven zu schaffen.

Der Migrationsfachdienst finanziert sich aus Eigenmitteln der Evangelischen Kirche, zudem fließen als finanzielle Förderung Mittel des Landes, des Bundes sowie aus europäischen Töpfen.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Erkelenz: Fachdienst mit wichtigen Aufgaben


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.