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Erkelenzer Land
Gas aus Mais und Gülle

Erkelenzer Land. Sie sind laut, stinken und sorgen für mehr Verkehr: So lauten die gängigen Vorurteile über Biogas-Anlagen. Auch im Süden Mönchengladbachs, wo die NVV einen Neubau plant. Das Beispiel Wassenberg zeigt: Die Befürchtungen sind größtenteils unbegründet. Von Jan Schnettler

Im Gladbacher Süden ist die Aufregung derzeit genauso groß wie vor fünf Jahren in Wassenberg. Grund damals wie heute: der geplante Bau einer Biogasanlage. Wie seinerzeit im Kreis Heinsberg sind die Bürger zwischen Wanlo und Hochneukirch verunsichert, befürchten Gestank, Lärm und ein höheres Verkehrsaufkommen. "Das war bei uns genauso", sagt Wassenbergs Bürgermeister Manfred Winkens (CDU). "Nach über zwei Jahren kann ich sagen: Es hat keinem Leid getan. Wir würden es jederzeit wieder machen."

Geruch wie auf einem Bauernhof

Dass Anwohner den Bau einer Biogasanlage nicht mit Kusshand begrüßen, ist verständlich. Denn in den Anlagen werden nachwachsende Rohstoffe wie Mais-Silage, Getreidekörner oder Rindergülle in einem Vergärungsprozess zu Biogas umgewandelt – das riecht nicht nach Rosen. Das Gas wiederum kann vor Ort in Strom und Wärme umgewandelt werden – das erzeugt einen gewissen Lärm. Und die benötigten Rohstoffe müssen in der Tat herangekarrt werden – das erhöht das Verkehrsaufkommen.

Doch so richtig schlimm sei all das nicht, sagt Winkens. Auf den Liegewiesen des 300 Meter entfernten Kombibads, das von der Anlage mit Wärme versorgt wird, röchen die Gäste nichts – und selbst auf dem Gelände der Anlage erinnert der Geruch eher milde an einen Bauernhof. Das Blockheizkraftwerk (BHKW), das das Biogas in Strom und Wärme umwandelt, wummert kaum hörbar vor sich hin. "Und die Sattelschlepper, die in der Erntezeit die Rohstoffe anliefern, tun das nur eine Woche im Jahr", sagt Markus Palic, Geschäftsführer der NEW Re, einer NVV-Tochtergesellschaft, die auf regenerative Energien spezialisiert ist.

In Wassenberg liegt die Anlage zudem auf der grünen Wiese, für die an der Autobahn liegende Anlage in Wanlo, die im Spätherbst 2011 den Betrieb aufnehmen soll, sei geplant, einen möglichst großen Teil des Substrats über die Autobahn zu befördern und wenn möglich auch RWE-Privatwege im Grubenrandbereich mit zu benutzen. "Am Ende wird es wahrscheinlich weniger Verkehr durch die Ortslagen geben als vorher", sagt Palic.

Für die NVV ist das Betreiben von Biogas-Anlagen wichtig im Hinblick auf regenerative Energien. Im Netzgebiet gebe es ein Potential für maximal sechs solcher Anlagen, sagt Palic. Neben Wassenberg und Wanlo ist eine dritte in Schwalmtal-Eicken derzeit im Bau. Eine viel größere Anzahl sei nicht sinnvoll, da die Nutzung von Biomasse stark von regionalen Gegebenheiten abhängig ist. "Der Transport über große Strecken ist wegen der geringen Energiedichte unwirtschaftlich", sagt Palic. In Wanlo etwa sollen Landwirte aus einem Umkreis von maximal 15 Kilometern die pro Jahr benötigten 30 000 Tonnen Mais produzieren. "Auch da wäre mehr nicht sinnvoll, da maximal sieben Prozent der landwirtschaftlichen Flächen für Biogas-Zwecke verwendet werden sollten", fügt NEW-Re-Prokurist Rainer Sender hinzu. "Sonst wird zu wenig für den Teller produziert."

Gas muss gereinigt werden

Das Biogas entsteht durch Bakterien, die sich bei der Vergärung eines Substrats (etwa Mais-Silage) und Gülle ablösen. Dabei entsteht auch Kohlendioxid, weswegen das Gas gereinigt werden muss, bevor es in das Erdgasnetz eingespeist wird und dezentral in BHKWs zu Strom und Wärme wird. In Wassenberg etwa geschieht dies vor Ort, in Wanlo hingegen soll das Biogas dezentral auf Erdgasqualität veredelt werden. Mit folgenden Konsequenzen: "Vor Ort fällt noch weniger Geräuschbelästigung an – falls wir uns für ein thermisches Reinigungsverfahren entscheiden, gar keine."

Wie für Solarstrom werden auch bei Biogas Einspeisevergütungen gezahlt – über 20 Jahre. Festgelegt ist dies im Erneuerbare-Energien-Gesetz. "Wir legen Wert darauf, die Projekte mit Partnern vor Ort umzusetzen", sagt Palic. Die Wassenberger Betreibergesellschaft bilden 29 Landwirte, die Stadt und die NEW Re, in Wanlo sollen einst 83 Landwirte und die NEW Re jeweils 50 Prozent der Anteile halten.

Die Serie "Neue Energie" ist eine Kooperation von NVV und Rheinischer Post.

Quelle: RP
 
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