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Erkelenz
Gaudi - ein Dorf platzt aus allen Nähten

Erkelenz: Gaudi - ein Dorf platzt aus allen Nähten
Das fetzt, und die Stimmung geht ab. Die Oktoberfest-Band "Fetzentaler" brachte das prall gefüllte Kuckumer Wiesn-Zelt zum Kochen. FOTO: RUTH KLAPPROTH
Erkelenz. Zwei Tage hatte Kuckum zu seinem Oktoberfest ins Riesenfestzelt eingeladen. Zünftig bayerisch verzehnfachte sich die Einwohnerzahl, und mit Dirndl und Krachledernen wurde gefeiert bis in die Morgenstunden. Von Thomas Mauer

Die Schlange am Eingang ist beachtlich für den kleinen Ort, drinnen geht es in der unübersehbaren Menschenmenge hoch her. Es ist Wies'n-Zeit in Kuckum.

Zünftig gekleidet wird zur unausgesprochenen Lebensmaxime. Sehen und gesehen werden, Dirndl und Krachlederne sind selbstverständlich, lediglich beim Schuhwerk sind Kompromisse erlaubt. Kuckum lässt bayerische Tradition hautnah erleben. Selbst Bürgermeister Peter Jansen, der diesmal den Fassanstich dem frisch gewählten Landtagsabgeordneten Thomas Schnelle überlies, hatte den Anzug daheim gelassen.

Keineswegs nervös schwingt Schnelle den Hammer, mit vier Schlägen ist's geschafft, das Bier kann laufen. "Heute musste er mal schlagen und nicht verhaften", scherzt Jansen mit Blick auf den Abgeordneten aus Kleingladbach, der vorher als Polizist arbeitete.

Inzwischen ist das Festzelt bereits prall gefüllt, 5000 Menschen passen hinein. "Wir hatten noch vorher große Probleme", gesteht der "Mann im Hintergrund", Festzelt-Wirt Karl Heinz Oellers. "Kurz vorher war uns noch ein Großteil des Zeltes gestohlen worden." Über eine Woche mit 120 Mitarbeitern war nötig, in Kuckum ein solches Festzelt aufzubauen. Über zwölf Kilometer Kabel waren verlegt worden, damit Licht und Musik funktionieren. Ohne Oellers würde es das Oktoberfest nicht geben. Sein Vater hatte die Idee, der Sohn hat sie perfektioniert und inzwischen 29 Mal erfolgreich umgesetzt. Als Mitglied in der St.-Antonius-Schützenbruderschaft konnte er den Vorstand überzeugen, viele Tausend Besucher sind ihm dankbar.

Denn Oellers ist Profi in dem Geschäft, veranstaltet im Jahr zwölf Oktoberfeste und weiß sehr genau, worauf es ankommt. "Das Wichtigste ist, dass möglichst alles original ist." Dazu bestellt er in München bereits zu Beginn des Jahres sein Kontingent Wiesnbier, das ausschließlich bei seinen Oktoberfesten ausgeschenkt wird. Auch in Kuckum dürften einige Hektoliter konsumiert worden sein.

In der Halle ist es merklich enger geworden, die Oktoberfest-Band "Fetzentaler" sorgt dafür, dass die Tanzfläche vom ersten Musikstück an gefüllt ist und es auch bleibt. Viele Gäste haben zusätzlich die Sitzbänke bestiegen und tanzen auf den schwankenden Bohlen. Angesichts der Geräuschkulisse ist eine gepflegte Unterhaltung ausgeschlossen, tanzen, singen, schunkeln bestimmen das Geschehen.

Am Eingang wird ausführlich kontrolliert, für die ganz jungen Besucher muss der "Muttizettel" schriftlich bestätigen, dass auch nach 24 Uhr noch nicht Schluss ist. Obwohl das Publikum im Durchschnitt jung erschein, sieht der Festwirt rückläufige Tendenzen bei den Teens. "Eintrittspreis und Bierpreis schrecken dann doch etliche ab." Das sei auch nicht ganz ungewollt.

Draußen vor dem Zelt haben die in Bereitschaft stehenden Sanitäter vom Roten Kreuz noch eine ruhige Zeit. "Unsere Arbeit beginnt erst nach Mitternacht", lautet die Feststellung im Wagen der Einsatzzentrale. Die unangenehmen Begleiterscheinungen eines Oktoberfestes lassen die vier Helfer keineswegs aus der Ruhe geraten. Zusammen mit einem umfangreichen Security-Aufgebot ist für die Sicherheit aller gesorgt.

Der Sonntagmorgen gehört wieder den Kuckumern. "Die kommen auch am Samstag, aber vor allem am Sonntag", erklärte Karl Heinz Oellers. Beim Frühschoppen trifft man sich und genießt die Atmosphäre. Statt bayerischer zwei Wochen reichen hier zwei Tage völlig aus.

Quelle: RP
 
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