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Serie "Leben auf dem Land"
Gemeinsames Gestalten als Zukunftsziel

Serie "Leben auf dem Land": Gemeinsames Gestalten als Zukunftsziel
Die katholische Kirche St. Michael im Granterather Dorfzentrum. FOTO: JÜRGEN LAASER
Erkelenz. Granterath ist einer der größten Stadtteile auf Erkelenzer Boden. Der Ort, der im nächsten Jahr 900 Jahre alt wird, hat sich verändert, nicht unbedingt zum Negativen. Aber, und darin zeigt man Einigkeit, man muss "anpacken". Von Anke Backhaus

Granterath ist nicht nur der Ort, in dem er aufgewachsen ist, mit dem er fest verwurzelt ist. Granterath ist für einen Mann wie Karl Mones mehr als ein bloßes Stück Heimat. Fällt der Ortsname Granterath, einem der größten Stadtteile von Erkelenz, kommt man an Menschen wie Mones quasi gar nicht vorbei. Beginnt er über seinen Heimatort zu erzählen, dann kommen da unendlich viele Geschichten zusammen. Logisch, dass das große Dorf Karl Mones sehr am Herzen liegt.

"Wenn ich durch Granterath gehe, dann stellt sich der Ort natürlich nicht mehr so dar wie früher. Dass es überall Veränderungen gibt, ist doch normal", sagt er. Und diese müssen nicht unbedingt schlecht sein. "Ich denke, wir sind gewappnet für die Zukunft. Nicht zuletzt wird das dadurch deutlich, dass es das Neubaugebiet gibt, auch wenn sonst im Ort etwas frei wird, ist es ganz schnell wieder vergeben. Der Wohnwert ist hier sehr hoch. Wir können sicherlich von einem beliebten Standort reden." Doch das alleine reicht nicht, wenn ein Ort, die Nachbarschaften, die Menschen an sich das Leben und vor allem das Zusammenleben gestalten wollen. Gibt es dazu in Granterath die Bereitschaft?

Walter von der Forst ist stellvertretender Bürgermeister. FOTO: UH (Archiv)

"Ich denke schon, dass wir hier bemüht sind, jeden einzubeziehen. Und das geschieht auf unterschiedliche Art. Eine junge Familie hat zum Beispiel im Kindergarten eine erste Anlaufstelle, um mit dem Dorf in Kontakt zu kommen. Dabei spielen aber auch Vereine nach wie vor eine entscheidende Rolle", weiß Mones aus jahrzehntelanger Erfahrung. Darin steigt Frank Windhorst, der Vorsitzende des VfR Granterath, direkt ein. "Ein Vereinsleben im Ort zu gestalten, ist heute nicht mehr ganz so einfach. Bei uns findet man heute einen kleinen Verein vor, in dem sich glücklicherweise auch junge Menschen verantwortlich engagieren. Im Vorstand arbeiten so junge Beisitzer mit, die für die Zukunft wichtig werden", sagt er. Windhorst freut sich, dass in der ersten und zweiten Seniorenmannschaft wieder viele Ur-Granterather aktiv sind, die ihre enge Verbundenheit zum Ort und zum Verein zeigen.

Aber: "Aktuell haben wir keine Jugendabteilung. Im Nachwuchsbereich arbeiten so einige Vereine ja längst zusammen." Dies sei auch sinnvoll. Nur auf den VfR bezogen will Windhorst nicht mit der Brechstange die Jugend wieder aufbauen, sondern eher darauf setzen, eine solide Basis für den Verein zu erhalten. Ergeben sich dann neue Möglichkeiten, wird der VfR sie ergreifen. Im Jahr 2019 feiert der VfR sein 100-jähriges Bestehen, das gefeiert werden soll. Noch größer als der VfR ist der Turnverein Granterath, der ebenfalls eine wichtige Funktion im Ortsleben übernommen hat. "Der TV ist, um es mal als Beispiel zu nennen, nicht mehr ein Turnverein im klassischen Sinn. Rechtzeitig hat man die Zeichen der Zeit erkannt und neue Strukturen geschaffen, die den Verein im Breitensport modern aufstellen und zukunftsfähig machen." Das sagt Walter von der Forst. Er ist der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Erkelenz und beobachtet gerade auch Granterath sehr genau. "Ich denke, Granterath ist im Vereinsleben heute gut aufgestellt. Unter anderem ist das Sportlerheim des VfR ein Treffpunkt", sagt er.

Der Brunnen an der Mehrzweckhalle: Ursula Klügel hat "Das Kind mit der Katze" geschaffen. FOTO: back

Generell sieht von der Forst Granterath infrastrukturell gut aufgestellt. "Wir haben die Nähe zu Erkelenz, sicher auch als Einkaufszentrum. Wir sind nicht weit von der Innenstadt entfernt." Was einerseits positiv ist, sieht mancher Granterather negativ. "Ein Ort wie Granterath ist schläfrig geworden. Wir haben zwar den hohen Wohnwert, müssen aber fahren, um einzukaufen. Was fehlt, ist die Lebendigkeit im Ort, man trifft kaum noch Menschen auf der Straße", erzählt ein Granterather.

Letztlich, und das beschreiben Menschen wie Walter von der Forst und Karl Mones übereinstimmend, muss man an vielen Stellen ansetzen, um einen Ort erfolgreich zu entwickeln. "Junge Familien, die Häuser bauen wollen, brauchen nicht nur das passende Grundstück, sie brauchen auch kurze Wege, um etwa ihre Kinder in den Kindergarten zu bringen. Da bringen wir eine gute Einrichtung im Dorf hervor", meint von der Forst.

Der Granterather Sportplatz hat vor einigen Jahren ein neues Sportlerheim bekommen, das sehr rege genutzt wird - ein guter Umstand für den Ort. FOTO: back

Nicht nur er wünscht sich, dass sich die Menschen mehr engagieren, wenn es um den Ort geht. Mit anderen Worten: "Einen Ort, in dem man wohnt, zu gestalten, kann auf unterschiedliche Weise geschehen", erläutert von der Forst. Im Vereinsleben, auf politischer Ebene - so gibt es in Granterath einen aktiven CDU-Ortsverband - oder im kirchlichen Bereich. Walter von der Forst schätzt, dass es immer noch jeden Sonntag den Gottesdienst in der Kirche St. Michael gibt.

Granterath hat sich über die Jahrzehnte hinweg einen Namen in Sachen Karneval gemacht. Seit dem Jahr 1977 ist die Vereinsgemeinschaft am Start, um die jecke fünfte Jahreszeit zu gestalten. Höhepunkt war immer der große Karnevalszug am Karnevalssamstag. Doch der ist bekanntermaßen Geschichte. Karl Mones weiß dazu zu berichten: "Wir reden nicht darüber, den Zug wieder zu aktivieren. Wir gehen mit der neuen Karnevalsparty einen guten neuen Weg und sprechen damit sogar Familien an. Vielleicht ist das etwas, was sich für die Zukunft etablieren lässt."

Quelle: RP
 
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