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Erkelenz
Gemeinschaft trotz Tagebau stärken

Erkelenz: Gemeinschaft trotz Tagebau stärken
Agnes Maibaum (v.l.), Sylvia Laumen und Christiane Heinzl bilden mit Alexander Tetzlaff und Helmut Kehrmann den Vorstand der neuen Dorfgemeinschaft für Keyenberg, Westrich sowie Berverath. FOTO: spe
Erkelenz. Um das Dorfleben trotz der tagebaubedingten Umsiedlung zu erhalten, hat sich für Keyenberg, Westrich und Berverath eine Dorfgemeinschaft gegründet. Politisch will das Gremium nicht sein, aber beratend und unterstützend. Von Andreas Speen

Siedelt ein Dorf um, in diesem Fall für den Braunkohlenabbau, steht sein Dorfleben vor einer Zerreißprobe. Sehr viel Zeit müssen die Menschen auf ihre Zukunft verwenden, müssen ihr altes Heim aufgeben und ein neues bauen, müssen ihr Privatleben neu sortieren, müssen Abschied nehmen, müssen Neues anfangen. Rar wird dabei die Zeit, die ansonsten vielleicht bei der Freiwilligen Feuerwehr, im Schützenverein, Kirchenchor oder Karnevalsverein investiert worden wäre. Zurück gehen dadurch die Angebote im Dorf, die Menschen entfremden sich - und das in einer Zeit, in der sie zunächst sowieso schon über Jahre getrennt leben, die einen noch am alten Ort, die anderen bereits am neuen Ort.

"Wir wollen unser Dorfleben, trotz der Umsiedlung für den Tagebau Garzweiler II, erhalten. Wir wollen das Gemeinschaftsleben fördern und stärken", sagt Agnes Maibaum und erklärt einen Beweggrund, weshalb sich für Keyenberg, Westrich und Berverath in diesem Jahr eine Dorfgemeinschaft gegründet hat.

Mittlerweile ist die Dorfgemeinschaft als Verein eingetragen und als gemeinnützig anerkannt. Ihr gehören Einzelpersonen an und mit der Katholischen Frauengemeinschaft ein erster Verein. Von den anderen Vereinen im Ort hofft der Vorstand, dass die nach ihren Jahresversammlungen im Frühjahr beitreten. "Wir wollen sie darin unterstützen, ihre mit der Umsiedlung zusammenhängenden Anliegen zu erreichen. Wir wollen helfen, dass sich alle Vereine im neuen Ort gut aufgehoben fühlen", spricht Agnes Maibaum einen weiteren Beweggrund an, weshalb sich die Dorfgemeinschaft gegründet hat.

Christiane Heinzl, Sylvia Laumen, Agnes Maibaum, Alexander Tetzlaff und Helmut Kehrmann bilden den Vorstand der Dorfgemeinschaft für Keyenberg, Westrich sowie Berverath, die sich an der Grenze der Kirchengemeinde orientiert und für gut 1100 Menschen da sein will; weitere 500 Menschen siedeln im benachbarten Kuckum um. Nicht zu verwechseln sei die Dorfgemeinschaft mit dem Bürgerbeirat, den es seit diesem Jahr nicht mehr gibt, da sich nicht ausreichend Kandidaten gefunden hatten. "Wir sind kein politisches Gremium", sagt Maibaum, während Laumen ergänzt: "Wir hoffen aber, gehört zu werden."

Für sich sieht die Dorfgemeinschaft derzeit zwei Hauptaufgaben: das Dorfleben am alten Ort zu stärken und dabei zu helfen, Anliegen aus dem Ort in Richtung Stadtverwaltung und RWE Power, dem Bergbautreibenden, zu kommunizieren. Das Fernziel der Dorfgemeinschaft ist es, "unterstützend und kreativ", wie Laumen sagt, das Dorfleben zu bewahren. Und das auch in den Jahren, in denen die Menschen teils am alten, teils am neuen Ort leben. "Wir wollen ein informatives und beratendes Element im Umsiedlungsprozess sein", erklärt Maibaum.

In diesem Jahr wurde ein Dorffest gefeiert. Für 2018 wird derzeit das nächste vorbereitet, das gemeinsam mit dem Floriansfest aller Feuerwehren aus dem Stadtgebiet Erkelenz in Keyenberg gefeiert werden soll. Der Vorstand der Dorfgemeinschaft ist voll Zuversicht, dass hieraus Positives erwächst. "Es war schön, zu erleben, wie Bürger mal eben ein, zwei Stunden halfen. Klassisch wären die einen bei einem solchen Fest der Ausrichter und die anderen der Gast - wir aber haben Gemeinschaft erlebt", sagt Sylvia Laumen, und Agnes Maibaum stellt fest, dass das "Bewusstsein wächst, diese Gemeinschaft erhalten zu wollen." An diesem Prozess wolle die Dorfgemeinschaft mitwirken. "Im Ort gehen wir inzwischen mehr aufeinander zu", findet Sylvia Laumen.

Ideen in die Planung des Umsiedlungsortes möchte die Dorfgemeinschaft ebenfalls einbringen. Es sollen allerdings nicht eigene Vorschläge erarbeitet werden, sondern Ideen der Menschen und Vereine aus dem alten Ort aufgenommen, gebündelt und weitergeleitet werden. Und umgekehrt sollen die verantwortlichen Planer über die Dorfgemeinschaft leichter an die Menschen und Vereine im Ort herantreten können. "Es soll nachher keiner sagen können: Wir haben leider keinen Ansprechpartner gefunden", erklärt Laumen. Und "wir wollen auch nicht, dass Dinge über die Köpfe der Einwohner hinweg entschieden werden", ergänzt Christiane Heinzl. Die Dorfgemeinschaft wolle als Schnittstelle zwischen allen Seiten dienen, wolle die Interessen zusammenführen.

Vielleicht ist die noch junge Dorfgemeinschaft am Ende vor allem für eine Sache wichtig, die Laumen formuliert: "Wir wollen ein positives Zeichen setzen, dass wir in Keyenberg, Berverath und Westrich nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern nach neuen Wegen suchen - das glaube ich ist für den Ort jetzt und in Zukunft förderlich."

Quelle: RP
 
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