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Erkelenz
Gemischtes Doppel in drei Facetten

Erkelenz: Gemischtes Doppel in drei Facetten
Verzweifelte Eltern und nicht eingeplanter Besuch - das Rheinische Landestheater Neuss gastierte mit "Drei Mal Leben" in der Stadthalle Erkelenz. FOTO: Renate Resch-Rüffer
Erkelenz. Drei Versionen eines Abends in unterschiedlichen Konstellationen - zwei Ehepaare und ein Kind spielen die Hauptrolle in "Drei Mal Leben" von Yasmina Reza, inszeniert von Alexander Marusch. Von Renate Resch-Rüffer

Der Haussegen hängt schief bei Sonja (Katharina Dalichau) und Henri (Stefan Schleue). Allabendlich werden die Finanzexpertin und der Astrophysiker von ihrem sechsjährigen Sohn tyrannisiert. Apfelstücke und Kekse möchte das Kind im Bett nach dem Zähneputzen natürlich und mit anschließenden Kuschelmomenten mit Mama. Stoff genug für das Paar, sich ausgiebig zu streiten - von Kindergeschrei begleitet. "Bring ihm einen halben Apfel und sag' ihm, dass Du es ohne mein Wissen tust, denn ich bin krankhaft gegen Essen im Bett", verlautet die Mutter. "Wie oft sollen wir noch in sein Zimmer gehen?"

Die Nerven liegen bereits blank, als es an der Haustür klingelt. Das eingeladene Pärchen Hubert (Gregor Henze) und Ines (Alina Wolff) taucht zu später Stunde auf, was eigentlich erst für den nächsten Tag geplant war. Nichts zu essen im Haus und ein einsam und verzweifelt kämpfendes Kind, das nicht zu beruhigen ist, sind keine gute Voraussetzung für einen gemütlichen Abend mit Gästen.

Wie im echten Leben fühlt man sich im Zuschauerraum des Theaterstückes "Drei Mal Leben" von Yasmina Reza in einer Inszenierung von Alexander Marusch, die das Rheinische Landestheater Neuss am Mittwochabend in der Erkelenzer Stadthalle aufführte. Besonders in der ersten Szene spielen die Schauspieler ihre Rolle so lebensnah, dass man die Mischung aus sich aufbauender Anspannung und Aggression, verursacht durch das anschwellende, lauter werdende, nicht enden wollende Kindergebrüll hautnah miterlebt - als Publikum nicht unbedingt ein Genuss, eher massive Anstrengung.

Man sieht drei Versionen eines Abends, sieht vier Menschen drei Mal in neuen Konstellationen, mit anderen Charakteren, Taktiken und Methoden. Drei Mal entwickelt sich der verunglückte Abend zur Katastrophe; erst als Karikatur, dann als Posse, schließlich als Melodram. "In Wiederholungen zeigt uns Yasmina Reza, wie sinnlos das Streben des Menschen nach Glück ist - wir haben es schlicht nicht in der Hand. Das ist fatal, aber auch urkomisch", kommentiert Alexander Marusch seine Inszenierung.

Von den Alltagssorgen überforderter Mittelstandseltern erzählt die Geschichte. Sie berichtet von Eheproblemen, Alkohol, Karriereplänen und Laufmaschen, die sich zum handfesten Beziehungskrach auswachsen. Vom Banalen also, das sich zum Existentiellen ausweitet. Die Autorin versucht, im Mikrokosmos den Makrokosmos abzubilden. Ob der Zuschauer dieses Schauspiel jedoch als Unterhaltung empfindet, muss jeder für sich entscheiden.

Quelle: RP
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