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Erkelenz
Geschichte, die verschwindet

Erkelenz: Geschichte, die verschwindet
Die Keyenberger Motte war ursprünglich ein von einem Wassergraben umgebener ovaler Hügel von 20 Metern Durchmesser und zwei Metern Höhe. An ihn schloss sich nach Westen eine 50 mal 70 Meter große, ebenfalls von Gräben umgrenzte Vorburg an. Heutzutage ist die "Burg" nur noch zu erahnen. FOTO: Jürgen Laaser
Erkelenz. Sie fristet ein fast schon tragisches, nahezu unbeachtetes Schattendasein: die Keyenberger Motte. Das liegt nicht nur daran, dass sich nicht weit von ihr entfernt die größte und besterhaltene Motte in Europa befindet, die Motte Aldeberg in Arsbeck. Von Kurt Lehmkuhl

Die Keyenberger Motte ist unauffällig, nur schwer zu finden an der Plektudisstraße, und ihr Originalzustand lässt sich ohne Illustration nur schwerlich vorstellen. Ein Hinweisschild auf der Grünfläche vor dem Waldstück gibt die Information, dass diese Stelle der Platz der Motte war. "Die Keyenberger Motte war eine befestigte fränkische Bauernsiedlung aus dem frühen Mittelalter. Die Motteninsel (romanisch: Motta = Hügel) war nur über eine Zugbrücke zu erreichen und von Palisaden umzäunt. Sie diente als Wohnsitz des Burgherrn und als letzte Zuflucht vor Feinden. Auf der ebenfalls von Wassergräben umgebenen Vorburg im westlichen Bereich standen die Bauernhütten und Wirtschaftsgebäude. Die Gliederung der Motte entspricht bereits ganz dem Schema ihrer baugeschichtlichen Nachfolgerin, der in Stein gebauten Wasserburg (Haus Keyenberg)", so ist darauf zu lesen.

Doch das war einmal. Der jetzige Zustand des Geländes erfordert viel Fantasie, um sich vorzustellen, welches Naturdenkmal sich dort befindet.

"Die Motten sind im 10. Jahrhundert entstanden und waren zur Verteidigung künstlich angelegte Erdhügel, die von Wassergräben umgeben wurden", erläutert beispielsweise Hans-Josef Pisters, profunder Kenner der Keyenberger Heimatgeschichte im Allgemeinen und der Motte im Besonderen. Dabei ist ihm einerlei, ob man Motte aus dem Romanischen ableitet, wie auf dem Schild zu lesen, oder aus dem französischen "motte", was so viel wie Klumpen oder Erdsode bedeutet.

Dass eine Motte ursprünglich ein vorwiegend in Holzbauweise errichteter Burgtyp war, dessen Hauptmerkmal ein künstlich angelegter Erdhügel mit einem meist turmförmigen Gebäude war, lässt sich nur erahnen.

Die Keyenberger Motte sei vor einigen Jahrzehnten einmal aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt worden, erinnert sich der 76-jährige Pisters nur zu genau. Damals wurde der Graben rund um den Mottenhügel freigelegt, die Ufer mit Palisaden befestigt und mit Unterstützung des Technischen Hilfswerks (THW) eine hölzerne Brücke gebaut. Der Untergrund wurde mit einer Folie ausgelegt und der Graben von Rheinbraun mit Wasser gespeist. "Da gab es auch noch alljährliche Mottefeste, bei dem sich fast alle Keyenberger trafen." Dann jedoch wurde Rheinbraun und das spätere RWE Opfer seiner eigenen Tätigkeit.

Mit dem heranrückenden Tagebau Garzweiler II sank der Grundwasserspiegel. Der Brunnen, der ebenso wie die Pumpstation auf der Wiese vor der Motte zu sehen ist, fiel trocken. "Eine Zeit lang wurde der Graben noch mit Leitungswasser gefüllt. Als dies zu kostspielig wurde, überließ man das wiederhergestellte Gelände sich selbst", berichtet Hans-Josef Pisters. Es zerfiel, der Graben ist bereits zum großen Teil trockengefallen, an manchen Stellen gibt es noch matschigen Sumpf. Die Palisaden zerbröseln, auf der Brücke hat sich glitschiges Moos breitgemacht. Der Unterschlupf für Enten mitten im Graben hängt in der Luft. "Es kümmert sich niemand mehr darum", bedauert Pisters - weder RWE, das verantwortlich ist für das verschwindende Wasser, noch die Stadt Erkelenz, noch der Besitzer des Geländes. In dem Bereich rund um die Keyenberger Motte gab es zahlreiche Quellen. Sie speisten nicht nur deren Graben, sondern auch das Labyrinth der sogenannten Vorburg, einem Gewirr von Gräben, die längst ausgetrocknet und überwuchert sind. Sie liegen im "Hauswald" zwischen Keyenberg und Kuckum. Der von Trampelpfaden durchzogene Wald um die Motte war für die Keyenberger das wichtigste landschaftliche Element im Ort "und unser bevorzugter Spielplatz", erinnert sich Pisters zurück. Das Waldgebiet der ehemaligen Motte mit den mehr als 80 Quellen ist Entstehungsort der Niers. Der größte Quelltümpel ist dabei der Glockensprung unweit des Sportplatzes gewesen. "Die Wasserqualität der Quelle war früher weithin bekannt - dem Wasser der Niers wurde heilende Wirkung zugesprochen, und man konnte das Quellwasser bedenkenlos trinken", erzählt Hans-Josef Pisters aus der Vergangenheit. "Es wurde als Heilwasser sogar in Apotheken verkauft."

Doch das war einmal und ist genauso nur noch Erinnerung wie die ehemalige Keyenberger Motte.

Quelle: RP
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