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Erkelenz
Gottes Wort - auf vielfältige Art gedeutet

Erkelenz. In der gut gefüllten Pfarrkirche St. Lambertus fand nach sechs Jahren Teil II von "Erkelenzer lesen aus der Bibel" statt. Zehn Vorträge. Von Mario Emonds

Die Bibel ist ein relevantes Stück Weltliteratur. Und wie das mit Literatur so ist, kann man sich ihr auf sehr unterschiedliche Art nähern. Die einzig wahre Interpretation oder die einzig "richtige" Herangehensweise gibt es nicht. Genau das wurde nun auch bei der zweiten Auflage des Projekts "Gottes Wort an Menschen Ort - Erkelenzer lesen aus der Bibel" offenkundig: Zehn bekannte Erkelenzer Persönlichkeiten lasen "ihre" Bibelstelle vor und trugen dazu ihre Gedanken vor - auf erfrischend unterschiedliche Art.

Einige, so wie zu Beginn Andreas Speen, Redaktionsleiter der Rheinischen Post Erkelenz, und später Inge Koch-Wittmann, Lehrerin am Cornelius-Burgh-Gymnasium, taten das auf sehr persönliche Art, ließen Erlebnisse aus ihrer Kindheit einfließen. "Die Bibel ist für mich eine Fundgrube der Erinnerung", bekannte Speen. Von "frühester Sozialisation" sprach Koch-Wittmann.

Auch einen persönlichen Zugang wählte Urologe Dr. Christof Purrio. Er erläuterte, zu seiner Bibelstelle durch Erlebnisse auf einer Wallfahrt inspiriert worden zu sein. Und Unternehmerin Maike Laumen-Theuerzeit verriet, dabei von täglichen Erfahrungen aus der Arbeitswelt geleitet worden zu sein. "Wo ist dort die Kultur des Miteinanders geblieben?", fragte sie rhetorisch.

Andere konzentrierten sich ganz auf ihre Bibelstelle. Sehr theologisch wurde Notar Christoph Binger, der sein Gleichnis sehr tiefschürfend erörterte. Gleiches galt für Volksbank-Chef Dr. Veit Luxem, der den Turmbau zu Babel in einen umfassenden zeitgeschichtlichen Kontext stellte. Gleich aus zwei Perspektiven näherte sich Johannes Reul dem Thema "Licht" - zum einen aus naturwissenschaftlicher Sicht (Reul ist Physiklehrer am Cusanus-Gymnasium), zum anderen aus künstlerischer (Reul ist eben auch Künstler). Das geriet ebenso spannend wie der Vortrag von Stunk-Präsident Wolfgang Klein, der mit dem Mikro in der Hand völlig frei vortrug. Gestenreich übertrug er Jesu radikale Forderungen aus seiner Bibelstelle in die Jetztzeit.

Günther Merkens, Vorsitzender des Erkelenzer Heimatvereins, bekannte, wenig zur "Heimat" in der Bibel gefunden zu haben - und trug daher eher Grundsätzliches vor. Bestatter Markus Forg hatte seine Bibelstelle aus einem sehr persönlichen Bekenntnis gewählt: "Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass es ein Leben nach dem Tod gibt."

Übrigens: Texte aus Altem und Neuem Testament hielten sich die Waage. Und jeder Vortragende hatte sich ein Musikstück zu seinem Text ausgesucht, das der Städtische Musikverein unter Leitung von Tobias Liedtke eindrucksvoll zu Gehör brachte. Das reichte von Klassik wie der Ouvertüre zu Händels "Messias" über Pop- und Rocksongs wie "The sounds of silence" von Simon & Garfunkel bis zu Hymnen wie "Unser Stammbaum" von den Bläck Fööss.

Am Ende gab es verdienten langanhaltenden Beifall - sehr zur Freude der beiden gastgebenden "Profis", des katholischen Christkönig-Pastors Werner Rombach und seines evangelischen Schwanenberger Amtsbruders Robin Banerjee.

Quelle: RP
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