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Erkelenz
Grundstückshöhen bleiben Streitpunkt

Erkelenz: Grundstückshöhen bleiben Streitpunkt
Etliche Baugrundstücke im Umsiedlungsgebiet liegen in einer Mulde (vorne). Bei einer Ortsbegehung im Rahmen des Forums war die ungelöste Höhenproblematik Hauptdiskussionspunkt. FOTO: Kurt Lehmkuhl
Erkelenz. Beim Umsiedlerforum für Bürger von Keyenberg, Kuckum, Unter-/Oberwestrich und Berverath in der Mehrzweckhalle Borschemich kamen offene Fragen zur Sprache. Zum Höhenproblem bot Bürgermeister Jansen weitere Gespräche an. Von Kurt Lehmkuhl

Ein Gesprächsthema überragte alle anderen beim Umsiedlerforum für die Bürger von Keyenberg, Kuckum, Unter- und Oberwestrich und Berverath, zu dem die Stadt Erkelenz am Samstag in die Mehrzweckhalle in Borschemich eingeladen hatte: die Höhenlage der Baugrundstücke am Umsiedlungsort. Viele Grundstücke liegen tiefer als die Straße, so dass sie aufwendig aufgefüllt werden müssten.

Die Menschen, die wegen des RWE-Braunkohletagebaus Garzweiler II weichen müssen, befürchten Mehrkosten, Nachbarschaftsstreit und Probleme bei der Bebauung. "Wir wohnen noch in Keyenberg, jetzt wollen wir nur keine Berge am neuen Ort haben", meinte etwa René Wagner in Anbetracht der Höhenunterschiede.

Nicht jeder Teilnehmer war mit dem Verlauf und dem Ergebnis des Forums zufrieden. "Es gab nichts Neues", monierte Gabi Clever. Die Umsiedler hätten gehofft, dass "von der Verantwortungsseite" klar gemacht würde, dass sie uneingeschränkt aufseiten der Betroffenen stehe, meinte die Frau, die sich als selbst Betroffene sehr engagiert für die Interessen der Umsiedler einsetzt.

Das Forum mit vier Informationsständen sei "zu groß, zu laut, zu unverständlich", merkte Agnes Maibaum an, die bereits am Umsiedlungsort ein Grundstück ihr Eigen nennt. Alles in allem biete das Umsiedlerforum einen "netten Zwischenstand". Doch seien die Vorstellungen durch die Fachleute zu den Komplexen Bauleitplanung, Tiefbaumplanung, Freiraumgestaltung und Beratungsangebote zum Hausbau nicht konkret genug. "Einzelgespräche bringen mehr", sagte Agnes Maibaum.

Diese Feststellung hatte auch sehr schnell Jürgen Schöbel gemacht, der für die Stadt Erkelenz mit der Durchführung des Forums beauftragt worden war und der die knapp 200 Teilnehmer in der Halle begrüßt hatte. Die ursprünglich geplante strenge Form, nach der die Interessenten alle halbe Stunde die Station wechseln sollten, wurde aufgegeben, weil es zu viele individuelle Fragen gab und sich sehr schnell kleine Gruppen bildeten, in denen über spezielle Fragen diskutiert wurde. Häufig war dabei Bürgermeister Peter Jansen der Ansprechpartner, der ebenso wie der erste Beigeordnete Hans-Heiner Gotzen und der Technische Beigeordnete Ansgar Lurweg mit Rat und Tat zur Seite stand. Auch bei Jansen waren immer wieder die Höhenprobleme Gesprächsthema. Sein Angebot, sich mit Betroffenen zu treffen, um in Einzelgesprächen das Thema zu behandeln, wurde von über 20 Betroffenen gerne angenommen.

"Man sollte bedenken, dass wir nicht über ein normales Neubaugebiet sprechen, sondern über einen Umsiedlungsstandort", gab Gabi Clever einem der Bauplaner mit auf dem Weg. Wagner erinnerte daran, dass Umsiedler vor dem Problem stünden, üblicherweise erst dann ein Baugrundgutachten erstellen lassen zu können, wenn sie Eigentümer des Grundstücks geworden sind. "Wenn dann die Mängel erkannt werden, ist es aber zu spät." Mehrkosten gingen zulasten der Umsiedler. "Wo bleibt da der wertgleiche Tausch?" Es gebe quasi keine Alternative zu einem Grundstück mit Tiefenlage.

Nach dem theoretischen Teil in der Mehrzweckhalle, den Schöbel mit dem Wunsch an die Besucher für eine reibungslose und so gut wie mögliche Umsiedlung abschloss, begann die Ortsbesichtigung. Bei Wind und Schnee schaute sich so mancher sein Grundstück zwischen Borschemich und Rath-Anhoven an und erfuhr dabei unter anderem von Lurweg, dass der Endausbau der Straße schon erfolgen soll, selbst wenn noch viele Grundstücke nicht bebaut worden sind und dass der Baumpflanzungsplan zwar bestimmte Bäume an bestimmten Stellen vorsehe, diese aber noch versetzt werden könnten. Diese Regelung gelte auch für den Laternenplan. Keine Laterne werde mitten in der Zufahrt zur Garage stehen.

Alle Wünsche werden sie allerdings nicht erfüllen können. Ein Hofladen etwa oder ein kleines Geschäft seien Sache der Einwohner. Auch wird eine Gaststätte wohl ein unerfüllbarer Wunsch bleiben. Umso wichtiger sei es, dass öffentliche Räume geschaffen werden und die Dorfgemeinschaft Aufgaben übernehmen kann. "Bis 2019 wollen wir die Infrastruktur mit Mehrzweckhalle, Feuerwehr, Friedhof und Sportanlagen geschaffen haben", sagte Gotzen, so dass zumindest das öffentliche und das Vereinsleben in Gang kommen können.

Die sogenannte bergbaurechtliche Inanspruchnahme von Keyenberg sei für 2023 vorgesehen, die restlichen Orte sollen bis 2027 geräumt sein. "Wir sind auf einem guten Weg, den Zeitplan einzuhalten", sagte der Beigeordnete. 570 Einigungen müsse es zwischen Betroffenen und RWE geben. 33 Prozent davon seien bereits getroffen.

Quelle: RP
 
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