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Erkelenz
Gute Hygiene hilft, Keime zu vertreiben

Erkelenz: Gute Hygiene hilft, Keime zu vertreiben
Hat das Desinfizieren der Hände funktioniert? Bei der Ausstellung im Erkelenzer Krankenhaus-Foyer können Besucher und Patienten das derzeit selbst testen. FOTO: Jürgen Laaser
Erkelenz. Die Wanderausstellung "Keine Keime" informiert derzeit im Foyer des Erkelenzer Krankenhauses über multiresistente Erreger und Vorbeugung. Fürs Erkelenzer Haus gelten hohe Standards, um die Infektionsgefahr zu minimieren. Von Angelika Hahn

Fünf mannshohe Buchstaben bilden zurzeit im Foyer des Hermann-Josef-Krankenhauses das Wort "Keime". Auf den Buchstaben informative Texte und Bilder rund um das aktuell viel diskutierte Thema Krankenhaus-Keime. "Keine Keime" lautet denn auch das Motto der kleinen Wanderausstellung der Krankenhausgesellschaft NRW, die noch bis zum 17. August in Erkelenz Station macht.

Da intensive Händedesinfektion die beste Vorbeugung ist, können Besucher unter Schwarzlicht gleich testen, ob sie alle Hautbereiche der Hände gleichmäßig desinfiziert haben. "Dunkle Bereiche", so erläutern die beiden Hygienefachkräfte Sandra Hauschild und Birgit Meyer, "zeigen die Stellen, die nicht ausreichend geschützt sind."

Die Apparatur setzt das Krankenhaus auch bei der Aus- und Fortbildung der Mitarbeiter ein: Auf Händedesinfektion werde größten Wert gelegt. "So gibt es jährlich in unserem Krankenhaus einen ,Tag der Hände' für die Mitarbeiter und interessierte Besucher." Der Verbrauch an Desinfektionsmittel werde kontrolliert. "Wir regen auch die Besucher an, die Spender in den Krankenzimmern zu nutzen, sie sind nicht nur fürs Pflegepersonal gedacht", sagt Anästhesie-Chefarzt Dr. Franz-Eberhard Jacobs, der Mediziner im Hygieneleitungsteam.

Die Schau klärt über die Entstehen und Eigenart von Keimen auf, die gleichermaßen nützen können, wie etwa in der Darmflora, aber auch "Schaden anrichten können, wenn sie zur falschen Zeit am falschen Ort sind", wie es in der Informationsbroschüre der Schau (zum Mitnehmen) heißt. Jeden Menschen "bewohnen" Billionen von Keimen, die bei Berührungen von Menschen zudem oft den "Besitzer" wechseln. Für gesunde Menschen seien sie zumeist kein Problem. Wohl aber für kranke und geschwächte Personen. Keime, die in offene Wunden eindringen, können lebensgefährliche Infektionen auslösen.

Und was die Behandlung dann oft erschwert, ist, dass viele Keime - die sich mit der Umwelt verändert und eigene Abwehrstrategien gegen Medikamente entwickelt haben -, gegen Antibiotika immun geworden sind. Begünstigt wird die Ausbreitung sogenannter multiresistenter Keime durch die vorschnelle und falsche Einnahme von Antibiotika, wissen die Fachleute. Auch Dr. Jacobs rät Patienten, ihren Hausarzt nicht dazu zu drängen, etwa bei klassischen Erkältungsinfekten Antibiotika zu verschreiben. "NRW ist führend bei der Verschreibung von Antibiotika", sagt Jacobs kritisch. Massenhafte Antibiotika-Einnahme erhöhe das Risiko, resistent gegen diese Medikamente zu werden, wenn sie wirklich benötigt werden.

Das Krankenhaus folge bei der Keimkontrolle den Richtlinien des Robert-Koch-Institutes und gehe teilweise sogar darüber hinaus, sagt Sandra Hauschild. Zudem besteht eine enge Abstimmung mit Krankenhäusern in der Euregio in Sachen Hygienestandards, betont Verwaltungschef Jann Habbinga. Die meisten Patienten, deren Krankenhausaufenthalt planbar ist (außer Kinder und Belegarzt-Patienten) durchlaufen schon seit 2008 vor der Aufnahme ein Screening auf MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus), der über einen Abstrich im Rachenraum gut nachweisbar ist. Die Erreger können dann noch vor der stationären Aufnahme beseitigt werden.

Denn nicht die Krankenhäuser seien, wie oft vorschnell behauptet, die Brutstätten der resistenten Erreger. "Die Patienten selbst oder Besucher bringen sie mit", erläutern die Fachleute. Und viele Darmkeime etwa seien nicht per Screening zu ermitteln. "Daher lebt jedes Krankenhaus mit dem Risiko von Infektionen durch Keime", betont Habbinga. Das Erkelenzer Krankenhaus jedoch liege, so Dr. Jacobs, mit etwa zehn Fällen pro Jahr deutlich unter dem Durchschnitt.

Quelle: RP
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