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Erkelenz
Handwerkspräsident lobt und treibt an

Erkelenz: Handwerkspräsident lobt und treibt an
Hans-Peter Wollseifer, der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, lobt die Integrationsfähigkeit der Betriebe und fordert zu gesellschaftlichem Engagement auf. FOTO: Endermann (Archiv)
Erkelenz. Hans-Peter Wollseifer sprach beim Frühjahrstreffen des Handwerks im Kreis Heinsberg Probleme, Chancen und notwendige Umdenkprozesse an. Von Andreas Speen

Deutliche Worte richtete Hans-Peter Wollseifer, der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, an die Kollegen aus dem Kreis Heinsberg. Stolz vermittelnde Worte, Mut machende Worte, auffordernde Worte. Er richtete ebenso deutliche Worte an die Politiker, die jedoch eher richtungsweisend, kritisch oder zur Debatte anregend waren. Hans-Peter Wollseifer sprach in Erkelenz beim 22. Frühjahrstreffen des Handwerks, zu dem die Kreishandwerkerschaft eingeladen hatte.

Die Auftragsbücher seien voll, 85 Prozent der Deutschen vertrauten dem heimischen Handwerk, sprach Wollseifer die Lage an. Stolz könnten die Betriebe sein, weil der gute bundesdeutsche Arbeitsmarkt auf dem Mittelstand und nicht zuletzt auf dem Handwerk fuße: "Das ist Ihr Erfolg, nicht die der Minister." Stolz sei auch angebracht, weil das Handwerk eine wichtige Rolle in der Integration spiele: "Ein Drittel unserer Belegschaft stammt inzwischen aus Migrantenfamilien in der ersten oder zweiten Generation." Seine Integrationsfähigkeit habe das Handwerk schon bewiesen und werde es weiterhin beweisen: "Wir können die Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integrieren, da wir das in den Strukturen der oft familiengeführten Unternehmen gut leisten können." Zu Engagement rief Wollseifer nicht nur in diesem Zusammenhang auf: "Die Flüchtlinge werden erst die Fachkräfte von übermorgen werden", auf dem Weg dahin "müssen wir uns um diese Menschen kümmern, um sie in den ersten Arbeitsmarkt zu bringen". Viele Handwerker seien engagiert, in Feuerwehr, Vereinen, Technischem Hilfswerk, Kirche oder Politik, lobt der Handwerkspräsident: "Wir wollen dazu beitragen, dass unser Land ein guter Ort bleibt." Er regte jedoch an, sich gerade in der Politik mehr einzubringen. "Wir brauchen eine Politik, die das ganze Land abbildet."

Zukunftsaufgaben des Handwerks - wie die Digitalisierung und viele anstehende Betriebsübergaben an die nächste Generation - sprach Wollseifer. Er nannte die Flexi-Rente einen "ersten richtigen Schritt", um Unternehmen das Wissen und Können älterer Mitarbeiter für fließendere Übergänge zu neuen Mitarbeitern zu erhalten. Er forderte eine Stärkung der Dualen Ausbildung und rief dazu auf, dass es an Gymnasien neben der Studienberatung auch eine Berufsberatung geben müsse. Denn: Aus Sicht der Handwerks müsse es zu einer "Bildungsumkehr kommen. Heute gehen 60 Prozent eines Schulabgänger-Jahrgangs an die Hochschulen, vor zehn Jahren waren noch zwei Drittel in die Lehre gegangen". Es müsse eine Wende erreicht werden, um das Handwerk und dessen Leistungen zu erhalten: "Hier müssen wir mit guten Bildungsangeboten gegenhalten." Dazu gehöre auch, dass es neben dem Hochschul- einen bundesweiten Berufsbildungspakt geben müsse, über den die Ausbildungsstätten besser und moderner ausgestattet werden könnte.

Grund all dieser Forderungen, sowohl an die Mitglieder als auch die Politiker, ist vor allem einer, den der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks gleich an den Beginn seines Vortrags gestellt hatte: der Fachkräftemangel. Wollseifer berichtete: "Etwa 50 Prozent unserer Betriebe beklagen heute schon, dass sie freiwerdende Stellen nicht gleich nachbesetzen können."

Quelle: RP
 
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