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Erkelenz
Heimathistorie hilft, Europa zu begreifen

Erkelenz: Heimathistorie hilft, Europa zu begreifen
Bürgermeister Peter Jansen (v.l.), Europaabgeordnete Sabine Verheyen, Günther Merkens (Heimatverein), Schulleiter Willi Schmitz und Schülersprecher Florian Schütte. FOTO: Jürgen Laaser
Erkelenz. Die Europaschule (Realschule) ist 1326. Mitglied im Heimatverein der Erkelenzer Lande geworden - Erkelenz bekam 1326 die Stadtrechte. Eine symbolträchtige Zahl. Feier zur Übergabe der Beitrittsurkunde. Von Angelika Hahn

Im Jahr 1326 wurden Erkelenz den Historikern zufolge von Graf Reinald II. von Geldern die Stadtrechte zuerkannt. Und die Europaschule, Realschule der Stadt Erkelenz, ist im Jubiläumsjahr "690 Jahre Stadtrechte Erkelenz" das exakt 1326. Mitglied im Heimatverein der Erkelenzer Lande - und zudem die erste Schule, die Mitglied wird. Perfektes Timing - so könnte man meinen, obwohl Schulleiter Willi Schmitz wie auch Heimatvereinsvorsitzender Günther Merkens den Zufall betonten.

Den besonderen Anlass der Übergabe der Mitgliedsurkunde nutzten Schule und Heimatverein zu einer offiziellen Feierstunde, zu der auch Bürgermeister Peter Jansen, Erster Beigeordneter Dr. Hans-Heiner Gotzen und die Europaabgeordnete Sabine Verheyen aus Aachen in die Realschule gekommen waren.

Die Bläck-Fööss-Klassiker "Unser Stammbaum" und "En unsrem Veedel", vorgetragen vom Chor der Klassen 5 und 6, waren für Bürgermeister Jansen genau passend, um das Anliegen, Heimat mit Offenheit zu Europa und der Welt zu leben, gut zu veranschaulichen. Für Schulleiter Schmitz war die Mitgliedschaft der Schule im Heimatverein nur folgerichtig nach der intensiven Kooperation, die es bislang schon gegeben hat. Schmitz verwies auf die preisgekrönten Schülerarbeiten zur lokalen NS-Geschichte. Der Heimatgedanke und der Name Europaschule, gleichsam als Programm, waren für ihn wie für die weiteren Redner keineswegs ein Widerspruch, eher zwei Seiten einer Medaille. Der Schule sei es wichtig, Regionalgeschichte mit Blick auf ihre Zusammenhänge mit dem großen Europa zu vermitteln. Die Kooperation mit dem Heimatverein biete neue Lernchancen - und dies nicht nur für das Fach Geschichte.

Heimatvereinsvorsitzender Günther Merkens freute sich über "das Novum", dass eine Schule Mitglied im Heimatverein werde. "Das freut uns sehr, und deshalb muss dies mehr sein als nur eine Mitgliedschaft im Heimatverein. Es wird eine Kooperation im Hinblick auf lokale und aktuelle Geschichte der Erkelenzer Lande sein." Und bezugnehmend auf die bisherige Zusammenarbeit, sagte er: "Da fällt uns auch in Zukunft sicherlich noch einiges ein." Anregung dazu war ein kompletter Satz der Schriftenreihe des Vereins, der, so versicherte der Schulleiter, neben der Beitrittsurkunde einen besonderen Platz in der Mediathek bekommen werde.

"Wenn man seine geschichtliche Entwicklung kennt, weiß man, was wir heute sind", sagte Bürgermeister Jansen. Auch er weitete - in der Europaschule - den Blickwinkel von Ortsgeschichte, Heimatgefühl und Traditionsbewusstsein auf die Herausforderung, gemeinsam Werte im Europa der offenen Grenzen für die Zukunft zu sichern. Die Stadtrechte im 14. Jahrhundert hätten das Selbstbewusstsein der Stadt auch als Handelsstandort mit Zukunft begründet. Natürlich lag es nahe, den Heimatbegriff mit seinen vielfältigen internationalen Verknüpfungen anhand der aktuellen Flüchtlingskrise zu beleuchten. Jansen und vor allem auch Europaabgeordnete Sabine Verheyen, selbst Mitglied im Heimatverein, wie sie betonte, taten dies intensiv. Erinnerungen an Flucht und Vertreibung im Zweiten Weltkrieg fehlten nicht beim Blick auf die humanitäre Verpflichtung und die Herausforderung, Kriegsflüchtlingen in der Region, wenn nicht eine neue Heimat, so doch ein Zuhause auf Zeit zu ermöglichen. Aber auch die aktuelle Krise der europäischen Zusammenarbeit vor dem Hintergrund von neuem Nationalismus und Flüchtlingskrise kamen zur Sprache. Und Bürgermeister Jansen sagte auch klar, dass in der Zusammenarbeit zwischen Kommunen und Land ebenfalls vieles nicht rund läuft. Verheyen nahm dies auf, bekannte, dass die Suche nach Lösungen und Gemeinsamkeiten derzeit "einem Bohren dicker Bretter gleichkommt". Dennoch, so sagte sie: "Neue Mauern aufzubauen, ist nicht die richtige Antwort."

In der sich anschließenden Diskussion mit Zehntklässlern ging es unter anderem kritisch auch um den Sinn von Städtepartnerschaften in Europa. Bürgermeister Jansen betonte, neue Konzepte müssten möglichst viele Bürger und Vereine einbeziehen. Ein guter Weg seien europaweite Schulpartnerschaften. Schulen in Erkelenz pflegen laut Jansen 30 Kontakte in alle Welt.

Quelle: RP
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