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Erkelenz
Hintergründige Schönheit

Erkelenz. Haus Spiess zeigt derzeit Arbeiten der international aktiven Künstlerin Elizabeth Weckes. Das Thema "Tauwetter" verweist auf Überraschendes unter ästhetisch faszinierender Oberfläche. Von Stefanie Mosburger-Dalz

"Tauwetter" heißt die Ausstellung von Elizabeth Weckes, die jetzt in Haus Spiess eröffnet wurde. Die Künstlerin erläutert, dass beim Tauwetter all das wieder zum Vorschein kommt, was der Schnee überdeckt hat, aber auch das Schöne, das sich darunter entwickeln konnte.

Und das ist die Spezialität der mehrfach ausgezeichneten Meisterschülerin von H-J Kuhna: Hintergründiges in sinnlich schönen, dramatisch komponierten Naturdarstellungen aufzudecken und mit dem Element der Überraschung wahrnehmbar zu machen. Dabei verhalten sich die in großformatiger Ölmalerei dargestellten Pflanzen wie Menschen oder Tiere. "Höllenhunde" beispielsweise heißt ein Blumenstilleben, dessen übergroße Tulpenköpfe förmlich nach dem Betrachter schnappen. In Pflanzenformationen entdeckt der Betrachter kleine Tierskelette oder Kadaver. Die Bildkompositionen katapultieren den Betrachter in das Geschehen hinein, aus der Däumlingsperspektive sieht er auf Szenerien von Schlachtfeldern oder gefängnishaften Konstruktionen. Unter dem Schönen lauert der Tod.

Die neuesten Arbeiten holen nicht nur den Betrachter ins Bild, auch die Malerin ist als Schatten im Hintergrund dabei, der in sensibler Farbigkeit das Licht spürbar macht und so dem Betrachter suggeriert, es sei sein eigener. Bilder, die man täglich vor sich sieht: der Boden, Lichtflecken, Schatten, ein totes Insekt. Evoziert durch den Titel vermischen sich literarische Vorlagen wie Alice im Wunderland, Peter Pan oder Gullivers Reisen mit der Erfahrung des Daseins als Mensch in der Welt.

Der Kunsthistoriker Stefan Skowron, der in Weckes' Werk einführte, verortet die Malerin mit ihrer Dramatik und gleichzeitigen Klarheit zwischen den barocken Vanitasgemälden und dem poetischen Stilleben eines Giorgio Morandi oder den sachlich gefügten Arbeiten eines Rudolf Nehmer. "Selber sehen", so beschreibt er ihr Credo. Ihr Realismus, so Skowron, sei gerade genug, um die abgebildeten Dinge erkennbar zu machen. Ihr Werk bezeichnet er als Labor, in dem Realität und Phantasie zu einer Kunst zusammenfließen, die Gesellschaftsbilder hervorbringt und das Leben treffend kommentiert.

Neben der Raffinesse in Komposition und Assoziation zeigt die Künstlerin ihr handwerkliches Können: Die großzügige lockere und malerische Oberfläche, aus dem Naturstudium entwickelte Form und sensibler, transparenter bis dramatischer Farbaufbau sorgen für den Funken Wahrheit und die große Plastizität.

Gerade kommt die international aktive Künstlerin aus Tasmanien, wo sie 2009 wiederholt als Stipendiatin tätig war, zurzeit bereitet sie dort ihre nächste Ausstellung vor.

Quelle: RP
 
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