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Erkelenz
Hoch hinaus und doch daheim

Erkelenz. Peter Boremski zieht es seit Jahren als Industriekletterer in gefährliche Höhen. Der Lebensmittelpunkt des 28-Jährigen bleibt jedoch stets Erkelenz. Von Thomas Mauer

Menschen, die in einem gefährlichen Beruf ihren Lebensunterhalt verdienen, sollte man dies eigentlich anmerken. Davon ist bei Peter Boremski allerdings nichts zu spüren. Wären da nicht der sehr klare, konzentrierte Blick und seine ruhige, kontrollierte Art, man könnte ihn in einer Werkstatt oder einem Büro vermuten.

Eine Ausbildung hat der 28-Jährige schon, die hat aber nichts mit seinem gegenwärtigen Beruf zu tun. Ursprünglich wollte er Bootsbauer werden. Er befand sich bereits auf dem besten Weg dahin. Dann kam ihm aber ein Schnupperkursus in einer Kletterhalle dazwischen, und von da an gab es nur noch eines: "Wenn ich irgendwo ein Seil anbinden kann, komme ich auch dahin."

Industriekletterer ist kein Ausbildungsberuf, die Bewerber absolvieren drei Level. Zunächst steht die Bewegung vertikal auf dem Programm, dann kommt die Horizontale dazu. Das dritte Level umfasst die Diagonalbewegung und Aufsichtsführung. "Das dritte ist nichts für mich, da kommt viel zu viel Schreibkram hinzu", erklärt Peter Boremski seine klare Entscheidung. Seit sechs Jahren bewegt sich der junge Mann durch die Lüfte. Anfangs war der Erkelenzer bei einem Düsseldorfer Unternehmen angestellt, später wechselte er in die Selbstständigkeit. Seither hat er sich ein Netzwerk aufgebaut, die Szene in Deutschland ist übersichtlich, man kennt sich untereinander und vermittelt sich auch gegenseitig. Zumal als wichtigste Regel gilt: "Ich klettere nie allein!"

Wer in 300 Meter Höhe an der Außenwand eines Kühlturms arbeiten will, ist auf Kollegen angewiesen. Wer an Antennenmasten Montagearbeiten ausführt, kann das nicht ohne Unterstützung und Sicherung tun. "Bei Rettung ist auf die Feuerwehr kein Verlass", erklärt Peter Boremski. Das ist nicht als Vorwurf gemeint, sondern beschreibt mehr, dass die Wehren an dieser Stelle überfordert sind. Deshalb sichern und retten sich die Kletterer gegenseitig. Und deshalb spezialisieren sich die Industriekletterer auch. Der Stahlbau gehört zu Boremskis Spezialgebiet. Sein Ansehen hat er sich über einige Jahre erarbeiten müssen. Sein Können belegt er außerdem jährlich bei einer Prüfung, die er absolviert. Das dient seiner Sicherheit. Da ist er sehr penibel. "Ich hatte Gott sei Dank auch noch nie einen Notfall." Der kann durchaus schnell eintreten, denn die Witterungsbedingungen im Außenbereich dürfen die Kletterer keinesfalls unterschätzen. So müssen sie zum Beispiel immer ausreichend Getränke am Körper mitführen.

"Ja, ich habe Angst, aber keine Panik." Die Angst halte ihn wachsam, lasse ihn immer sorgfältig bleiben. Ständige Kontrolle der Ausrüstung gehört zu seinem Berufsalltag. Deshalb seien auch Hobbykletterer keine echte Konkurrenz für seinen Beruf, zumal die Profis sich untereinander absprechen.

Aus Erkelenz weg will Peter Boremski nicht. Seine Eltern, seine Geschwister und das Umfeld halten den jungen Mann in Genfeld. "Ich war nur während der Ausbildung mal für zwei Monate weg", sagt der 28-Jährige mit einem Lachen. Und dazu passt irgendwie der Knaller zum Schluss: "Ich habe auch Höhenangst, an die Dachkante gehe ich nur mit Seil."

Quelle: RP
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