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Erkelenz
Hoffen auf das ganz große Radsport-Event?

Erkelenz: Hoffen auf das ganz große Radsport-Event?
FOTO: A. Blazy
Erkelenz. Die Tour de France könnte am 2. Juli 2017 durch den Osten von Erkelenz rollen. WFG-Chef Schirowski kann sich ein Event als Impuls für die fahrradbegeisterte Region vorstellen. Bürgermeister Jansen ist bei dieser Idee deutlich zurückhaltender. Von Michael Heckers und Andreas Speen

Noch ist nichts in trockenen Tüchern. Doch Ulrich Schirowski, sportbegeisterter Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) im Kreis Heinsberg, denkt positiv und ist überzeugt: Die 2. Etappe wird den Tross der Tour de France am Sonntag, 2. Juli 2017, durch den östlichen Zipfel des Kreises Heinsberg führen. "Und wir werden die Tour de France im Kreis Heinsberg gebührend empfangen", kündigt Schirowski schon mal an.

Der detaillierte Streckenverlauf der Etappe ist noch nicht bekannt. Diesen wird der Veranstalter der Tour, die Amaury Sport Organisation (ASO), wohl im November bekanntgeben. Doch die am Dienstag in Paris veröffentlichte grobe Streckenführung lässt sowohl Schirowski als auch den Erkelenzer Bürgermeister Peter Jansen darauf schließen, dass der Tour-Tross auf seinem Weg von Düsseldorf über Mönchengladbach (Sprintwertung) am Tagebau Garzweiler vorbei Richtung Jülich, Aachen und Lüttich zumindest einige Kilometer durch den Kreis Heinsberg rollen wird. Beide mutmaßen, dass das Fahrerfeld aus Wanlo über die Landstraße 277 am Rande des Braunkohlentagebaus durch den westlichsten Kreis Deutschlands fährt. Dass im Rheinischen Braunkohlerevier mit seinen riesigen Abbaufeldern eindrucksvolle Fernsehbilder aus der Luft zu sehen sind, könnte bei der Planung der aus sportlicher Sicht eher wenig spannenden frühen Phase der Tour de France durchaus eine Rolle spielen. Die zweite Etappe würde die Fahrer nach der ersten Sprintwertung in Mönchengladbach auf einer Strecke von rund sechs Kilometern durch den Kreis Heinsberg über die L 277 vorbei an Keyenberg, Lützerath und Immerath (alt) führen. "Wir könnten mit diesem Ergebnis sehr gut leben", sagt Schirowski.

Nach interner Beratung hatten die zehn Städte und Gemeinden im Kreis Heinsberg auf eine aktive Bewerbung der Region verzichtet, weil diese mit Kosten in Höhe von 50.000 Euro verbunden gewesen wäre. "Landrat Stephan Pusch und die Bürgermeister waren sich schnell einig, dass dieses Geld lieber in nachhaltige Radtouristikprojekte für die Region investiert werden sollte", erklärt Schirowski. An dieser Auffassung habe sich auch jetzt, nachdem die grobe Streckenplanung bekannt ist, nichts geändert. Es sei erfreulich, dass der Tour-Tross auch ohne 50.000-Euro-Vertrag mit hoher Wahrscheinlichkeit ein paar Kilometer durch das Kreisgebiet fahre. Der WFG-Chef prüft zurzeit in enger Abstimmung mit dem Erkelenzer Bürgermeister und dem Landrat, ob mit Unterstützung von Sponsoren ein großes Radsport-Event für den 2. Juli in Keyenberg organisiert werden kann. "An diesem Tag rollt nach Lage der Dinge nicht nur die Tour de France durch die Region, sondern es findet auch der beliebte Niederrheinische Radwandertag statt", erklärt Schirowski. Er könne sich beispielsweise ein Tour-de-France-Event vorstellen, das den Bogen schlägt zur niederrheinischen Großveranstaltung für Fahrradfreunde.

Zurückhaltender ist da Bürgermeister Peter Jansen: "Ob Keyenberg, wo 2017 für die Menschen die tagebaubedingte Umsiedlung startet, die richtige Stelle ist, um im selben Jahr ein großes Event zu veranstalten, weiß ich nicht - momentan ist dazu nichts geplant und wenn es würde, dann sollte der Impuls aus der dortigen Bürgerschaft kommen, dass dort gefeiert oder die Gelegenheit genutzt werden sollte, um an diesem Tag vielleicht auf die Tagebauthematik aufmerksam zu machen." Tatsächlich wolle sich das Stadtmarketing aber Gedanken machen, dem Niederrheinischen Radwandertag 2017 "einen Tour-de-France-Einschlag zu geben". Allerdings keinen zu großen, um nicht vom Tourveranstalter zur Kasse gebeten zu werden. "Wegen der Mitfinanzierung und der Haftungsfrage werden wir kein Mitveranstalter. Gerne aber geben wir logistische Unterstützung, wenn der Veranstalter uns bittet, weil es sich um eine wichtige Sportveranstaltung handelt", erklärt Peter Jansen.

Dass der Kreis Heinsberg bei der Streckenplanung doch komplett außen vor bleiben sollte, hält Ulrich Schirowski für äußerst unwahrscheinlich. Dann käme eher in Betracht, dass das Fahrerfeld über die B 57 durch Rath-Anhoven, an Erkelenz vorbei und durch Baal in Richtung Jülich geführt werde - was aus Sicht des Kreises Heinsberg wiederum optimal wäre, meint Schirowski. Ursprünglich hätten die Tour-Planer sogar die Option ins Spiel gebracht, den Tour-Tross über die Krefelder Straße und die Aachener Straße mitten durch Erkelenz zu führen. Doch dafür hätte die Region den 50.000-Euro-Vertrag abschließen und weitere Leistungen erbringen müssen. "Aber selbst dann hätte es keine Garantie dafür gegeben, dass die Tour tatsächlich durch Erkelenz rollt", erklärt Ulrich Schirowski.

Quelle: RP
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