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Erkelenz
Hofkirche wird saniert

Erkelenz: Hofkirche wird saniert
An der Lövenicher Hofkirche fielen gestern die wöchentliche Baubesprechung zu deren Dachsanierung und eine Fördergeldübergabe durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Westdeutsche Lotterie zusammen. FOTO: Jörg Knappe
Erkelenz. 270.000 Euro kostet die Dach- und Mauersanierung der evangelischen Hofkirche in Lövenich. Die Gemeinde nahm gestern mit Freude eine Spende der Deutschen Stiftung Denkmalschutz entgegen. Von Andreas Speen

Vor drei Jahren stellte die evangelische Gemeinde in Lövenich fest, dass das Dach ihrer 1683 erbauten Hofkirche dringend sanierungsbedürftig ist. Im Zweiten Weltkrieg war es zerstört, danach jedoch nicht mit dem besten Material wiederaufgebaut worden. Es musste gehandelt werden, allerdings musste auch eine Finanzierung gefunden werden, welche die tägliche Arbeit der Gemeinde nicht beeinträchtigt. Das wurde in diesem Jahr nun erreicht, so dass gleich zu Beginn der Sommerferien mit der Sanierung gestartet werden konnte. Schon im September soll das Gerüst an der Hofkirche wieder verschwinden.

Kräftig hatte die evangelische Gemeinde schlucken müssen, als sie die ersten Kostenkalkulationen las. Daran erinnerte sich gestern Gerd Peerlings zurück, der damals Kirchmeister war. Heute hat er dieses Amt zwar abgegeben, weiterhin jedoch ist er Projektleiter für die Kirchensanierung. Er berichtete über die Jahre der Planung: "Von unserer Landeskirche sind wir bei der Suche nach einem Architekten unterstützt worden, den wir in Dr. Arno Lennartz aus Erkelenz fanden. Und von den Denkmalschutzbehörden wurden wir auf Fördermöglichkeiten und die dazu notwendigen Anträge hingewiesen. Heute können wir sagen, dass wir mit diesen Hilfen ein großes Stück weitergekommen sind - wir kommen auf Fördermittel und Spenden in Höhe von rund 100.000 Euro, und das Dach und zusätzlich die Friedhofsmauer werden jetzt saniert." Insgesamt rechnet die Kirchengemeinde mit Kosten von bis zu 270.000 Euro. Für die noch offene Summe nahm sie beim Kirchenkreis ein Darlehen auf und hofft auf weitere Spenden. Mit Blick auf diese Zahlen erklärte Peerlings, wie glücklich die Gemeinde über die finanzielle Zuwendung seitens der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der KiBa-Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler sei. Gegenüber Roland Tauber von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und Jens Martin von der Westdeutschen Lotterie, die diese Stiftung unterstützt, erklärte er gestern die Bedeutung ihrer Förderung: "Sie investieren in ein Denkmal, das mit Leben gefüllt ist und das jeden Tag genutzt wird."

1680 hatte die evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Lövenich am Ortsrand ein Gelände für den Kirchenbau erworben, der 1683 errichtet und 1684 geweiht wurde. Wohl, um kein Aufsehen zu erregen, wurden in der Region zu dieser Zeit evangelisch-reformierte Kirchen oft in Hinterlagen, in schlichter Bauweise und ohne Turm erbaut. Erst 1804 erhielt die Lövenicher Kirche einen Dachreiter mit Glocke. Während der kleine Turm bereits vor einigen Jahr saniert wurde, ist das nun beim ungleich größeren Dach nötig. Architekt Lennartz: "Das mit Schiefer eingedeckte Dach löste sich auf, wodurch der Dachstuhl von Feuchtigkeit beeinträchtigt war. Zudem wies der noch Kriegsschäden auf. Auch war das nach dem Krieg eingesetzte Material zur Dachsanierung nicht das beste: Teils war der Dachstuhl mit besseren Bohnenstangen ausgebessert worden." Und Dachdecker Heinz Venrath ergänzte: "Ein Schieferdach hält 100 bis 120 Jahre. Der nach dem Krieg verwendete Schiefer faulte hingegen in sich."

Derzeit werden schon die neuen Schiefertafeln angebracht. Zusammen bringen sie elf bis zwölf Tonnen auf die Waage, die der bereits in der ersten Ferienhälfte vom Zimmerer Paul Jansen von innen erneuerte Dachstuhl demnächst wieder wird tragen können.

Nach oben schauen sollen die 2300 Glieder der evangelischen Gemeinde Lövenich, die sich über zehn Ortschaften erstreckt und deren Kern die Hofkirche ist, demnächst nicht nur zum erneuerten Dach. Der als Predigerkirche eingerichtete Raum rückt die Kanzel in den Mittelpunkt, doch "die bewegte sich in den vergangenen Jahren zunehmenden in den Raum hinein", schilderte Gerd Peerlings. Das habe manch einen Pfarrer in der Vergangenheit davon abgehalten, sie noch zu betreten: "Jetzt konnten wir rekonstruieren, dass bei einer Bodensanierung wohl einmal eine Stütze der Kanzel weggelassen wurde. Diese wollen wir ersetzen."

Quelle: RP
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