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Erkelenz
Im Ringofen der Ziegelei Gillrath

Erkelenz: Im Ringofen der Ziegelei Gillrath
Unten links: Etwas über zwei Meter ist der Ofen hoch, 3.30 Meter breit und 45 Meter lang. FOTO: Laaser, Jürgen (jl)
Erkelenz. Die Ziegelei Gillrath verkauft europaweit und ist in der Region bekannt. Ein Besuch in deren Ringofen bringt einem das Wort Heimaterde näher. Von Johanna Küppers

Das Reichsmuseum in Amsterdam und die Zeche Zollverein in Essen haben eines gemeinsam: Ihre Klinker stammen aus Erkelenz. Am Wockerather Weg produziert die Ziegelei Gillrath für einige bekannte Bauwerke. Doch auch in der Heimat ist das Familienunternehmen allgegenwärtig. Viele Häuser wurden mit den charakteristischen Klinkern aus Erkelenz errichtet. Auf einer Tour durch die Hallen des Ziegel- und Klinkerwerks konnten am Samstag zehn Leser unserer Zeitung die Geschichte und das Unternehmen kennenlernen.

Der Ringofen ist das Herzstück des Geländes. Von außen ist nur ein großer Schornstein zu sehen, doch bestimmt er den gesamten Arbeitsrhythmus der Ziegelei. Familie Gillrath nutzt als letzte in Nordrhein-Westfalen das klassische Brennverfahren mithilfe eines Ringofens, der fünf Millionen Steine im Standardformat pro Jahr brennt. Bis zum fertigen Stein ist jedoch ein langer Weg zurückzulegen - den erklärten die Brüder Marcus und Bastian Gillrath.

Ihre Rohstoffe gewinnt die Ziegelei aus der eigenen Lehmgrube, direkt auf dem Gelände zwischen Autobahn 46 und Landstraße 354 gelegen. Auf dem sieben Hektar großen Areal finden sich natürliche Lehmansammlungen. Und dort, wo der Lehm abgebaut ist, wurde das Gelände bereits renaturiert. Zusätzlich bezieht das Unternehmen Material aus anderen Regionen, wie aus dem Westerwald. Es werden gut 100 Tonnen pro Tag angeliefert. Je nach "Rezept" des Klinkers wird zum Lehm noch Sand oder Kohle hinzugefügt.

Von der Grube kommt der Lehm in die Produktionshallen. In einem ersten Aufbereitungsschritt wird das Material dort zerkleinert. "Der sogenannten Kollergang ist mit einer großen Kaffeemühle vergleichbar", erklärt der ältere Bruder, Bastian Gillrath, und lacht. Durch die Zugabe von Wasser wird die passende Feuchtigkeit erreicht.

Damit sich die Mischung verfestigt und Form annimmt, kommt sie danach in eine Presse. Das Familienunternehmen in Erkelenz nutzt davon zwei unterschiedliche. Zum einen eine Strangpresse, welche einen endlosen Tonstrang formt, der im nächsten Schritt mit einem Abschneider zu einzelnen Steinen zerteilt wird. Zum anderen neuerdings eine Wasserstichpresse, die etwas langsamer arbeitet, dafür jedoch Formlinge mit einem traditionelleren Charakter schafft. "Wir haben verschiedene Einsätze, mit denen wir auch Lochsteine produzieren können. Diese werden in die Strangpresse eingesetzt, und der Ton läuft daran vorbei, so dass ein Lochmuster entsteht", erklärt Marcus Gillrath. Um manuell nachzuarbeiten, steht zudem ein Sandstrahler bereit. Damit können auch Sonderwünsche berücksichtigt werden - so lief mal ein Ziegel mit einer Krokodilgravur über das Fließband, das die Formlinge zum nächsten Produktionsschritt bringt, dem Trocknen.

14 Trockenkammer gibt es in der Ziegelei, 60.000 Steine können dort gleichzeitig trocknen. Drei Tage haben sie dafür Zeit. Über ein großes Rohr wird dafür warme Abluft aus dem Ringofen umgeleitet.

Schließlich eröffnet sich bei dem Rundgang, hinter einem weiteren Tor, eine große Halle. Lautes Zischen übertönt die Geräusche der Fußtritte. Es wird wärmer. Die Besuchergruppe ist am Ringofen angelangt und darf an einer Stelle in die Brennkammer hinein. Denn angelegt ist der Ringofen als Oval von 45 Metern Länge, und immer nur in einem Abschnitt wird gebrannt, während im jeweils gegenüberliegenden gearbeitet werden kann - oder Besucher hineinschauen können. Im Inneren ist es heiß. Stalaktiten hängen von der Decke des etwa zwei Meter hohen Tunnels. Auf der einen Seite der Röhre stapeln sich fertiggebrannte dunkel-rotbraune Klinker, die auskühlen und darauf warten, verladen zu werden, während auf der anderen Seite der Röhre bereits Rohlinge aufgestapelt wurden, also angetrocknete Ziegelsteine, die das Brennen noch vor sich haben. Wenn sich das Feuer nähert, werden sie dann erst geringer Hitze ausgesetzt, die immer weiter steigt, bis das Feuer selbst in der Brennkammer ist. Dabei können bis zu 1200 Grad entstehen. Faszination aber auch Respekt vor dem großen Ofen sind bei den Besuchern geradezu greifbar. Der Ofen ist die Uhr - nach ihr richtet sich der gesamte Herstellungsprozess. Der Betrieb steht nie still, auch am Wochenende kommt der Brennmeister regelmäßig und kontrolliert die Gaszufuhr zum Ringofen. Als Ergebnis kommen charakteristische Ziegel heraus. In vielen Farben. Jeder ein Unikat.

Sympathisch ist den Gästen der Optimismus der Brüder. Sie sind motiviert, denn die Nachfrage nach Klinkern und Ziegeln sei in den vergangenen Jahren hoch. Marcus Gillrath studierte Betriebswirtschaft und ist für den Vertrieb zuständig, Bruder Bastian ist Keramikingenieur. "Es macht stolz, überall sein Produkt zu sehen. Wir erkennen unsere Steine sofort, neben uns kann nämlich nur eine weitere Ziegelei Kohlebrände machen", sagt der jüngere Bruder.

Wie gut das Unternehmen läuft, lässt sich daran erkennen, dass dort seit August eine erste Auszubildende lernt. Heinz Gillrath, der jetzige Geschäftsführer, muss sich keine Sorgen machen - die Region und Europa wird auch in Zukunft weiter mit Ziegeln aus Erkelenz versorgt.

Quelle: RP
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