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Erkelenz
Im Scanner hagelt es noch immer Dellen

Erkelenz: Im Scanner hagelt es noch immer Dellen
Die "Soko Hagel" von der Versicherung: In der Scannerkabine der AXA (v. l.) Christian Moschyk, der Mann am Scanner, und Siegmar Meyer, der Kumul-Manager der AXA (Experte, wenn ein einziges Schadenereignis mehrere beim gleichen Versicherer versicherte Risiken betrifft). FOTO: JÖRG KNAPPE
Erkelenz. Auch vier Wochen nach dem vor allem im Raum Erkelenz verheerenden Hagel-Unwetter arbeitet die AXA-Versicherung noch eingedellte Autos ab. Im Gewerbegebiet steht ein Scanner, der Schäden genauer erfasst als bloßer Augenschein. Von Willi Spichartz

Auf Regen folgt Sonnenschein - ein Mut machendes Sprichwort. Wenn auf Hagelschlag Sonnenschein folgt, ist das mindestens genauso gut. Vor allem, wenn per Hagelschlag Gebäude und Autos eine Unmenge von Löchern oder zumindest Dellen davongetragen haben - und deren Reparatur von der Versicherung bezahlt wird. Und die AXA-Versicherung hat derzeit in Erkelenz einen "Hagelscanner" im Einsatz, der auf Pkw die feinsten Dellen aufspürt. Von diesen Geräten gibt es in der ganzen Republik nur vier Stück, die AXA hat einen davon. Und der arbeitet derzeit immer noch die Schäden ab, die vor einem Monat entstanden sind.

Rita Schrade und Hendrik Steinke von der Erkelenzer AXA-Agentur Bernd Roebers überzeugen sich auch öfter von der Funktionstüchtigkeit des Scanners, der im Gebäude der Firma CSI, "Catastrophe Solutions International", steht, die als Experten für DOL, "Dellenentfernung ohne Lackieren", in der Brüsseler Allee 21 im Erkelenzer Gewerbepark Gipco angesiedelt ist. Und die Kunden sind mit der Arbeit des Scanners auch deshalb zufrieden, weil der viel mehr Schäden entdeckt als die herkömmliche Methode der Untersuchung per Menschenauge. Hendrik Steinke: "Ich habe einen Kunden gefragt, welche Dellenzahl er für sein Auto schätze. Er meinte 40, der Scanner hat aber 150 entdeckt, die werden natürlich alle beseitigt." Vor den Scan-Vorgang hat allerdings die Regie eine ordentliche Autowäsche gelegt.

AXA-Sachverständiger Siegmar Meyer, für die Region zuständig, schätzt vor allem die Geschwindigkeit, mit der die Einrichtung arbeitet. Der Scanner ist in einem mobilen Kunststoff-Bau mit etwa doppelter Auto-Länge untergebracht, wobei oben und unten rundum an den Wänden eine Vielzahl von Kameras angebracht sind, die in maximal fünf Minuten die Schäden aufgenommen haben. An der Decke angebrachte Beamer werfen Reflektionsstrukturen, zum Beispiel Streifen, an die Wände, die sich wiederum im Autolack spiegeln und damit selbst kleinste Dellen sichtbar machen. Die übergeben die Kameras an den Computer, der die Dellen je nach Größe in unterschiedlichen Farben markiert und an die dahinter wartenden sechs AXA-Sachverständigen weiterreicht. Und die wiederum können sofort den Schaden zur Regulierung bearbeiten.

Hinter denen warten Mario Balmer und dessen Sohn Dieter, um die Dellen nach DOL zu beseitigen. Wenn die Kunden das wünschen. Siegmar Meyer: "Wenn die Kunden die Werkstatt verlassen, ist die Sache für sie geregelt."

Rita Schrader und Hendrik Steinke sind beinahe Hagelexperten mit Lokalanalyse geworden - der jüngste Hagelschlag, am 24. Juni gegen 23 Uhr, richtete in Teilen der Erkelenzer Innenstadt und vor allem in Baal ziemliche Schäden an. Kleinbouslar war fast gar nicht betroffen, Lövenich etwas, Doveren wieder stärker.

Zur Schadensmeldung durch die betroffenen Kunden gehören inzwischen als Muss Fotos der Schäden dazu. Die Erkelenzer Agentur-Mitarbeiter empfingen auch Humorvolles: "Eine Reihe Kunden hat die Hagelkörner vom 24. Juni zur Schadensdokumentation im Eisschrank eingefroren, später fotografiert und uns übergeben."

Die Kunden können bei allen Arbeitsprozessen in Erkelenz dabei sein, das schafft auch Vertrauen. Und daran arbeiten die absoluten DOL-Experten Balmer, in Zürich beheimatet. Mit raffinierten Werkzeugen drücken oder ziehen sie die Dellen aus dem Autoblech. Das geht deshalb ohne Lackierung, weil die Lacke heute flexibler sind als früher, die platzen beim Hageleinschlag nur bei sehr großen Körnern.

300 Autos aus dem Bereich der Zuständigkeit von AXA-Roebers sind noch nicht gescannt und repariert - die Bearbeitung der vielen Fälle von dem einen Tag nimmt natürlich Zeit in Anspruch, darüber hinaus sind Schadensfahrzeuge mit ihren Haltern in Urlaub. Fahrtüchtig sind hagelgeschädigte Autos eigentlich immer. Auch wenn welche als Totalschäden festgehalten werden. Das ist dann der Fall, wenn die Schadensbeseitigung teurer ist als der Restwert des Fahrzeugs - die Kunden können sich die Differenz auszahlen lassen. Die sechs Sachverständigen in Erkelenz sind aus ganz Deutschland zusammengezogen, wohnen im Hotel. Bis Dienstag ist der Scanner im AXA-Auftrag noch in Erkelenz, danach geht er in andere Schadens-Gebiete, vielleicht nach München. Erkelenz hatte Vorrang vor der bayrischen Hauptstadt.

Und die AXA-Menschen hadern etwas damit, dass sie keinen Einfluss aufs Wetter haben. Man hat nämlich festgestellt, dass Hagelschlag immer tagsüber kommt. Nachts wäre für die Versicherungen besser, denn dann stehen viele Fahrzeuge in der Garage.

Mario und Dieter Balmer ist das einigermaßen egal, es ist ihr Job, aufs Wetter zu reagieren, mit Fachkenntnissen. Dieter Balmer: "In der Schweiz gibt's wenig Hagel, darum sind wir im Sommer immer in Deutschland unterwegs. Im Winter gehen wir nach Australien, da ist dann Sommer und Hagelwetter!"

Quelle: RP
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