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Karam Al Bakoor
In der neuen Heimat angekommen

Karam Al Bakoor: In der neuen Heimat angekommen
Karam Al Bakoor und Claudia Walter vom DRK: Beide stehen für positives Beispiel, wie schnell und wie gut Integration gelingen kann. Der Syrer arbeitet als Dolmetscher und Flüchtlingshelfer für das DRK. In seiner Heimat hat er Maschinenbau studiert. FOTO: JÜRGEN LAASER
Erkelenz. Über die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich kam der Syrer Karam Al Bakoor nach Deutschland. Für das Kreis Heinsberger Deutsche Rote Kreuz arbeitet er mittlerweile als Dolmetscher für Arabisch und Persisch. Er ist ein Beispiel gelungener Integration.

ERKELENZ Der Syrer Karam Al Bakoor ist als Dolmetscher und Flüchtlingshelfer beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) Kreisverband Heinsberg beschäftigt. Sowohl in den Unterkünften in Gerderath und Geilenkirchen, als auch in den Kristallisationspunkten in Erkelenz - hier als "rechte Hand" von Leiterin Claudia Walter - und Heinsberg bringt er sich ein. Es ist ein positives Beispiel für eine gelungene Integration, die das Kreis Heinsberger Deutsche Rote Kreuz bereits bei einigen anderen in die Wege geleitet hat und zukünftig bei vielen weiteren Menschen durch Beratung und Vermittlung erreichen möchte.

Wie sieht ihr vorheriger Lebensweg aus?

Al Bakoor Im Jahr 2003 habe ich in Syrien mein Abitur im Bereich "Motoren und Mechanik" gemacht und im Anschluss angefangen, an der Universität in Aleppo Maschinenbau zu studieren. Nach anderthalb Jahren erhielt ich vom Iran ein Stipendium vom Ministerium - in diesem Fall teilen sich beide Länder die Kosten. Das Studium habe ich an der Isfahan University of Technology im Iran mit Fachrichtung Textilmaschinenbau fortgesetzt und 2012 mit dem Bachelor-Titel abgeschlossen. Vor dem Studium im Iran habe ich ein Jahr lang Persisch gelernt.

Wie ging es weiter?

Al Bakoor Nach dem Studium fuhr ich zurück nach Syrien, wo bereits seit einem Jahr Krieg herrschte. Dort hatte ich nur wie jeder junge Mann die Möglichkeit, ins Militär einzutreten und für das Assad-Regime oder dagegen zu kämpfen. Da ich im Iran ohne Erlaubnis der syrischen Botschaft nicht arbeiten durfte, reiste ich nach Ägypten, habe dort für zweieinhalb Jahre gearbeitet und ein Master-Studium begonnen. Aufgrund hoher Gebühren, die ich nicht zahlen konnte und großer Schwierigkeiten, als Syrer eine reguläre Arbeitsstelle zu finden, bin ich in die Türkei gefahren, um Arbeit zu suchen. Nach zwei schwierigen Monaten habe ich mich mit anderen Flüchtlingen auf den Weg nach Europa mit dem Ziel Deutschland gemacht.

Auf welchem Weg sind Sie gereist?

Al Bakoor 34 Tage war ich unterwegs: mit dem Boot nach Griechenland, dann mit dem Zug nach Mazedonien und zu Fuß nach Serbien sowie im Anschluss zu Fuß oder mit Fahrzeugen nach Ungarn, Österreich und Deutschland. In Chemnitz habe ich Aufenthaltstitel und Pass bekommen und bin von dort nach Heinsberg gefahren, um meinen Schwager und seine Söhne in Karken zu besuchen. Dort hat es mir so gut gefallen, dass ich geblieben bin. Inzwischen wohne ich dort in einem Haus, zusammen mit vier Freunden.

Welche beruflichen Tätigkeiten haben Sie seither ausgeführt?

Al Bakoor Anfang des Jahres habe ich drei Monate lang ehrenamtlich für das DRK in der von ihm betriebenen Heinsberger Flüchtlingsunterkunft als Dolmetscher gearbeitet. Danach bekam ich vom Roten Kreuz einen Arbeitsvertrag und arbeite seit dem 1. Mai als Dolmetscher und Flüchtlingshelfer: In den Unterkünften in Gerderath - dort leben zugewiesene Asylbewerber - und Geilenkirchen übersetze ich Persisch und Arabisch. Zudem begleite ich, auch im Rahmen der Kristallisationspunkte, Leute zu Ärzten, Krankenhäusern, Schulen und Behörden oder übersetze beim Erste-Hilfe-Kursus. Selber habe ich Deutsch im Unterricht von Ehrenamtlichen und durch den regelmäßigen Kontakt zu Deutschen gelernt.

Was bedeutet es für Sie, eine Arbeitsstelle zu haben?

Al Bakoor Ich freue mich sehr. Nun kann ich anderen Flüchtlingen und den DRK-Mitarbeitern helfen und es bringt mich persönlich weiter. Bei allem hat mich Claudia Walter sehr unterstützt. In der Zukunft würde ich gerne mein Master-Studium abschließen, brauche dafür aber noch bessere Deutsch-Kenntnisse. Falls ich später in meinem Fach arbeite, werde ich die Arbeit für das Deutsche Rote Kreuz ehrenamtlich fortführen.

Wie erleben Sie die Situation anderer Asylbewerber?

Al Bakoor Sehr viele haben Stress, da sie gerne schnell eine Aufenthaltserlaubnis hätten. Sie haben Angst, dass sie zurückgeschickt werden. Manche haben Familie in ihrem Heimatland und können sie nur mit Aufenthaltsgenehmigung, und dann sicher mit dem Flugzeug, nachholen. Auf anderem Weg ist es zu gefährlich. Wer arbeitet, kann seine Familie zu Hause mit Geld unterstützen.

NICOLE PETERS FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: RP
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