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Erkelenz
"In die Zange genommen"

Erkelenz. Der Braunkohlentagebau rückt unaufhaltsam auf Pesch vor. Das alte Rittergut ist dafür jetzt vollständig abgerissen. Archäologen werden die Fläche untersuchen. Derweil haben die Pescher ihre eigene Meinung dazu. Von Anke Backhaus

pesch Vor fast 60 Jahren zog es Johannes Dünschede nach Pesch – der Liebe wegen. Heute fühlt er sich als Ur-Pescher. Doch wenn der 83-Jährige die Entwicklungen in seiner Heimat beobachtet, bringt er seine Empfindungen auf einen einfachen Nenner: "In unserem kleinen Dorf Pesch werden wir gleich von zwei Seiten richtig in die Zange genommen."

Kritisch sieht er die Tatsache, dass das alte Rittergut mittlerweile dem Erdboden gleichgemacht wurde. Nur noch ordentlich viele Schutthaufen auf der linken Seite aus Richtung Immerath kommend erinnern daran, dass dort noch bis vor wenigen Wochen ein herrschaftliches Anwesen stand. "Nicht nur hier, sondern auch aus Richtung Otzenrath kreist uns der Braunkohlentagebau unaufhaltsam ein", betont Johannes Dünschede.

Nur noch wenige Familien

Mit ihm wohnen nur noch wenige Familien in Pesch. "Das ist nun mal so. Aber ich war immer gegen den Abriss. Außerdem habe ich immer gesagt, dass sie Pesch so lange stehen lassen sollen, bis die letzte Familie den Ort verlassen hat", sagt er. Auch Johannes Dünschede muss sich also mit der Umsiedlung beschäftigen, er plant einen Neuanfang in Immerath (neu). Die Pläne, so erzählt er, seien gut vorangeschritten und in Kürze wohl fertig. Dann soll auch schnell mit dem Bau des neuen Eigenheims am neuen Standort begonnen werden, um eine neue Heimat zu schaffen.

Derweil schreiten die Entwicklungen auch bei RWE Power voran. Wie Pressesprecher Manfred Lang gegenüber der Rheinischen Post erklärt, werden demnächst Archäologen das Gebiet, auf dem in Pesch das alte Rittergut stand, genau unter die Lupe nehmen und begutachten. "Die Archäologen gehen davon aus, dass sie etwas aus historischen Zeiten finden, daher werden sie den Boden untersuchen", schildert Lang den nächsten Schritt. Wann jedoch diese Arbeiten beginnen, steht noch nicht fest. Zudem müssen auch erst die Überreste des Rittergutes beseitigt werden, ehe die Experten mit ihrer Arbeit beginnen können.

In diesem Zusammenhang weist Manfred Lang nochmals auf den Sicherheitsaspekt hin: "Von außen kann man die Abrissarbeiten beobachten. Allerdings sollte man diese Flächen aus Sicherheitsgründen nicht betreten."

Bisherige Berichte zum Thema lesen Sie im Internet unter:

www.rp-online.de/erkelenz

Quelle: RP
 
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