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Erkelenz
Innenstadt zum Spielen und Sitzen

Erkelenz: Innenstadt zum Spielen und Sitzen
Klaus Steingießer (Senioren Union, v.l.), Melissa Driescher (Junge Union), Stephan Muckel (CDU-Ortsverband), Stefanie Zimmermann und Professor Bernhard Meyer von der Evangelischen Hochschule in Darmstadt. FOTO: spe
Erkelenz. Darmstädter Professor gewinnt Erkelenzer CDU für sein Konzept der "bespielbaren und besitzbaren Innenstadt". Von Andreas Speen

Ein Erkelenz, das junge Menschen mehr zum Spielen einlädt und ältere Menschen zum Verweilen, können sich CDU, Junge Union und Senioren Union vorstellen. Nach einem Vortrag von Professor Bernhard Meyer von der Evangelischen Hochschule in Darmstadt über sein Konzept der "bespielbaren und besitzbaren Stadt" stellte Klaus Steingießer als Vorsitzender der Senioren Union Erkelenz fest: "Man braucht nicht viel, erreicht aber viel." Und er kündigte an: "Wir wollen unseren Bürgermeister für diese Idee gewinnen."

In den 1980er Jahren hatte der Darmstädter Professor begonnen, sich Gedanken darüber zu machen, wie eine Stadt kinderfreundlich gestaltet werden kann. Später machte er sich dieselben Gedanken für Senioren. In seiner hessischen Heimat Griesheim, einer 28.000-Einwohner-Stadt, konnte er diese Gedanken schließlich umsetzen. Politiker und Stadtverwaltung ließen sich für sein Konzept gewinnen, das seit 2009 das Ortsbild mit prägt, für das die Stadt inzwischen im Untertitel "bespielbare und besitzbare Stadt" trägt und für das sie mehrfach ausgezeichnet worden ist. Aktuell beschäftigt sich Brühl in Nordrhein-Westfalen mit der Umsetzung dieses Konzeptes. Und in Erkelenz fanden die Christdemokraten zunächst so viel Interesse daran, dass sie Bernhard Meyer und Stefanie Zimmermann als Co-Referentin in den Ortsverband einluden - um anschließend festzustellen, dass sie deren Gedanken für Erkelenz weiterverfolgen wollen.

Möglichkeiten, am Wegesrand zu spielen, über Mäuerchen zu balancieren oder über Gräben zu hüpfen, sind in den vergangenen Jahrzehnten immer weniger geworden. "Die Spannung ist für Kinder zumeist aus dem Straßenbild heraus inszeniert worden", stellte Meyer fest und begann zu überlegen, wie solche Spielgelegenheiten wieder ins Stadtbild integriert werden können. Mitbedacht wurde dabei zugleich, was beispielsweise einen Schulweg wieder so attraktiv macht, dass das Elterntaxi stehengelassen wird. Zusätzlich überlegte er, was ältere Menschen brauchen, um Wege in der Stadt noch selbst zurücklegen und somit am Stadtleben teilhaben zu können. Heraus kam die "bespielbare und besitzbare Stadt".

Zunächst lud Meyer in Griesheim alle Grundschüler ein, ihre Schulwege mit Kreide auf die Wege zu zeichnen. So ergab sich ein sichtbares Netz jener Strecken, die von ihnen benutzt werden. Dieses diente anschließend der weiteren Planung. "Wir sind danach die Wege nachgegangen, um zu schauen, wo Flächen sind, die für Objekte genutzt werden können. Wir stellten fest, dass man viel entdeckt, wenn man mit dieser Brille losgeht", erklärte Meyer. 106 mögliche Orte seien gefunden worden, von denen 100 später tatsächlich nutzbar waren: "Überall dort gibt es jetzt Objekte - das sind keine Geräte wie auf einem Spielplatz, sondern Wegbegleiter."

Hierbei handelt es sich nicht um definierte Geräte wie eine Schaukel oder Rutsche. "Ein Findling kann zum Klettern einladen, zum Sitzen dienen oder als Treffpunkt für Jugendliche", erklärte Meyer. An anderer Stelle seien einzelne farbige Pflastersteine in einen Gehweg eingelassen worden, berichtete Zimmermann: "Kinder nutzen die auf ihrem Weg beispielsweise als Inseln inmitten von Meer." Als Nebeneffekt ließen sich über solche Objekte im Sinne von mehr Sicherheit sogar Schulwege leiten. Im zweiten Schritt ging der Darmstädter Professor weiter und fragte Senioren, wo ihre Wege durch die Stadt liegen. Heraus kam ein zweites Netz, das mit dem der Kinder abgeglichen wurde, um herauszufinden, wo Objekte aufzustellen sind, die gemeinsam benutzt werden können: "Ein liegender Baumstamm kann Kinder zum Balancieren bewegen, und Ältere können sich hinsetzen und verschnaufen." Aufgestellt wurden, durch die Stadt verteilt, weitere Sitz- und Anlehngelegenheiten als Ruhepunkte, "die sogar günstiger als eine Bank sind und weniger Platz brauchen". Wichtig sei, dass alles so konzipiert ist, dass kein Fallschutz nötig wird.

Das Fazit von Meyer und Zimmermann: All das führt dazu, dass sich wieder mehr Menschen auf den Weg machen. Und teuer sei das Projekt in Griesheim auch nicht gewesen: 105.000 Euro für die bespielbare Stadt und 70.000 Euro für die besitzbare Stadt. Bis auf 15.000 Euro sei alles von Sponsoren bezahlt worden. "Es bedarf ansonsten lediglich einer Person im Rathaus, die den Prozess steuert, und eines Bürgermeisters, der das will", sagte Meyer. Weitere Gremien seien unnötig.

Quelle: RP
 
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