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Erkelenz
Inszenierung von "schwerem Stoff"

Erkelenz: Inszenierung von "schwerem Stoff"
In die Zeit des Zweiten Weltkriegs verlegt die Inszenierung der Kempf Theatergastspiele die Geschichte um die "Marquise von O...." nach der Novelle von Heinrich von Kleist. FOTO: Renate Resch-Rüffer
Erkelenz. Als letztes Stück dieser Theatersaison wurde "Die Marquise von O...." nach Heinrich von Kleists Novelle in der Stadthalle Erkelenz aufgeführt. Von Renate Resch-Rüffer

"Es ist eine der rätselhaftesten und ungeheuerlichsten Geschichten über die Liebe und die Scham," beschreibt die Regisseurin das Stück.

Drei Musiker betreten die Bühne der Stadthalle in Erkelenz. Der Mann, wie sich herausstellt, der Vater, spielt Cello. Eine Dame - die Mutter - hat ihre Flöte dabei, die zweite Dame - die Tochter - singt. Ein klassischer Reigen der Hausmusik, unkompliziert und unschuldig, so macht es den Anschein. Die rasch vorgetragene Inhaltsangabe des Stückes bildet den Einstieg, worauf alle Ereignisse wie in einem Rückblick gezeigt werden.

"In bella Italia lebt die Marquise von O, eine Dame von vortrefflichem Ruf und Mutter von zwei wohlerzogenen Kindern. Sie ließ durch die Zeitungen bekanntmachen, dass sie ohne ihr Wissen in andere Umstände gekommen sei, dass der Vater zu dem Kinde, das sie gebären werde, sich melden solle, und dass sie, aus Familienrücksichten, entschlossen wäre, ihn zu heiraten."

Der Krieg bricht über das Familienidyll herein. "Die Russen - wir müssen uns ergeben", "die Kinder, wo sind die Kinder?". Alles ist in Aufruhr. Schnell werden die Habseligkeiten in Sicherheit gebracht, der Schmuck in die Handtasche gestopft. Die Geräuschkulisse nimmt zu, Soldaten erscheinen. Die Erlebenswelt wechselt von harmlos zu aggressiv und gewalttätig.

Die Zitadelle, in der sich die Familie aufhält, wird während des Krieges von russischen Truppen überfallen und bombardiert. Im Gemenge wird die Marquise von ihrer Familie getrennt und gerät in die Hände von russischen Soldaten, die sie misshandeln und vergewaltigen wollen. Von ihren Hilfeschreien alarmiert, eilt der russische Offizier Graf F... herbei und bringt die Soldaten mit Waffengewalt dazu, von der Marquise abzulassen. Der Marquise erscheint er wie ein Engel, und sie lässt sich von ihm in Sicherheit bringen, wo sie bewusstlos wird.

Das Stück führt die Zuschauer in die Gedankenwelt des 18. Jahrhunderts zurück, lässt sie sich mit den Moralvorstellungen dieser Zeit auseinandersetzen. Brutalität und Rücksichtslosigkeit werden spürbar, mit der Mütter von unehelichen Kindern in der Gesellschaft dieser Zeit behandelt werden. "Du bist nichtswürdig. Verflucht sei die Stunde, da ich Dich gebar!", beschwört die Mutter der Schwangeren. Die Familie ist nicht der Rückzugsort, wo man geliebt und angenommen wird. Die Respektierung der Sitte ist wichtiger als die Bedürfnisse des Individuums.

Nach einigen Verwicklungen finden der Graf F... und die Marquise von O... doch noch zusammen und nehmen ihren Platz in der Familie ein.

"Zum Glück und zur Selbstverwirklichung eines Menschen gehört, so scheint uns Kleist sagen zu wollen, nicht nur die Befreiung vom Urteil anderer, sondern auch die Bereitschaft, sich selbst so zu akzeptieren, wie man ist," schreibt die Regisseurin Silvia Armbruster.

Quelle: RP
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