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Erkelenz
Jagdinstrumente als Konzertstars

Erkelenz: Jagdinstrumente als Konzertstars
Das Ensembles "german hornsound" bilden Stephan Schottstädt (v.l.), Timo Steininger, Christoph Eß und Sebastian Schorr. FOTO: Ruth Klapproth
Erkelenz. Das Ensemble "german hornsound" rückte beim jüngsten Meisterkonzert in der Stadthalle ein "Randinstrument" der Sinfonik in den Mittelpunkt: das Horn. Begeisterter Beifall des Publikums für ein nicht alltägliches Programm. Von Angela Wilms-Adrians

Die meisten kennen das Horn wohl eher als einen hinten links im Orchester zu findenden Klangkörper oder als Jagdinstrument. Das vermutete zumindest Christoph Eß vom Ensemble "german hornsound" - und wahrscheinlich hatte der Hornist damit auch Recht. Mit den vier jungen Musikern Christoph Eß, Sebastian Schorr, Stephan Schottstädt und Timo Steininger hatte die Anton-Heinen-Volkshochschule eine ungewöhnliche Formation für das sechste Meisterkonzert gewonnen. Deren Programm "Jagd und Romantik" dürfte den Zuhörern mit den Darbietungen von Originalkompositionen und eigenen Arrangements ein innigeres Verhältnis zum Instrument hinten links im Orchester geschenkt haben.

Ganz nebenbei: Die einstigen Studenten einer Hornklasse von Professor Christian Lampert an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart nehmen inzwischen längst in professionellen Orchestern den allseits bekannten Platz ein.

Als Primus vertrat Christoph Eß im Quartett die hohe Stimmlage unter den Hornisten. In der Moderation half er, die Besonderheiten des Instrumentes zu verstehen, dem er und seine Mitspieler im brillanten Spiel so wunderbar warm und leicht anmutende, dabei zugleich hochvirtuose Töne und Klangfarben zu entlocken verstanden.

Das Quartett eröffnete das Konzert mit einer Originalkomposition des deutsch-russischen Komponisten Constantin Homilius. Es war ein forscher Einstieg mit viel Jagdmotivik. In ausgefeilter Durchführung entfalteten die Hornisten die zunehmend polyphon werdenden Themen. Auf das zurückhaltende Andante mit feinen Kantilenen folgten die kurz auffordernden Werte des Presto, das in den Signalen an eine Jagdszenerie denken ließ.

Die für ihre künstlerische Arbeit mehrfach ausgezeichnete Komponistin Eva Schorr schrieb eigens für das Quartett das Werk "La Caccia" für vier Hörner. Das Ensemble gestaltete den ersten Satz "Windspiel" als subtile Klangmalerei und kristallisierte einfühlsam das reiche Vibrato heraus. Zum Halali des Schlusssatzes entfalteten die Musiker gekonnt die jazzig angehauchten Elemente.

In der Romantik habe das Horn seine Blütezeit erlebt, erklärte Eß zur Programmauswahl. Beispielhaft dafür stellten er und seine Kollegen etwa Mendelssohn Bartholdys Schauspielmusik zum "Sommernachtstraum" vor. Wunderbar leicht, mit tänzerischer Anmutung und einem fröhlichen Accelerando servierten sie die den Handwerkern gewidmete Musik. Das Nocturne betteten sie behutsam in ein fein differenziertes Spiel ein, während sie den Elfen einen quirlig munteren und dabei doch zarten Auftritt ermöglichten.

In Briefen sollen sich Wagner und Verdi sehr kritisch über einander geäußert haben. Die Musiker inszenierten zu den "Highlights aus Siegfried und Violetta" mit Auszügen aus beider Opern ein fiktives Treffen. So entfalteten sie in der ungewöhnlichen Folge hinreißende Kontraste, wie sie etwa der feierlich getragene "Pilgerchor" und "La Traviata" anbieten. Zu Auszügen aus "Der Freischütz" sollte das Konzert enden, doch für den begeisterten Beifall gab es natürlich eine Zugabe.

Quelle: RP
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