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Erkelenz
Jungbauer führt Hof mit 2620 Schweinen

Erkelenz: Jungbauer führt Hof mit 2620 Schweinen
Bei der Betriebsübergabe auf dem "Lentholter Hof" (v.l.) Carsten Göbels, Wolfgang Göbels und Helmut Hohl vom Heinsberger Agrar-Handel (HAH) "Moland". FOTO: Knappe
Erkelenz. Carsten Göbels (22) ist neuer Geschäftsführer vom "Lentholter Hof". Der Schweinemastbetrieb setzt auf Qualität aus der Region. Von Jessica Balleer

Zwischen Oerath und Gerderath liegt der "Lentholter Hof" von Familie Göbels. Leicht zu übersehen sind die beiden großen Stallungen, in denen mehr als 1200 Ferkel und 1300 Mastschweine leben. Doch hier bewegt sich einiges: Nachdem der Heinsberger Agrar-Handel (HAH) "Moland" die Fleischvermarktung abgestoßen hat, um sich dem ertragreicheren Obst- und Ackerbau zuzuwenden, übernehmen nun die Göbels diesen Geschäftszweig. Ein 22-Jähriger hat seit einigen Wochen das Sagen, wo die Mär vom "glücklichen Schwein" wahr zu sein scheint.

Es riecht nach Vieh, doch es stinkt nicht. Der tunnelförmige Gang ist Tageslicht durchflutet. Alle paar Meter führen Türen rechts und links ab, hinter denen gezuzelt, gerangelt und gerannt wird. In den vorderen Buchten sind zartrosane Ferkel, in den hintersten die ausgewachsenen Schwergewichte. Alle schrecken kollektiv zurück, als eine Besucherschar in grünen Overalls anrückt. Jeder Schritt ist lautes Plastikknüllen: Mit Straßenschuhen betritt bei Göbels niemand den Schweinestall. Stolz führt der Seniorchef herum. "Viel Platz, Licht, Luft und teures Futter", sagt Wolfgang Göbels (53). Alles Stellschrauben dafür, dass Gesundheitsprobleme in Lentholt kein Problem seien. Das bestätigt Tierarzt Dr. Diepers, der zur Gruppe dazustößt. Göbels zeigt seinen Kunden, wo das Qualitätsfleisch herkommt, das später in ihren Theken ausliegt. In einem der grünen Overalls steckt Unternehmer Karl-Heinz Esser, der größte Abnehmer von Schweinefleisch im Kreis Heinsberg - und ein potenzieller Neukunde. "Kompliment, das nennt man wohl einen Vorzeigebetrieb", sagt Esser. Doch seinen Bedarf von etwa 100 Schweinen pro Tag kann Familie Göbels nicht decken. Entscheidender ist, dass sie es nicht um jeden Preis will. "Vor zwei Jahren haben mein Sohn und ich den Stall gebaut", sagt Göbels (53). Die Grenze liege bei 1300 Masttieren. "Die Qualität ist uns wichtiger als Masse." Vom Ferkel bis zur Schlachtung. Fleisch aus der Region, für die Region. Diese Philosophie vertritt auch Sohn Carsten, der seit Juni "staatlich geprüfter Agrarbetriebswirt" ist und nun die Geschäfte des "Lentholter Hofs" leitet.

Laut Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) verzehrt jeder Bundesbürger im Schnitt rund 60 Kilogramm Fleisch pro Jahr. Fast 40 davon sind Schweinefleisch. Das Geschäft boomt. Carsten Göbels merkt das daran, dass seine Arbeitswoche sieben Tage hat: "Alle zwei, drei Tage kommen die Tiere zum Schlachter, dann zum Metzger." Der "Lentholter Hof" verkauft pro Woche etwa 50 Schweine. An Bruno Zahren zum Beispiel. Der Wassenberger Fleischermeister ist einer von 15 Kunden und setzt auf regionale Produkte: "Die Leute wissen hochwertiges Fleisch zu schätzen." Der Durchschnittsverbraucher im Kreisgebiet scheint bereit, für "Prozessqualität" zu zahlen.

Das ist eine gute Nachricht für Carsten Göbels, der mit Spaß bei der harten Arbeit sei, weil er ihr guten Gewissens nachgehen könne: "Je mehr Qualität wir hereinstecken, desto mehr Leistung bekommen wir ja heraus." Wie ein Versprechen möchte man die Worte verstehen, mit denen der 22-Jährige in eine der umstrittensten Branchen einsteigt. Nach dreijähriger Ausbildung - kastrieren, einstallen, ausstallen - folgte in den vergangenen Monaten die regionale Schule: Helmut Hohl (HAH "Moland") hatte ihn eingearbeitet, damit Lentholt in die Rolle des alleinigen Hauptlieferanten hereinwachsen konnte.

Wolfgang Göbels weiß, dass der Ausstieg des HAH für den Familienbetrieb Chance und Risiko zugleich ist. Sein Blick geht daher stets auch in die Ferne. Zu den Discountern und nach Rheda-Wiedenbrück. Wo das Fleischimperium von Clemens Tönnies beheimatet ist, denn dort wird der Preis gemacht. "Danach müssen wir uns richten", sagt der 53-Jährige. Darum gab es zur Übergabe an Sohn Carsten vor allem zwei Wünsche: glückliche Schweine und faire Geschäftspartner.

Quelle: RP
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