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Erkelenz
Kammergrab aus Borschemich

Erkelenz: Kammergrab aus Borschemich
In Borschemich (alt) liegt ein umfangreiches Gräberfeld an einer Römervilla. Die Besitzer waren offensichtlich sehr vermögend. Dort arbeiten die Archäologen seit mehr als anderthalb Jahren. Ein außergewöhnlich ausgestattetes Frauengrab, man vermutet eine Priesterin beziehungsweise die Angehörige eines Kultes, wird ein Highlight der archäologischen Landesausstellung sein, die ab 5. September im LVR-Landesmuseum in Bonn zu sehen ist. FOTO: Lothar Kornblum
Erkelenz. Am "Tag der Archäologie" werden Grabungsergebnisse der jüngeren Vergangenheit vorgestellt. Die Braunkohlentagebaue Garzweiler, Hambach und Inden sind für Archäologen wahre Fundgruben. Von Willi Spichartz

Kurz bevor Borschemich dem Erdboden bis in Hunderte von Metern Tiefe gleich gemacht wird, hat es den Archäologen des Rheinischen Amts für Bodendenkmalpflege noch preisgegeben, dass es schon zur Römerzeit besiedelt war. Eine dort entdeckte römische Grabkammer ist in einer Rekonstruktion am kommenden Samstag, 22. August, in der Außenstelle Titz-Höllen von 10 bis 18 Uhr beim "Tag der Archäologie" zu sehen.

Einige wertvolle Fundstücke aus Borschemich sind bereits in Bonn, wo sie ab 5. September in der Landesausstellung im LVR-Museum in der Colmantstraße zu sehen sind. Traditionell stellt das Amt für Bodendenkmalpflege (AfB) seit 22 Jahren am "Tag der Archäologie" die Grabungsergebnisse der jüngeren Vergangenheit vor - und da sind die Braunkohletagebaue Garzweiler, Hambach und Inden naturgemäß wahre Fundgruben. Mit Genugtuung konnten denn nun Professor Dr. Jürgen Kunow als Leiter des AfB des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) und Dr. Udo Geilenbrügge als Leiter der Außenstelle Titz des AfB das Rheinland als dichteste Grabungsstätte des gesamten ehemaligen Römischen Reichs vorstellen, das immerhin bis Afrika und den vorderen Orient/Asien reichte.

Bodenschätze in Silber und Gold werden am kommenden Samstag auch (hinter Glas) zu sehen sein, römische Haarnadeln bis zu 13 Zentimetern Länge in herausragender Gestaltung in den beiden Edelmetallen, wie sie aus dem Römischen Reich nur hier gefunden werden konnten. Beeindruckend auch das Modell (1 : 20) eines germanischen Hauses einer Siedlung im Tagebau Inden, das vor 2000 Jahren im Holzständerwerk mit Wandgräbchen errichtet wurde, bei dem die Holzkonstruktion in Gräben eingelassen wurde.

Geführte Fahrten in einen Braunkohletagebau gehören am Samstag ebenso dazu wie der Besuch des eisenzeitlichen Dorfs auf dem Freigelände in Titz-Höllen, dessen Vorbild von vor 2500 Jahren im heutigen Braunkohlentagebau Garzweiler entstanden ist.

"Silberjubiläum" kann 2015 die "Stiftung zur Förderung der Archäologie im rheinischen Braunkohlerevier" feiern, die 1990 ins Leben gerufen wurde, um den "Wettlauf mit dem Bagger" zu beenden. Stiftungsträger sind das Land Nordrhein-Westfalen und als Bergbaubetreiber RWE Power, für die nun LVR-Direktorin Ulrike Lubek und Dr. Lars Kulik sowie Dr. Thomas Otten vom NRW-Städtebauministerium die Leistungen der Stiftung herausstellten. Das Stiftungsvermögen belaufe sich derzeit auf rund 19 Millionen Euro, gefördert worden seien 241 Projekte mit 15 Millionen Euro. Darunter auch Stipendien in Form von 39 Magister- und sechs Masterstipendien sowie 65 Promotionsarbeiten.

Die Verantwortlichen stellten heraus, dass Bergbaubetreiber und Bodendenkmalschutz im Gegensatz zu früher nun in einem Boot säßen. Die Stiftung habe das Rheinische Revier zu einem der bestuntersuchten Räume in Europa gemacht. Interessen würden austariert zwischen Wirtschaftsinteresse, Kulturpflege und Wissenschaft - und das enorm produktiv.

Quelle: RP
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