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Erkelenz
Kathedralen als musikalische Inspiration

Erkelenz: Kathedralen als musikalische Inspiration
Jakob Paulussen (l.), Silvia und Mick Kempe diskutieren in ihrem Lövenicher, von analoger Technik geprägtem Tonstudio über das musikalische Ergebnis: ihre erste gemeinsame CD "Cathedrals". FOTO: Jürgen Laaser
Erkelenz. "Cathedrals" haben Silvia und Michael Kempe alias e-tiefengrund ihr viertes Album getauft. Das enthält vier Stücke mit 70 Minuten elektronischer Musik. Das Mastering hat erstmals der Kleingladbacher Jakob Paulussen übernommen. Von Mario Emonds

Über den gesamten Globus verteilt sich die - untereinander gut vernetzte - kleine, aber feine Szene mit Tüftlern und Bastlern elektronischer Musik. Schlappe acht Kilometer Luftlinie beträgt die Entfernung zwischen Lövenich und Kleingladbach. Zwischen diesen beiden Befunden gibt's einen Zusammenhang. Denn ihr viertes Album "Cathedrals" hat das Lövenicher Duo e-tiefengrund alias Silvia "Silvie" und Michael "Mick" Kempe erstmals von einem Dritten mastern lassen: dem Kleingladbacher Jakob Paulussen. "Zwei so Bekloppte auf so engem Raum - das ist in unserer Szene wirklich selten", stellt Silvie trocken fest.

Dabei kennen sich die Kempes und Paulussen aus einschlägigen Internetforen schon länger. "Da haben wir uns aber zunächst nur auf Englisch ausgetauscht - wir wussten nicht, dass wir fast Tür an Tür wohnen", führt Mick aus. Das änderte sich 2013. Da zog Paulussen nach vielen Jahren in Köln in seinen Heimatort Kleingladbach zurück und las in der Zeitung von den musikalischen Aktivitäten der Kempes - der Beginn einer Freundschaft.

Die mündete nun erstmals in die gemeinsame CD-Produktion "Cathedrals". Über die Unterstützung ist vor allem Mick froh: "Ich fummele nach getaner Arbeit, die ja eigentlich gar keine Arbeit ist, nicht mehr gerne an meinem Werk rum." Und was er bei seiner Postproduktion so alles gefummelt habe, das erklärt Paulussen so: "Ich hab' die Aufnahme geschminkt - ein bisschen Psycho-Akustik betrieben, Loudness-Elemente verändert. Der Sound hört sich nun etwas satter an." Von der technischen Seite her erläutert Mick das so: "Jakob hat Frequenzen angehoben und gedämpft."

Mit dem Resultat sind alle sehr zufrieden - und das, obwohl die Beteiligten aus sehr unterschiedlichen Richtungen elektronischer Musik kommen. "Jakob komponiert seine Musik fast komplett durch, arbeitet auch mit digitaler Technik. Wir dagegen verwenden ausschließlich analoge Technik, sind bei den Aufnahmen sehr spontan. 90 Prozent sind bei uns komplett improvisiert. Künstlerisch kommen wir uns daher wirklich nicht ins Gehege", erläutert Mick schmunzelnd.

Auf dem Cover der CD ist eine Montage zu sehen: ein riesengroßes Modularsystem, wie es für die elektronische Musik typisch ist, im Stil einer Kathedrale, eingebettet in die Skyline von Manhattan. "Kathedralen sind für uns erst einmal faszinierende gotische Monumentalbauten", stellt Mick klar. Im Laufe der Jahrhunderte sei der Begriff nicht nur auf viele weitere Bauwerke der Moderne angewendet worden, sondern habe auch noch etliche zweckentfremdende Zusätze bekommen wie "Kathedralen der Macht", "Kathedralen der Kultur" - oder auch "Kathedralen des Fußballs".

"Letzteres ist ja gerade bei der EM wieder sehr aktuell", sagt Mick - und bringt analog dazu (wie sonst?) das musikalische Schaffen von e-tiefengrund blumig auf den Punkt: "Unsere Kathedralen entstehen im Kopf, lassen Räume entstehen - ab dem Moment, in dem der erste Ton diesen inneren Raum füllt. Harmonische Klanggewebe spiegeln sich an den Wänden, die gigantisch in den Himmel ragen. Davon abgesehen wünschen wir einfach viel Spaß beim Hören unserer Musik."

Ob der Sound der neuen CD denn dem Titel gemäß auch ein wenig sakral angehaucht sei? "Ein bisschen hat alles einen sakralen Touch, was ich mache", antwortet Mick.

Quelle: RP
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