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Erkelenz
Katholisch mal ironisch

Erkelenz: Katholisch mal ironisch
In ihrer Paraderolle als Erna Schabiewsky aus Dortmund-Eving begeisterte Ulrike Böhmer das Publikum im Erkelenzer Pfarrzentrum. FOTO: Uwe Heldens
Erkelenz. Die Kirchenkabarettistin Ulrike Böhmer trat mit ihrem sechsten Soloprogramm "Und sie bewegt sich doch!" auf. Von Katrin Schelter

"Bei uns in der Gemeinde bin ich die rechte und die linke Hand des Pastors", sagt die rot gekleidete Frau stolz, bevor sie bedauernd das Gesicht verzieht: "Nur der Pastor mittendrin ist mir irgendwie abhandengekommen". So beginnt sie, Hut auf dem Kopf und die unverzichtbare Handtasche am Arm, im Pfarrzentrum St. Lambertus in Erkelenz über die Zustände der katholischen Kirche zu philosophieren.

In ihrer Paraderolle als Erna Schabiewsky aus Dortmund-Eving war die Kirchenkabarettistin Ulrike Böhmer am Samstagabend mit ihrem sechsten Soloprogramm "Und sie bewegt sich doch!" im Erkelenzer Pfarrzentrum zu Gast. Zum wiederholten Male überzeugte sie die Gäste auf humorvolle und herzerwärmend schrullige Art, das Kirche und Kabarett durchaus gut zusammenpassen.

Als waschechte Katholikin inklusive Ruhrpott-Dialekt klagt sie beispielsweise über die immer größer werdenden Kirchenverbände. Schließlich wurde Ernas Dortmunder Gemeinde mit Castrop-Rauxel und Wanne-Eickel zusammengelegt - "Da kannste ja direkt ins Ausland gehen!". Auch die Kirchenoberen bleiben nicht von Ernas Kritik verschont. Die kleinen Gemeinden müssen sparen und so für die Entscheidungen aufkommen, die die Oberhäupter scheinbar ohne großes Nachdenken getroffen haben. Dabei würden die Mühen und Initiativen der Gemeindemitglieder von oben kaum anerkannt. Auch die Rolle der Frauen nahm Erna aufs Korn und erzählt von so manchem eigenwilligen Ortsverband der katholischen Frauengemeinde, der ob der Missstände den Gottesdienst kurzerhand selbst organisiert. Der Mangel an "Pastorennachwuchs" wird mit Geschichten über indische Pfarrer im Sauerland verbildlicht. Dabei kommt Erna auf eine Idee: warum nicht auch Pastoren aus Brasilien? Mit ein bisschen Samba wäre der Gottesdienst doch gleich viel lebendiger!

Schon seit fast 30 Jahren ist Ulrike Böhmer als Kabarettistin tätig. "Die Grundmotivation für Kabarett ist ja im Allgemeinen, dass man sich über etwas ärgert", erklärte Böhmer und fügte hinzu: "Das Überspitzen der Situation ist mein Ventil, ich kann gemeinsam mit meinem Publikum darüber lachen und somit auch eine humorvolle Seite der Kirche aufdecken". Als Kabarettistin halte sie immer Augen und Ohren nach neuen Problemen und Anekdoten offen, um ihrer "Erna" immer wieder aufs Neue Leben einzuhauchen. "So eine Figur fliegt einem in gewissem Maße zu; Erna wurde durch viele verschiedene Ereignisse und Personen inspiriert", sagte Böhmer. Wie gut Erna Schabiewsky beim Publikum ankommt, zeigte sich am Ende des Abends: von den rund 200 Zuschauern im Pfarrzentrum wurde Ulrike Böhmer mit lautem und begeistertem Schlussapplaus belohnt.

Quelle: RP
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