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Erkelenz
Klavierstunde mit Micki

Erkelenz: Klavierstunde mit Micki
Micki Schläger (r.) versucht, bei seinem Spezialschüler eingerostete pianistische Fähigkeiten wiederzubeleben: "Mario, du musst auch auf die Pausen achten. Und fange nicht zu schnell an. Achte generell auf die Metrik!" FOTO: JÜRGEN LAASER
Erkelenz. Micki Schläger ist seit über einem Jahr nicht nur der Keyboarder der Höhner, sondern hat in Erkelenz auch weiter seine Musikschule "MJOY - music & more". Kurz vor seinem Heimspiel mit den Höhnern in der Stadthalle erteilte er dem RP-Mitarbeiter eine Übungsstunde. Von Mario Emonds

Zunächst mal bin ich erleichtert: Micki hat für mich keine Etüden von Hanon und Czerny ausgesucht, die mich in den späten 70er und frühen 80er Jahren mein langjähriger Klavierlehrer, der verehrte und bekannte Erkelenzer Musiker Norbert Brendt, rauf und runter einüben ließ, sondern Stück Nummer 40 aus einem modernen Übungsheft. Das enthält auch nette Bildchen, wie ich zu meinem Erstaunen feststelle - so was gab's im Hanon, so etwas wie die Bibel für schnelle Fingerläufe, früher nicht. "Holzschuhtanz im flämischen Stil" heißt das Stück, das ich spielen soll.

"Das ist schon eine ganze Ecke schwieriger als alle vorherigen Stücke in diesem Heft, die alle in C-Dur oder G-Dur stehen. Achte auch auf die drei Fingerwechsel", führt Micki in die Materie ein. So was baut auf. Bei einem ersten Blick auf die Noten stelle ich aber dennoch beruhigt fest, dass vorne auch da nur ein einziges Vorzeichen steht: ein B. F-Dur also - die ungeliebten schwarzen Tasten bleiben gottlob weitgehend unberührt.

Micki spielt das Lied zunächst einmal vor - klingt gut. Und was uns direkt verbindet: Auch er hat das Klavierspielen zunächst bei Norbert Brendt gelernt, wie sich rasch herausstellt. "Er hat mir vor allem das nötige technische Rüstzeug beigebracht", lobt der heutige Profimusiker von den Höhnern seinen ersten Klavierlehrer.

Nach dem gemeinsamen Schwelgen in Erinnerungen bin ich selbst dran - und bekomme direkt einen Rüffel: "Mario, du musst auch auf die Pausen achten! Du hast da gerade direkt eine überspielt." Stimmt. Und dann sagt Micki auch noch, dass er bei seinen Schülern allergrößten Wert auf Metrik legt. "Eine Achtelnote ist nun mal exakt doppelt so schnell wie eine Viertelnote. Da bin ich sehr pingelig."

Das sagt er ausgerechnet mir, der beim Klavierspielen gerne mal aus dem Rhythmus kommt - und deswegen von Norbert Brendt einst rasch ein Metronom "verordnet" bekam. Ein derartiger Taktschläger ist bei einem digitalen Klavier - und an einem solchen sitze ich gerade - aber nicht mehr nötig. Micki drückt ein paar Knöpfe, und schon hat ein Groove die Metronom-Funktion übernommen. "Das ist doch besser als ein externer Taktgeber. Es fällt doch auch leichter, nach dem Groove zu spielen", merkt er an. Finde ich jetzt auch.

Micki setzt beim Rhythmus aber nicht nur auf die Technik, sondern auch aufs gute alte Zählen. "Eins, zwei, drei", zählt er laut den Dreivierteltakt mit, während ich spiele - und bekomme sofort die nächste Anweisung: "Spiel langsamer! Gleich bei der schwierigeren letzten Zeile stockst du sonst. Da wartet aber niemand auf dich!" Exakt so kommt's - auch, weil ich die nächste Unachtsamkeit begehe: Ich habe den vorgeschriebenen Fingersatz missachtet. "Auch daher bist du da ein wenig ins Schwimmen gekommen", analysiert Micki routiniert und unaufgeregt - und schlägt sehr tröstende Töne an: "Ohne Fleiß und Arbeit geht's auch beim Klavierspielen nicht. Auch ich muss bei den Höhnern ein neues Lied 250.000 Mal spielen, bevor es richtig sitzt."

Am Ende bekomme ich den "Holzschuhtanz" ganz passabel hin - auch Micki ist zufrieden. Eines ist aber auch klar: Für einen Gastauftritt am Samstag bei den Höhnern in der Erkelenzer Stadthalle (siehe Info) reicht's sicher nicht.

Quelle: RP
 
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