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Erkelenz/Mönchengladbach
Kleine Geschenke gegen Kindertränen

Erkelenz/Mönchengladbach: Kleine Geschenke gegen Kindertränen
Sonja Krämer (links, neben Chefarzt Wolfgang Kölfen) hat mit ihrer Initiative bei Facebook dafür gesorgt, dass viele Kinder, die zurzeit im "Eli" liegen, Weihnachten ein bisschen fröhlicher sein werden. FOTO: Hans-Peter Reichartz
Erkelenz/Mönchengladbach. Im Kinderkrankenhaus am Rheydter "Eli" heißt das Christkind in diesem Jahr Sonja Krämer. Die 35-jährige Erkelenzerin hat Weihnachtsgeschenke gesammelt, um kranken Kindern eine Freude zu machen - aus eigener Betroffenheit heraus. Von Sabine Kricke

Ja, ist denn heute schon Weihnachten? Im Kinderkrankenhaus in Rheydt hört man viele Kinderstimmen, die laut "Jaaa" rufen. Dank einer Spendenaktion der Erkelenzerin Sonja Krämer freuen sich mehr als 100 Kinder im Krankenhaus vorzeitig über liebevoll verpackte und ausgewählte Weihnachtsgeschenke.

Die dreieinhalbjährige Dilara schaut die vielen bunten Geschenke unter dem Weihnachtsbaum am Empfang des Kinderkrankenhauses noch etwas skeptisch an. Auch andere Kinder fragen ungläubig: "Sind die alle für uns?" Doch dann bekommt das kleine Mädchen ein Paket von Sonja Krämer überreicht. "Für Mädchen, drei bis sechs Jahre" steht auf einem kleinen Zettel, der an dem Paket klebt. Darin ein rosafarbenes Malbuch mit Buntstiften und einem Schokoladenlutscher in Form eines Nikolauses. Dilaras Augen strahlen.

Über 300 solcher Weihnachtsgeschenke für Kinder hat Sonja Krämer in den vergangenen Wochen gesammelt. Die Idee, Kinder, die zur Weihnachtszeit im Krankenhaus liegen müssen, mit einem kleinen Geschenk aufzumuntern, kam der dreifachen Mutter nach einem einschneidenden Erlebnis (die RP berichtete). Ihre jüngste Tochter ist elf Monate alt und leidet an einer schweren Hauterkrankung. Um ihre Tochter bestmöglich zu behandeln, waren viele Besuche in der Düsseldorfer Uniklinik nötig. Was Krämer dort gesehen hat, ließ sie jedoch nicht mehr los.

"Häufig geht es vordergründig nur um die medizinische Behandlung. Die Menschlichkeit habe ich wirklich oft vermisst", sagt Krämer. Vor allem in der Weihnachtszeit macht das die dreifache Mutter traurig. "Die Vorstellung, dass die Kleinen den Heiligabend nicht mit ihren Familien verbringen können und dass auf der anderen Seite ihre Eltern sie nicht zu Hause haben, ist schlimm für mich", erzählt die Erkelenzerin.

So überlegte sie sich, wie sie die Weihnachtszeit für Kinder im Krankenhaus oder Hospiz verschönern kann. "Dann kam mir die Idee, dass sich gerade Kinder über kleine Geschenke besonders freuen", erzählt Krämer. Also startete die Mutter in der Facebook-Gruppe "Geschenke gegen Tränen" den Aufruf an Freunde und Bekannte, Spielzeug für Kinder zu spenden und diese in kleine Pakete zu verpacken. Über 300 Geschenke sind so zusammengekommen. Mehr als 100 erhalten die Kinder im Krankenhaus in Rheydt, die übrigen gehen an die Kinder der Mukoviszidosestation im Klinikum Aachen.

Neben Spielzeuggeschenken liegen viele Bücher unter dem Tannenbaum. Wolfgang Fischer vom Altius-Verlag aus Erkelenz hat für jedes Kind ein Kinderbuch gespendet. "Aufmerksam auf die Aktion bin ich durch den Aufruf von Frau Krämer auf Facebook geworden. Da habe ich sie angeschrieben und gefragt, ob sie auch Kinderbücher gebrauchen könnte", sagt Fischer. "Dass die Kinder teilweise Weihnachten nicht zu Hause verbringen können oder die Eltern nicht bei ihnen in der Klinik übernachten dürfen, war mir gar nicht so bewusst. Und so ein kleiner Lichtblick freut ja nicht nur die Kinder."

Über die zahlreichen Bücher freut sich auch Wolfgang Kölfen, Chefarzt der Kinderklinik in Rheydt. "Wenn die Kinder im Bett liegen müssen, sieht man auf einmal viel mehr Bücher auf dem Nachttisch liegen - und Mütter, die ihren Kindern vorlesen", sagt Kölfen. Nicht alle Kinder, die stationär im Krankenhaus Rheydt aufgenommen wurden, müssen an Heiligabend im Krankenhaus bleiben. Bei einigen drückt Kölfen auch mal ein medizinisches Auge zu: "Da glauben wir auch an die besondere Heilkraft des Christkindes." Rund 70 Kinder, etwa 25 davon sind Frühgeborene, müssen jedoch an Heiligabend im Krankenhaus bleiben. "Dann kommen in der Regel aber die Eltern, bringen Geschwisterkinder mit oder bleiben auch über Nacht", erzählt der Chefarzt.

Die kleine Dilara darf zu Weihnachten nach Hause. Das freut auch ihre Mutter sehr. "Es ist wirklich total schön, Weihnachten zu Hause verbringen zu können", sagt sie. Die Spendenaktion von Krämer hat Dilaras Mutter auch sehr gefreut. "Vor allem, dass jemand so etwas privat organisiert, finde ich total klasse." Nach und nach werden nun auch die weiteren Kinder auf der Station mit Weihnachtspaketen beschenkt.

Quelle: RP
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