| 16.12 Uhr

Proteste gegen Tagebau in Erkelenz
Klima-Aktivisten üben den Ernstfall

Klimacamp 2017 in Erkelenz: Braunkohle-Gegner üben zivilen Ungehorsam
Erkelenz. Braunkohlegegner haben im Erkelenzer Klima-Camp Sitzblockaden einstudiert und sich auf ihre Aktionen vorbereitet. Denn: Am Freitagmorgen wollen sie ihre Proteste intensivieren, die Polizei ist vorbereitet. Ein Besuch im Camp.  Von Markus Plüm

In Viererreihen haben sie sich auf die Straße gesetzt, die Arme fest ineinander verhakt und rufen "Auf geht's, ab geht's, Ende Gelände". Andere versuchen, die simulierte Sitzblockade aufzulösen, zerren unter großem körperlichen Einsatz die Sitzenden auseinander.

Die Bewohner des Klimacamps der Initiative "Ende Gelände" am Rande von Erkelenz haben sich am Donnerstag mit einem Aktionstraining auf ihre Blockaden vorbereitet,  mit denen sie am Freitag den Betrieb am RWE-Braunkohletagebau Garzweiler sowie im Hambacher Forst stilllegen wollen. 

Klimacamp 2017 beim Braunkohle-Tagebau Erkelenz FOTO: dpa, obe wie

Friedlicher Donnerstag am Tagebau Garzweiler: Wie der erste Tag im Klimacamp verlaufen ist, lesen Sie hier. 

"Macht euch so schwer wie möglich und seid auf verstecke Gewaltanwendung der Polizei vorbereitet", sagt Jonas, der den Teilnehmern das "richtige" Verhalten in einer Sitzblockade beibringen will. "Auch wenn es schwer fällt: Versucht, mit den Beamten in einen Dialog zu kommen, seid freundlich."

Bezugsgruppen von bis zu 12 Personen, die die Klima-Aktivisten als sogenannte Finger bezeichnen, sollen am Freitag zahlreiche verschiedene Aktionen durchführen. Daher wird auch die Kommunikation in der eigenen Gruppe trainiert. "Ihr müsst euch ein Code-Wort geben, mit dem ihr euch im Gewühl schnell wiederfindet. Und übt, wie ihr in kritischen Situationen schnelle Entscheidungen trefft."

So läuft das Klimacamp am Tagebau bei Erkelenz FOTO: Andreas Speen

Rund 2000 Protestteilnehmer wohnen derzeit in dem Camp im Lahey-Park bei Erkelenz. Die Szenerie wirkt wie ein alternatives Festival, vielerorts sitzen die Bewohner in Gruppen zusammen, diskutieren, spielen Gitarre, machen ein Nickerchen in der Sonne. Aus ganz Europa sind die Teilnehmer nach Erkelenz gekommen - darunter auch Familien mit Kindern. Es wird deutsch, englisch und französisch gesprochen, sogar aus Mexiko und Taiwan sind Aktivisten angereist.

Die idyllische Ruhe in dem Zeltlager ist allerdings trügerisch. Schließlich werden hier auch die Sabotage-Aktionen vorbereitet, mit denen der Betrieb im und rund um den Tagebau zum Erliegen gebracht werden soll. "Wir sind hier, weil es unsere moralische Pflicht ist, zivilen Ungehorsam zu üben. Es ist notwendig, dass wir den Kohleausstieg durch unsere Aktionen selbst umsetzen", sagt eine Sprecherin der Initiative "Ende Gelände". Dabei gelte aber das Gebot, ruhig, besonnen und vor allen Dingen gewaltfrei vorzugehen. "Wir wollen niemanden verletzten, weder Polizisten noch RWE-Mitarbeiter." Dennoch sei das Ziel, den Klimawandel zu stoppen, so drängend, dass man bereit sei, Delikte wie Hausfriedensbruch in Kauf zu nehmen.

Am Donnerstag blieb es rund um den Tagebau Garzweiler aber noch ruhig. Die Polizei stellt sich trotzdem auf massive Gesetzesübertretungen ein und ist das ganze Wochenende im Großeinsatz. Die Camp-Teilnehmer kündigten derweil an, ihre Aktionen – darunter das Besetzen von Bahninfrastruktur und das Eindringen in den Tagebau – am Freitagmorgen um 7 Uhr zu starten.

 
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