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Erkelenz/Aachen
Klimacamp-Bilanz der Polizei: überwiegend friedlicher Protest

Erkelenz/Aachen. Aachens Polizeipräsident Dirk Weinspach dankt Einsatzkräften, Landräten und Bürgermeistern sowie der Bevölkerung.

Die Polizei in Aachen, die für das Rheinische Revier zuständig ist, zieht eine positive Bilanz ihrer Einsätze rund um das Klimacamp in Erkelenz und die Camps bei Bedburg sowie Kerpen. Es seien viele, wenn auch nicht alle, Straftaten verhindert worden, erklärte Polizeipräsident Dirk Weinspach gestern und stellte vor allem fest: "Wir hatten es überwiegend mit friedlichem Protest zu tun." Gezählt hat die Polizei während der Aktionstage von Donnerstag bis Montag rund 600 vorübergehende Gewahrsamnahmen, weil Aktivisten kurz davor standen, Straftaten zu begehen, sowie etwa 450 vorübergehende Festnahmen aus strafrechtlichen Gründen. Des Weiteren liegen ihr 60 Strafanzeigen vor, die sich teils gegen mehrere Personen richten. Sie werden jetzt zur juristischen Prüfung an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Bei den meisten Delikten handelte es sich laut Polizei um Hausfriedensbruch oder Störung öffentlicher Betriebe. "13 Mal hat es Widerstandshandlungen gegeben sowie einen Raub und einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr", bilanzierte Einsatzleiter Stephan Wey, der außerdem sieben verletzte Polizisten registrierte. Positiv wertete Polizeipräsident Weinspach, dass die Anzahl der Gewaltstraftaten begrenzt gewesen sei, und wies auch darauf hin, dass es in diesem Jahr zu Gesprächen zwischen Vertretern des Klimacamps, der "Ende Gelände"-Kampagne und der Polizei gekommen sei: "Vielleicht hat das manchmal zu etwas mehr Verständnis für unsere polizeiliche Arbeit geführt. Darin habe ich ein positives Zeichen gesehen." Unverständnis äußerte Weinspach hingegen für jene Aktivisten, die in vier Fällen mit Fäusten und in einem Fall mit dem Fuß in das Gesicht von Polizisten schlugen oder traten. Gleiches gelte für einen nächtlichen Zwillenbeschuss auf einen Polizeiwagen am Hambacher Forst: "Das spricht von erheblicher krimineller Energie."

Weinspach dankte den Polizisten für teils sehr lange und kräftezehrende Einsätze, ihr besonnenes und, wo nötig, konsequentes Vorgehen, wie er es vor den Aktionstagen angekündigt hatte. Er dankte auch der Bevölkerung für deren Verständnis und den Landräten und vor allem den Bürgermeistern von Erkelenz, Bedburg und Kerpen. "Ein besonderer Dank gilt Bürgermeister Peter Jansen aus Erkelenz für die Unterstützung und enge Zusammenarbeit." Alle drei Bürgermeister zusammen hätten "so etwas wie eine Gesamtverantwortung übernommen - das schätze ich sehr."

Landwirte, deren Felder durch die Polizeiarbeit beschädigt wurden, bat Weinspach, sich über die Landwirtschaftskammern an seine Behörde zu wenden: "Ich bedauere außerordentlich die Flurschäden. Wir werden sie ersetzen, wenn sie durch uns verursacht worden sind."

Nach Abschluss des Klimacamps bereitet sich die Aachener Polizei nun auf November vor. Dann tagt in Bonn die Weltklimakonferenz, zu der es dort ein Klimacamp geben soll. Laut Weinspach sind dazu bereits Aktionen im Hambacher Forst und in den Tagebauen angekündigt worden.

(spe)
 
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