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Erkelenz
Komisch, wer da nicht lacht

Erkelenz: Komisch, wer da nicht lacht
Bekannte Namen und Newcomer des Kabaretts präsentiert eine neue Reihe in der Stadthalle Erkelenz. Anna Piechotta machte mit ihrem witzig-hintergründigen Programm den Auftakt. FOTO: Jürgen Laaser
Erkelenz. Die neue Kabarettreihe der Kultur GmbH startete mit Anna Piechotta. Ihr Programm "Komisch im Sinne von seltsam" überzeugte auf ganzer Linie. Von Katrin Schelter

Musikkabarett, was kann man sich wohl darunter vorstellen? Als die Lichter ausgehen und die Künstlerin auf der Bühne an ihrem Flügel Platz nimmt, sind die meisten Gäste noch ratlos und wissen nicht genau, was sie erwartet - wie viele jedoch auf das eingestellt waren, was da kam, bleibt fraglich.

Zum Auftakt der neuen Kabarettreihe der Kultur GmbH Erkelenz eroberte Anna Piechotta die Erkelenzer Stadthalle und sorgte mit ihrem Programm "Komisch im Sinne von seltsam" für Furore. Sie untermalte ihre sprachlichen und gesanglichen Interpretationen sehr talentiert selbst am Flügel, wobei ihre Themenwahl so willkürlich erschien, wie sie über die Maßen unterhaltsam war. Der Abend stellte sich als wilde Achterbahnfahrt heraus, während der die verschiedensten Personen und Situationen mit viel Humor und scharfen Pointen aufs Korn genommen wurden, bevor wieder ein ernstes Stück eine fast andächtige Stimmung im Saal erzeugte. Zwischen ihren einzelnen Darbietungen unterhielt Piechotta die Gäste mit persönlichen und nicht immer ernst gemeinten Anekdoten.

Mit "Der Bayer & ich" erzählt sie von einer Flirtbekanntschaft aus dem Internet, doch beim ersten Treffen stellen sich die kulturellen Unterschiede doch als zu groß heraus - ihr überzeugendes Zwiegespräch provozierte im Publikum einige herzliche Lacher. So auch ihre Geschichte von ihrem ersten Opernbesuch, oder ihre Hymne über ihr kleines Eifeldorf, zu dem sie sang: "Schön, so schön ist das Leben am Arsch der Welt, weil es hier um Menschen geht und nicht um Macht und Geld". Abwechslung brachten auch ihr Lied über Kinderfragen oder ihre gesungene Erzählung von der skurrilen Bekanntschaft im Wartezimmer des Frauenarztes. Ernste und melancholische Töne wurden dagegen in "Der Schatten" und "Zimmer 434" angeschlagen. Politisch ergriff sie Partei für die Flüchtlinge auf der Suche nach Heimat mit ihrem Lied "Doaa", das von einer jungen Mutter erzählt, die sich mit ihrem Kind auf einem sinkenden Flüchtlingsboot befindet.

Im Gedächtnis bleiben vor allem Piechottas sehr schöne Stimme und ihre totale Hemmungslosigkeit, wenn es darum geht, sich auch mal herrlich selbstironisch vor ihren Gästen "zum Depp" zu machen. Mit ihrem Musikkabarett zeigte sie sich verspielt und erfrischend anders, bezog ihr Publikum während des gesamten Abends mit ein und riss mit ihrer offenen Art alle Barrieren zwischen Zuschauer und Künstler nieder. Piechottas Kunstform mag vielleicht nicht jedermann gefallen, doch wer sich darauf einlässt und aufgeschlossen für Neues ist, wird mit einem kurzweilig-nachdenklichen Abend belohnt, der auch musikalisch viel zu bieten hat.

Quelle: RP
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