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Erkelenz
Kontraste und feine Nuancen bestechen

Erkelenz: Kontraste und feine Nuancen bestechen
Orchesterchef Ola Rudner dirigierte die Württembergische Philharmonie Reutlingen bei ihrem Konzert in der Stadthalle Erkelenz, mit dem die Konzertsaison 2014/15 jetzt ausklang. FOTO: Jürgen Laaser
Erkelenz. Mit einem Höhepunkt endete die Saison der VHS-Meisterkonzerte. Die Württembergische Philharmonie Reutlingen sorgte mit Haydn, Bruch und Beethoven für einen begeisternden Schlussakzent. Solist war Timo de Leo (Violine). Von Angela Wilms-Adrians

Mit dem siebten Meisterkonzert ging die Reihe der Anton-Heinen-Volkshochschule des Kreises Heinsberg nun in die Sommerpause. Der strahlende Abschluss beim Auftritt der Württembergischen Philharmonie Reutlingen in der Erkelenzer Stadthalle war zugleich die beste Werbung für den Neustart im September. Denn das international gefragte Orchester unter der Leitung des schwedischen Chefdirigenten Ola Rudner begeisterte zu Werken von Haydn, Bruch und Beethoven mit klanggewaltigem und strahlendem Spektrum. Feingefühl, emotional aufgeladenes Spiel und Temperament waren stets gepaart mit großem Können und Präzision.

Zum Auftakt erklang Haydns sogenannte "Trauer-Sinfonie", die Sinfonie e-Moll Hob.1: 44, deren Adagio-Satz sich der Komponist zu seinem Begräbnis gewünscht haben soll. Die Württemberger bestachen mit einem ungemein lebendigen Spiel der Sätze. Brillant entfalteten sie die scharfen Kontraste und Feinheiten des "Allegro con brio". Innig berührend gelang das Adagio mit feinsinnigen Nuancen. Überschäumend und reich erzählend in der ungemein farbigen, energiegeladenen Dynamik servierten die Musiker das abschließende Presto. Im begleitenden Programmheft war der Satz in Anlehnung an die literarische Bewegung als Verkörperung des "Sturm und Drang" beschrieben. Eine Charakterisierung, die durch das pulsierende Spiel plastisch bestätigt wurde.

Zu Max Bruchs Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 g-Moll opus 26 bewies die Württembergische Philharmonie Reutlingen erneut ihren Gestaltungsreichtum mit vielen Schattierungen im Ausdruck von Behutsamkeit, Intensität, großzügigen Steigerungen und fein vibrierenden Einsätzen. Auch hier ließ die zündende Interpretation Funken sprühen - dabei stets in souveräner Abstimmung mit dem Part des Violinsolisten Timo de Leo. Der nahm sein Publikum im gleichermaßen virtuosen wie eindringlichen Spiel gefangen. De Leo bezauberte mit Nuancen und berauschenden Steigerungen, gestaltete energiegeladen, spannungsvoll und dann wieder unendlich delikat. Furioser Beifall war der Lohn, den der Solist mit einer Bach-Zugabe im Alleingang erwiderte.

Der Abschluss mit Beethovens Sinfonie Nr. 8 F-Dur opus 93 gehörte wieder ausschließlich dem Orchester. Das kostete im leuchtenden und stets präzisen Spiel die Fülle der vier Sätze aus und erntete verdient furiosen Beifall. Ola Rudner reagierte mit verschmitztem Lächeln und zeigte nach dem hochkonzentrierten Dirigat seine schalkhafte Seite. Entspannt forderte er das Publikum heraus, in dem er vor der Zugabe ankündigte: "Jetzt kommt ein Quiz". Noch einmal stellte sich das Orchester mit Charme und Feuer vor. Bei der Auflösung - es war das von Beethoven mehrfach verwandte Thema "Die Geschöpfe des Prometheus" - war Hilfestellung nötig. Die Besucher hätten gern noch mehr gehört, doch mit kleiner Geste verwies der Dirigent auf die nahende Schlafenszeit.

Quelle: RP
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