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Erkelenz
Konzept für Zukunft am Tagebaurand vorgestellt

Erkelenz. Für Venrath und Kaulhausen erarbeiteten Einwohner, Stadtplaner und Stadt ein Konzept, um die Dörfer trotz nahenden Tagebaus lebenswert zu erhalten. Von Andreas Speen

Venrath und Kaulhausen sind einen großen Schritt weitergekommen. In den zurückliegenden eineinhalb Jahren haben die Einwohner gemeinsam mit Stadtplanern und Stadtverwaltung ein Konzept entwickelt, wie die beiden Dörfer - sie liegen in Zukunft unmittelbar am Tagebaurand - lebenswert erhalten werden können. Donnerstagabend wurde das Konzept in Venrath vorgestellt.

Das Konzept ist nicht zu verwechseln mit einem: So wird es gemacht. Darauf hinzuweisen war den Beteiligten wichtig. Vielmehr handelt es sich um Ideen zu fünf Themengebieten und einen dreistufigen Planungshorizont, der weit über das Jahr 2035 hinausreicht. Zunächst einmal wird die Stadt Erkelenz nun mit dem 150-seitigen "Konzept zur Entwicklung des Dorfinnenbereichs" und einem dazu notwendigen Beschluss der Stadtrates beim Land Nordrhein-Westfalen Fördermittel beantragen können. Und erst wenn diese bewilligt worden sind, können sich Einwohner, Stadtplaner, Stadtverwaltung und Stadtrat daran setzen, aus dem Konzept konkrete Projekte herauszuarbeiten.

Der große Schritt, den die beiden Dörfer weitergekommen sind, liegt darin, dass sich die Einwohner intensiv mit der Zukunft beschäftigt haben, dass daraus Visionen entstanden sind und sich darüber eine neue Kultur der Kommunikation entwickeln konnte. Auch am Donnerstagabend wurde diese wieder deutlich, als unterschiedliche Akteure - vom Stadtratsvertreter bis zu jüngst Zugezogenen - im Saal Lanfermann-Oellers gemeinsam darüber sprachen, wie es mit Venrath und Kaulhausen weitergehen könnte. Bürgermeister Peter Jansen zeigte sich davon begeistert. Die Ergebnisse des Konzepts belegten, "dass sich Leute aus den Orten, die ihre Orte kennen, Gedanken gemacht haben. Kompliment dafür, was bereits geleistet worden ist."

Vieles wollen die Einwohner von Kaulhausen und Venrath, und mit ihnen die Stadt und Stadtplaner, in Zukunft erreichen, um die Dörfer trotz des Schutzwalls und des vorüberziehenden Tagebaus attraktiv zu halten. Die Dorfmitten sollen gestärkt werden. Zunächst im Inneren und später an den Rändern ist neue Wohnbebauung vorstellbar. Nachgedacht werden soll über neue Wohnformen. Die soziale Infrastruktur könnte erneuert oder erweitert werden, wozu eine multifunktionale Bürgerhalle, eine Bürgerwiese in Kaulhausen, ein Ausbau des Kindergartens, Pfarrheims oder Umbau des Gaststätte Bruns gehören könnten. Der Austausch zwischen den Bürgern soll in einem "Dorfforum" etabliert werden. Vorgeschlagen ist, den Schutzwall zum Tagebau und das Pumpenfeld, das diesem voraus wandert, interessant zu gestalten mit einer Aussichtsplattform und einer Freizeitlandschaft mit beispielsweise Sportflächen. Vorstellbar ist für die Stadtplaner ein Wochenmarkt, und wie viele Einwohner plädieren sie dafür, die Ortseingänge rasch umzugestalten. Lkw könnten aus den Dörfern herausgehalten und Pkw abgebremst werden, sind die von Anwohnern damit verbundenen Hoffnung.

Angesprochen wurden am Donnerstag fehlende Wege rund um die Dörfer wie auch wegbrechende Wegeverbindungen, wenn die benachbarten Orte Kuckum und Keyenberg dem Tagebau zum Opfer gefallen sind. Hier gelte es, neue Strukturen zu schaffen. Gerne dürfe dazu ein Fahrradweg nach Herrath gehören, wo sich der nächstgelegene Bahnhof befindet. Das Fehlen von schnellem Internet mahnte ein Einwohnerin an, weil das "berufszerstörend" sei.

Gestartet werden soll zudem eine Sanierungsphase für Bestandsbauten, was vom Land finanziell gefördert werden kann. Ein Fachbüro begleitet die Einwohner dabei und gibt bald Fragebogen zur Wohn- und Energiesituation in die Haushalte, um darauf später eine Beratung der Dörfer aufbauen zu können. Zudem werden ab Januar Bürgersprechstunden angeboten für Venrath und Kaulhausen, "wo das Augenmerk sein wird, dass dort keine Gasversorgung vorhanden ist".

Quelle: RP
 
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