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Erkelenz
Kraft geschöpft aus Erinnerungen und Vorfreude

Erkelenz: Kraft geschöpft aus Erinnerungen und Vorfreude
Anna-Josefine Brudermanns (81, Patientin der Tagesklinik) ist eine der 20 ausstellenden Künstlerinnen. Sie erklärt Initiatorin Monika Fernandes (l.) ihr Bild mit Löwenzahn, das sie an ihre Urlaube in Oberstdorf erinnert. FOTO: LAASER
Erkelenz. 20 Patientinnen und Patienten des Krankenhauses schöpften in Malprojekt Kraft. Ausstellung öffentlich. Von Nicole Peters

Erstmalig bot die katholische Krankenhausseelsorgerin Monika Fernandes zusammen mit den Ergotherapeuten des Hauses ein Malprojekt für kranke Besucher an. Unter dem Titel "Was oder wer gibt mir Kraft?" wollten sie bei Patienten das Kreisen der Gedanken etwa um eine unsichere Zukunft durchbrechen, damit sie neue Kraft schöpfen konnten. Und das war ein Erfolg, zeigen die relativ hohe Teilnahme, berührenden Bilder und Texte sowie die für andere Kranke aufbauende Wirkung. Ein zweites Malprojekt ist für September geplant.

Anna-Josefine Brudermanns hatte in Erinnerung an frühere Urlaube in Oberstdorf Löwenzahn auf dunklem Weg und Sonnenstrahlen mit Wasserfarben gemalt. Zur Auswahl standen Filz- oder Farbstifte und Acrylfarben. Die Farben und das Licht darzustellen waren ihr wichtig. Sie malte das Bild, als sie sich in der Tages-Reha befand, erzählte sie, mit Wasserfarben sei der Ausdruck stärker. Als Impuls hatte Monika Fernandes zu Beginn des Malprojekts Text und Fragen vorgetragen. Musiktherapeutin Sabine Ramdé hatte auf dem Balafon musiziert und Krankenschwester Monika Königs das Malen mit begleitet. "Am Ende der Woche haben die Künstler im Kreis gesessen und jeweils von den anderen eine Rückmeldung bekommen, wie die Werke wirken, was sie sehen und beim Ansehen fühlen", blickte Fernandes zurück.

In zwei Gruppen mit sieben 40 bis 50 Jahre alten Patienten und 13 80- bis 90-Jährigen hatten sie drei Tage je eineinhalb Stunden gemalt und geschrieben. In dieser Kombination ein berührender Einblick in länger zurückliegende Erlebnisse, in glückliche Lebenssituationen und heutiges Befinden. So heißt es unter einem Bild mit prägnanten runden Formen: "Hier ist der Garten, hier die Sonne, dort die Erde. Das ist alles, was ich brauche. Mehr brauche ich nicht." Erinnerungen ans eigene Restaurant mit Kegelbahnen hielt ein anderer Künstler fest und merkte an, dass er trotz Schlaganfall und Blindheit noch ein bisschen auf Erden bleibt. Gedanken an sowie Vorfreude auf Blumen, Spaziergänge mit Hund, Jugenderinnerungen, Familie und Haus stellten die 20 Teilnehmer als die Kraft gebenden Bestandteile in schwierigen unsicheren Zeiten dar. Mit dem öffentlichen Ausstellen hatten sie Mut bewiesen, fügte Fernandes an. Andere Betroffene in ähnlichen Situationen, die mit Muße den Gang entlang gehen und ganz ruhig werden, schöpfen Kraft durch Betrachten. Die Ausstellung ist bis 30. September im Flur neben der Krankenhaus-Kapelle, Tenholter Straße 43, zu sehen.

Quelle: RP
 
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