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Erkelenz
Landei aus Schwaben im Pech mit Männern

Erkelenz: Landei aus Schwaben im Pech mit Männern
Nora Boeckler stand mit Rollenspiel, Gesangseinlagen und Wortspielereien auf der Bühne der Stadthalle. FOTO: RENATE RESCH
Erkelenz. Mutti, Teenie, das Nörle: Wandlungsfähige Nora Boeckler reizt die Lachmuskeln mit dem Schildern grotesker Situationen. Von Kurt Lehmkuhl

Was macht ein Landei aus Schwaben, wenn es die Aufnahmeprüfung zur Prostituierten nicht schafft? Es wird Schauspielerin. So schilderte Nora Boeckler knapp ihren Lebensweg, der sie zur Schauspielerin und Kabarettistin mit Wohnsitz in Köln machte. Mit ihrem ersten Soloprogramm "Spaß ist mir ernst" gastierte sie auf Einladung der Kultur GmbH in Erkelenz.

Rund 80 Gäste wollten sich ihren Spaß nicht nehmen lassen und warteten gespannt, aber erst vergeblich auf Nora Boeckler. Denn statt ihrer enterte Mutter Angelika die Bühne der Stadthalle. Sie könne, so erklärte sie, ihr Nörle doch nicht allein durch die Welt reisen lassen, ein Erziehungsberechtigter müsse immer dabei sein. Dabei schien es der Mama weniger um ihr Nörle zu gehen als vielmehr um ihr Trauma, dass die Tochter immer noch nicht verheiratet war - womit Nora Boeckler beim Thema war: sie und die Männer, eine Kombination, die per se zum Scheitern verurteilt scheint. Mit wenigen Handgriffen hatte sich die Kabarettisten von Mama in Nora verwandelt, die ihren Lebensunterhalt als Kellnerin in einem Café erarbeitet, da es mit der Schauspielerei wohl nicht so ganz gut klappen will. In der Café-Kulisse gelingt es ihr, mit nur wenigen Utensilien in andere Rollen zu schlüpfen, wie etwa in die des Teenies Jaqueline, deren IQ unterhalb jeglicher messbaren Grenze zu liegen scheint und die bereits ihr viertes asoziales Jahr absolviert. "Denken tut so weh", sagt Chucky von sich selbst, die von einer unheilbaren Krankheit gezeichnet ist: Sie hat Lippenherpes.

Mit ausgeprägter Wortspielerei und der Schilderung grotesker Situationen brachte Boeckler das Publikum zum Lachen. Sie selbst würde nie ein Tattoo tragen, anders als ihre Mama, die beim Tätowierer war. Sie hat sich die Rufnummer des Hausarztes auf den Unterarm stechen lassen. "Man weiß ja nie."

Ausgiebig berichtete Boeckler von ihren Männern, etwa vom professionellen Hypochonder Gregor Phillip, der einen Hypochonder-Verein gründen wollte, was aber daran scheiterte, dass immer die Hälfte aller Mitglieder krank war. Pech hatte sie auch mit Tom, dem Künstler, der bei Mama durchfiel, weil er ihrem Wunsch nach Enkeln widersprach, und der beim Vater keine Zustimmung fand, als er sich als Veganer outete. Bei der Wahl ihrer Männer mache sie jeden Fehler mindestens fünf- oder sechsmal, bekannte Boeckler. "Ich will halt auf Nummer sicher gehen." Sie lebe, so räumte sie ein, in einer Traumwelt, sie habe es schwer mit der Realität und quäle sich immer noch mit ihrer to-do-Liste von 2007 herum. Doch sie tröstet sich damit, dass die Zukunft noch vor ihr liege: Die 35 von heute ist die 25 von gestern, also bliebe ihr noch etwas Zeit - bis 45, dann wäre sie ja erst 35. Frauen machten Fehler, räumte sie freimütig ein, "aber weniger als Männer und eigentlich nur einen: Sie lassen sich auf Männer ein."

Das Publikum ließ sich auf die Rollenspiele, Gesangseinlagen und Wortspielereien von Boeckler ein. Es dankte mit langem, höflichem Applaus.

Quelle: RP
 
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