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Erkelenz
Landwirtschaft touristisch mehr nutzen

Erkelenz: Landwirtschaft touristisch mehr nutzen
Auf seinem Gangelter Hof begrüßte Bauernvorsitzender Bernhard Conzen (2.v.l.) Landrat Stephan Pusch und WFG-Geschäftsführer Ulrich Schirowski (r.). Katharina Schmitz ist Geschäftsführerin der Kreisbauernschaft. FOTO: Kreis Heinsberg
Erkelenz. Landrat Stephan Pusch informierte sich im Rahmen seiner Regionalwirtschaftlichen Besuchsreihe bei der Kreisbauernschaft Heinsberg. Die Branche hat Probleme. Statt zu jammern, setzt sie auf Dialog mit Verbrauchern.

Milchpreisdumping, Preisverfall auch beim Schweinefleisch, rigide gesetzliche Auflagen von Landes-, Bundes- und EU-Seite, Nachwuchsmangel in den Betrieben - den Landwirten, auch im Kreis Heinsberg, geht es nicht gut in diesen Tagen. "Die Agrarwirtschaft befindet sich in einer Krise, wir bewegen uns weiter nach unten", sagt Bernhard Conzen, Präsident des Rheinischen Landwirtschaftsverbandes und Vorsitzender der Kreisbauernschaft.

Die aktuellen Probleme der Branche, nach wie vor ein wichtiges wirtschaftliches Standbein des Kreises Heinsberg, besprach Conzen jetzt mit Landrat Stephan Pusch und Ulrich Schirowski, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Heinsberg (WFG), im Rahmen der regionalwirtschaftlichen Besuchsreihe "Landrat Pusch bei...". Mit dabei war auch die Geschäftsführerin der Kreisbauernschaft, Katharina Schmitz.

Die Erkenntnis, dass es um die heimische Landwirtschaft nicht zum Besten stehe, sei nicht neu, doch Conzen machte deutlich: Die Landwirte wollen kämpfen - gehen in die Offensive für ihren Berufsstand und für die Früchte ihrer Arbeit. Es gehe nicht um Klagen - man will auf Information, vor allem auf Dialog mit den Verbrauchern setzten. "Die Landwirte wollen die Distanz zu den Verbrauchern überwinden." So wie Mitte Juni bei der ersten "Höfetour" im Kreis Heinsberg, bei der Besucher interessante Einblicke in die moderne Landwirtschaft auf fünf Höfen im Selfkant erhielten - ob Milchwirtschaft, Acker- oder Gartenbau. "Geschätzt 4000 Menschen kamen und staunten", stellte Katharina Schmitz fest. "Ein voller Erfolg, den wir im nächsten Jahr wiederholen wollen."

Landrat Pusch zeigte sich beeindruckt vom bäuerlichen Engagement in eigener Sache und ist sich sicher, dass dies der richtige Weg sei: "Natürlich, es gibt noch viele, vielleicht zu viele Menschen, die vor allem auf ,billig und noch billiger' setzen - auch bei dem, was sie täglich essen und trinken."

Doch Pusch sieht auch eine Kehrtwende: "Immer mehr Menschen wollen wissen, wie und wo die Nahrungsmittel von unseren Bauern erzeugt werden. Sie wollen gute, nachhaltige Lebensmittel und sind dann auch dazu bereit, mehr dafür zu bezahlen." Das sei eine Chance für die heimische Landwirtschaft. "Ich freue mich zu sehen, dass immer mehr Landwirte das erkennen und darauf reagieren." Dabei wolle man helfen.

Verstärkte Direktvermarktung über Hofläden und Bauerncafés sei ein Weg, stellte WFG-Geschäftsführer Schirowski fest. "Wir sollten aber noch ein Stück weiter gehen: Die Landwirtschaft ist prägend für unseren Kreis - das muss man auch touristisch stärker nutzen." Nicht von ungefähr stünden der ländlich-naturnahe Tourismus und die sich daraus ergebenden Entwicklungsansätze im Mittelpunkt des gerade vorgestellten neuen Tourismuskonzepts für den Kreis. "Wir wollen beispielsweise das Thema ,Genussregion Kreis Heinsberg' viel stärker in den Vordergrund stellen."

Dabei gehe es nicht nur um das Genießen der guten heimischen Landwirtschaftsprodukte, sondern auch um das Erleben von Landwirtschaft. "Das ist für die Menschen aus der Region schon interessant, wie die Höfetour ja gerade erst gezeigt hat, aber so richtig spannend ist das für die Gäste aus den Ballungsräumen an Rhein und Ruhr, die so etwas praktisch gar nicht mehr kennen."

Landrat Pusch und Wirtschaftsförderer Schirowski wollen in den nächsten Wochen wichtige Akteure aus der Gastronomie, touristische Leistungsträger - aber eben auch Beschäftigte aus der Landwirtschaft an einen großen Tisch holen, um die Idee der "Genussregion Kreis Heinsberg" weiter mit Leben zu füllen.

Bernhard Conzen und Katharina Schmitz sagten spontan Unterstützung und aktive Mitwirkung der heimischen Landwirtschaft zu.

Quelle: RP
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