| 00.00 Uhr

Erkelenz
Leckere Prosa und deliziöse Musik

Erkelenz. Mit neuem Programm gastierten Wolfgang Wittmann und Robert Scholtes im Kulinarischen Treff. Von Katrin Schelter

Für die Einen ist es nur die notwendige Versorgung mit Nährstoffen, für andere ist der Verzehr und die Wertschätzung eines guten Essens eine Lebenseinstellung. So oder so spielen Essen und Trinken eine bedeutsame Rolle in unserem Alltag. Doch vielleicht gibt es zu den Leckereien, die auf unseren Tellern landen, noch ein bisschen mehr zu erzählen... Jetzt feierten Wolfgang Wittmann und Robert Scholtes die Premiere ihres vierten Programms "Ein Mensch beim Essen ist ein gut Gesicht" in den Räumen des Kulinarischen Treffs in der Kölner Straße. Wittmann unterhielt mit Rezitation, Gesang und seinem Talent an Gitarre und Mundharmonika, während Scholtes den Abend am Klavier begleitete. Ihren verlockenden Versprechungen eines literarisch-musikalischen Überraschungsmenüs wurden sie dabei in jedem Falle gerecht.

Nach der Eröffnung durch einige literarische Anekdoten zu den Benimmregeln bei Tisch, die aus Melchiorre Gioias Anstandsbuch "Nuovo Galateo" entnommen wurden, erwartete die Besucher dieses Festmahls der besonderen Art ein reichhaltiges Menü mit zahlreichen "appetitlichen" Gängen. Als Aperetif wurde ein Text von Raymond Chandler über die Vorzüge von Barbesuchen gereicht, anschließend folgte mit einem Augenzwinkern ein Gedicht Morgensterns über das fast intime Verhältnis von Gabel und Löffel. Es folgte ein philosophischer Teil mit Gedanken zur genussvollsten Notwendigkeit von Balzac, Kant, und Décartes - über den Hunger, den Einfluss der Speisen auf den Geist oder die Affinität zwischen Essverhalten und Sexualität. Obwohl all diese Programmteile geistig durchaus "sättigend" waren, lief einigen Gästen bis zum Hauptteil wohl buchstäblich das Wasser im Munde zusammen. Ihre Geduld wurde endlich belohnt: mit der Ode an die Tomate des Chilenen Pablo Meruda, dem Ochsenschwanzgedicht von Rudolf Hagelstange und weiteren geschmackvollen Anekdoten. Für ausgelassene Stimmung sorgte der Song zum Suppenkasper, der "Samba Olek", und der "Harzer Tango". Als weitere Leckerbissen standen ein Weingedicht und die Bratenphilosophie von Wilhelm Busch auf der Speisekarte. Ein wenig brüskiert zeigten sich die Künstler am Ende aber doch: Seltsamerweise wollte keiner im Publikum den "Abwasch" übernehmen. Einen Nachschlag zum gemeinsamen Singen gab es dann zur Freude aller Anwesenden aber doch noch.

Den krönenden Abschluss bildeten die echten Leckerbissen, die am Ende zum Verzehr bereitstanden, und das Rezeptblatt, das den Gästen mitgegeben wurde. Wolfgang Wittmann bedankte sich bei Christopher Viehausen und Karl-Heinz Esser und seinem Team für den gelungenen Abend.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Erkelenz: Leckere Prosa und deliziöse Musik


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.