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Erkelenz
Lesung in morbider Atmosphäre

Erkelenz. Die Mittsommernachtslesung der Erkelenzer Leseburg begeisterte erneut.

Nach Aussagen einiger "Wiederholungstäter" war die Mittsommernachtslesung 2016, organisiert von den Akteuren der Erkelenzer Leseburg, noch besser als die Premiere 2015. Damals wie heute pilgerten Freunde der Literatur in Scharen auf den Alten Friedhof an der Brückstraße, um sich einfangen zu lassen von abwechslungsreichen Texten und einer unnachahmlichen Atmosphäre aus über Jahrhunderten gewachsener Natur und dem morbiden Charme ehemaliger Grabstätten.

Mitten in Erkelenz in einer grünen Oase gab es Unterhaltung vom Feinsten bei Taschenlampenlicht, auf Klappstühlen und mit einem Pappbecher Wein. Unter anderem Helmut Wichlatz und Kurt Lehmkuhl lasen. Wie gut, dass sie organisatorische Unterstützung hatten; zum einen durch das Friedhofs- und Grünflächenamt, zum anderen durch Hubert Rütten vom Arbeitskreis Friedhof Brückstraße im Heimatverein, der einen Kurzvortrag über den ehemaligen Friedhof hielt.

Vorschusslorbeer gab es schon vor Beginn der Lesung: "Ich besuche eine Veranstaltung, von der behaupte ich sagen zu können, dass sie schon jetzt Kultstatus besitzt, obwohl sie erst einmal stattgefunden hat", sagte Christoph Radek, ein Kenner der Erkelenzer Kulturszene. "Ich weiß, dass bei der Premiere den Besuchern gute Unterhaltung geboten wurde. Zu dieser gesellt sich auf dem alten Stadtfriedhof eine stimmungsvolle Spätromantikkulisse, die mit ihrer Ausstrahlung bei den Gästen Anklang findet. Dazu wird zur Stimmung passendes literarisches Werk unter freiem Sternenhimmel von den Autoren vorgetragen. Das erlebt man nicht oft."

So geht die Leseburg ihren eigenen Weg. Denn mit Lyrik im Schatten des Wegekreuzes hatten wohl die wenigsten Besucher gerechnet. Georg Schneiderwind aus Mönchengladbach, meistens im Duett mit Gattin Elke, trug neben Texten und Gedanken zur Zeit auch einige Gedichte vor. Einen noch längeren Anfahrtsweg hatte Claudia Ingenillen aus Moers. Sie brachte die Geschichte "Regen" mit, die auf einem Friedhof endete, und die mysteriöse "Nachtfahrt" der Taxifahrerin Gundi, in der Realität und Fantasie miteinander verwoben sind. Für Margarete Kaiser aus Heinsberg war die Lesung unter freiem Himmel eine Premiere, die sie bestens meisterte. "Stille Nacht, Heilige Nacht" brachte die Zuhörer zum Schmunzeln. In "Frühlingslust" durfte Jakob Jansen froh sein, dass seine erotischen Abenteuer nur ein Traum waren. "Laari" ist der Titel einer Geschichte von Helmut Wichlatz, die in eine Zeit vor rund 30.000 Jahren entführte. Ganz aktuell war sein zweiter Beitrag "Komm lass uns spielen", in dem Jugendliche ein mörderisches Abenteuer "erleben" in einem toten Dorf im Erkelenzer Osten, das der Braunkohle geopfert werden muss.

Lehmkuhl hatte zwei in Erkelenz handelnde Geschichten mitgebracht. "Das letzte Bild" beschreibt die merkwürdigen Begebenheiten bei einem Verkehrsunfall, "Die Zahlen des Lebens" bringen einem Lottospieler Glück, auch wenn diese Zahlen nie gezogen werden.

"Es war wunderbar und wiederholenswert. Danke an alle Lesenden und die Organisatoren", so äußerte sich stellvertretende Bürgermeisterin Astrid Wolters. Sie will bei der nächsten Mittsommernachtslesung (23. Juni 2017) dabei sein.

(kl)
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